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08.01.2010

13:21 Uhr

Hedge Fonds

Investmentansatz für private Weicheier

VonChristopher Swann (breakingviews.com)

Hedge Fonds zielten früher unter allen Marktgegebenheiten auf positive Erträge ab. Die weit verbreiteten Verluste des letzten Jahres zeigten, wie weit sich viele von ihnen mittlerweile von ihren Wurzeln entfernt hatten. Hedge Fonds waren nie auf Privatanleger ausgelegt. Aber jetzt entdecken Produkte für durchschnittliche Investoren die alte Philosophie der Hedgies neu.

Früher zielten Hedge Fonds unter allen Marktgegebenheiten auf positive Erträge ab. Die weit verbreiteten Verluste des letzten Jahres zeigten, wie weit sich viele von ihnen mittlerweile von ihren Wurzeln entfernt hatten. Hedge Fonds waren nie auf Privatanleger ausgelegt. Aber neue Produkte für durchschnittliche Investoren entdecken die alte Philosophie der "Hedgies" neu.

Man könnte es als Ansatz der Weicheier für das Investieren in Aktien bezeichnen: Die Strategie, eine Kaufposition bei Aktien einzugehen, die Optionen einsetzt, die sowohl Gewinne als auch Verluste eingrenzen. Die Idee folgt als logische Konsequenz auf die Ausschläge des S&P 500-Index im vergangenen Jahr, die alle bis auf die allerkühnsten Investoren erschüttert hatten. Selbst jetzt notiert der Index immer noch um 24 Prozent unter seinem im Oktober 2007 erreichten Höchststand.

Darüber hinaus erscheinen andere Asset-Kategorien auch nicht als sonderlich attraktiv. Tagesgeld bringt äußerst wenig ein, und selbst die Renditen länger laufender Staatsanleihen sind so niedrig, dass das leiseste Anziehen der Inflation oder Bedenken um die Staatsverschuldung sie kräftig nach oben drücken und damit die Kurse torpedieren könnten.

Ein Fonds, der darauf abzielt, diese Investitionslücke zu füllen, ist der Schooner Growth and Income Fund. Der Fonds könnte zum Beispiel im Besitz einer Aktie über 100 Dollar sein und eine Kaufoption mit einem Basispreis von 105 Dollar verkaufen und dabei einen Aufschlag von drei Dollar für den Verkauf der Option nehmen. Wenn die Aktie auf 110 Dollar steigt, beträgt der Nettogewinn des Fonds acht Dollar. Er setzt sich zusammen aus dem Kursgewinn der Aktie von fünf Dollar, bevor sie an den Inhaber der Kaufoption verkauft wird, und der Optionsprämie von drei Dollar. Damit werden in diesem Beispiel 80 Prozent der Aufwärtsbewegung erfasst.

Wenn der Aktienkurs auf 90 Dollar fällt, wird der Fonds netto nur sieben Dollar verlieren bzw. 70 Prozent der Einbußen der Aktie. Doch die Aufwärtsbewegung ist begrenzt, die Verluste aber nicht. Die Kunst bei dieser Strategie liegt also darin, "Kletterpflanzen" ausfindig zu machen - Aktien, die das Potenzial haben, sich im Wert stetig nach oben zu bewegen, anstatt sprunghaft zu steigen oder zu explodieren. Dann können die Optionspositionen periodisch verändert werden, um sich Gewinne zu sichern oder Verluste abzumildern.

Seitdem der Schooner-Fonds vor über einem Jahr eingerichtet wurde, hat er zehn Prozent zugelegt, während der S&P 500-Index um zehn Prozent gefallen ist.

Sogar noch zaghafter geht die so genannte Collar-Strategie vor, wie sie zum Beispiel von einem jüngst aufgelegten Fonds von Summit Portfolio Advisors angewendet wird. Dieser verkauft Calls auf seine Aktien wie der Schooner-Fonds und sichert sich zusätzlich nach unten hin durch den Erwerb von Verkaufsoptionen ab.

Zum Ende des vergangenen Monats hatte der Summit-Fonds ausgerechnet, dass er selbst dann nur zehn Prozent verlieren würde, wenn der Wert all seiner Bestände auf null absinken würde.

Das ist eine verlockende Vorstellung für in Mitleidenschaft gezogene Anleger aus dem Privatkundenbereich, die verzweifelt Ausschau nach sicheren Investitionen halten, die die Aussicht auf annehmbare Erträge bieten. Vielleicht werden die althergebrachten Methoden der Hedge Fonds schließlich doch noch allgemein hoffähig.

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