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05.11.2012

07:11 Uhr

Henkel trocken

Armes Griechenland, glückliche Türkei!

VonHans-Olaf Henkel

Was den Griechen durch den Euro entgangen ist, sehen sie, wenn sie nach Istanbul schauen. In der Türkei will kaum einer noch die Einheitswährung. Warum auch? Griechenlands Nachbar lacht sich lieber ins Fäustchen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Noch bevor das erste Hilfspaket für Griechenland versandt wurde, habe ich mehrfach in „Henkel trocken“ darauf hingewiesen, dass diesem bald ein zweites folgen müsse. Nachdem dieses auf den Weg gebracht worden war, hatte ich hier das dritte angekündigt. Sobald dies jetzt offen über den Bundestag oder versteckt über verschlungene Wege dem deutschen Steuerzahler den Rachen heruntergewürgt wird, kann man getrost gleich das vierte Paket schnüren.

Das ist leicht vorauszusehen, denn ein Schuldenerlass verhindert zwar einen Staatsbankrott, beseitigt aber nicht das Hauptproblem der griechischen Wirtschaft. Die Reeder in Piräus, die Textilfabrikanten in Athen und die Hoteliers in den Urlaubsorten bleiben zu teuer.

In der langen Geschichte der Umschuldungen von Staaten (die von Argentinien und Russland sind uns noch im Gedächtnis) hat es nie eine solche ohne gleichzeitige Abwertung gegeben. Diese ist in einer Einheitswährung bekanntlich nicht möglich. Selbst wenn man Griechenland statt eines neuerlichen „haircuts“ eine Glatze verpasste und dem Land alle Schulden erließe, müsste der griechische Finanzminister bald wieder zum Friseur.

Griechenlands Nachbar lacht sich derweil ins Fäustchen. Der selbstbewusste Auftritt des türkischen Regierungschefs in Berlin mag manchem auf den Wecker gegangen sein; vor dem Hintergrund der dynamischen Wirtschaftsentwicklung seines Landes war er berechtigt. Erinnern wir uns: Zum Zeitpunkt der Einführung des Euro waren Griechenland und Türkei in ähnlicher Situation. Arbeitslosigkeit, Inflation, Staatsverschuldung waren in beiden Ländern katastrophal, Griechenland schien nur wegen getürkter Zahlen seinem Nachbarland überlegen.

Kommentare (67)

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PubliusAeliusHadrianusOlympios

05.11.2012, 08:10 Uhr

Griechenlands Problem war schon immer die Mitgliedschaft in der EU und die geostrategischen Interessen der USA speziell in dieser Region. Durch die Wirtschaftspolitik und diverser Abkommen der EU mit der Türkei, der quasi Mitgliedschaft der Türkei, ging dies zwangsläufig zu Lasten der einheimischen griechischen Wirtschaft, die eben auch abwanderte und in der Türkei investierte. Nichtsdestotrotz. Allein der Euro und die Zwangsjacke EU sind derzeit das eigentliche Problem Griechenlands. Wie schrieb dieser Tage die russische Pravda?: 'Russia can make Greece prospering state in one year. Greece should only give Russia the green light, and the Russian money will come'. Griechenland mit seinen Erdgas, Erdöl und Vorkommen an Seltenen Erden ist nach wie vor das reichste Land der EU.

Account gelöscht!

05.11.2012, 08:17 Uhr

mondahu war geschäftlich 2010 in GR zugange, 2011 in TR und 2012 wieder in GR, nicht nur besuchsweise, sondern ganze Monate lang. Was Herr Henkel hier schreibt kann er Wort für Wort bestätigen, in unmittelbarer Nähe erlebt ist es sogar noch schlimmer. Außerdem sieht er schon einige Kandidaten auf der europäischen Südschiene, die den Griechen folgen werden, wenn sie sich nicht schnellstens besinnen und die Lehren aus diesem GR-Trauerspiel ziehen. Aber Geld in Brüssel abdrücken ist immer noch bequemer.

MikeM

05.11.2012, 08:25 Uhr

Was ist GR denn bitte entgangen? 10 Jahre in Saus und Braus gelebt und nun 300 Mrd. Euro für lau erhalten. Harte Euros, die man schön auf schweizer Konten schaffen kann. Eine klasse Umverteilung Richtung GR, die immernoch anhält. Insofern hat GR alles richtig gemacht!

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