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11.06.2012

08:08 Uhr

Henkel trocken

Das Europa der zwei Geschwindigkeiten

VonHans-Olaf Henkel

Angela Merkel hat einen Plan. Die Kanzlerin sieht ein Europa mit zwei Geschwindigkeiten. Selbstverständlich soll die Eurozone die Rolle des Tempomachers spielen. Ein Trugschluss. Stattdessen wird ihr die Puste ausgehen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Wann haben wir zuletzt das Wort „Subsidiarität“ aus dem Munde eines Europapolitikers gehört? Schon lange her! Dabei war die Subsidiarität, die Verankerung von Verantwortung möglichst nah an den Bürgern und Bürgerinnen, das „A“ und „O“ des Lissabon-Vertrages. Nun ist das Gegenteil angesagt: Zentralisierung.

Welcher Euroretter redet noch von „Wettbewerb“? Sollte die EU nicht mal die wettbewerbsfähigste Region auf dem Globus werden? Gehörte der Wettbewerb unter den Ländern um die besten Ideen, Methoden und Rezepte nicht dazu? Vorbei! Jetzt setzt man auf das Gegenteil: Harmonisierung.

Welcher Politiker bekennt sich noch zur „Selbstverantwortung“ für die finanziellen Folgen der Ansprüche einer Nation? Kaum einer! Welch peinliches Schauspiel bot unser Finanzminister, als er seinen spanischen Kollegen geradezu anbettelte, mit dem Geld deutscher Steuerzahler spanische Banken zu sanieren.

Aber der Tanz um das Goldene Euro-Kalb wird noch weitere groteske Form annehmen! Um am Einheitseuro festhalten zu können, will Frau Merkel mit ihrem „Master-Plan“ die Eurozone zu einem Superstaat machen. Nicht etwa als Resultat einer die Bürgerinnen und Bürger einbeziehenden Diskussion um die Zukunft Europas, nein, als Nebenprodukt von Eurorettungspaketen! Da die meisten Nicht-Eurostaaten keine Lust mehr auf den Euro haben, muss ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ her. Natürlich geht sie davon aus, dass die Eurozone das schnelle und die anderen Länder das langsame Europa repräsentieren.

Wenn sie sich da mal nicht täuscht. Eine Region, in der Zentralisierung statt Subsidiarität, Harmonisierung statt Wettbewerb und die Vergemeinschaftung der Schulden vorherrschen, wird nicht nur von den Nichteurostaaten, sondern auch global bald abgehängt werden.

Kommentare (22)

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riddick

11.06.2012, 08:38 Uhr

"Auch der Vergleich der heutigen wirtschaftlichen Situation zwischen Griechenland und der Türkei, beide hatten beim Start des Euro ähnliche Bedingungen, zeigt, welches Unheil eine Einheitswährung anrichten kann. Mit der Kontrolle über die eigene Währung ist die Türkei Griechenland längst davongelaufen."
Das ist aber Unsinn, Herrn Henkel... Wie so oft von Henkel, Sarazzin und Co... Einfach mal irgendwas herausgreifen, aus dem Zusammenhang reißen, einen "Ursache-und-Wirkung"-Fall konstruieren und 99% des Restes der Realität ausblenden.... Diese "Argumentation" wird dann dem Volk/dem Leser als "Wahrheit" verkauft...
Griechenlands Probleme haben ganz andere Ursachen und die Drachme würde auch nicht viel bessern, lediglich die Probleme aufschieben...

Aber in einem hat er Recht: Ob unter Natioanlstaaten und einem federalen Hut: Wir sollten immer auf unsere Wettbewerbsfähigkeit achten und keine sozialistischen Träume leben!

Account gelöscht!

11.06.2012, 09:06 Uhr

"Der „Fiskalpakt“ soll dafür sorgen, dass die Süd-Länder effizienter werden, gleichzeitig sollen die Nord-Länder unproduktiver werden." Ökonomisch und politisch vertraute der Sozialismus schon immer auf die Rasenmäher-Methode, um alle Gänseblümchen auf das gleiche niedrige Niveau zu stutzen. Man wird auch vor dem Versuch nicht zurückschrecken, Gefälle in der Handelsbilanz mit einer Inflation in Deutschland auszugleichen.

Magellan

11.06.2012, 09:25 Uhr

Lieber Riddick,

der Vergleich Griechenland- Tuerkei ist entgegen Ihrer Behauptung sehr gut gewaehlt, da es Laender in der gleichen Region sind (nicht zu vergessen, das GR lange von der Tuerkei besetzt war).

Bei ihrer Argumentation kann man auch nur sagen, dass sie ihren Vorbildern folgen und keinerlei Gegenargumente liefern. Immerhin sagen sie nicht, dass GR gegenueber der Tuerkei benachteiligt war. Selbiges waere aufgrund der unglaublichen Hilfszahlungen an GR schon vor der Krise auch schwer zu glauben. Letztendlich hatte GR mit den reichen Cousins im Norden einen bedeutend leichteren Lauf als die Tuerken.

Dummerweise haben sich die Griechen aber keine Laufschuhe zugelegt, sondern haben ihren Vorteil lieber im Kafeneion verprasst, waehrend die Tuerken trainiert haben.

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