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26.03.2012

10:02 Uhr

Henkel trocken

Das Versagen der Aufsichtsräte

VonHans-Olaf Henkel

Bei Spitzensportlern bemessen sich die Gehälter am Marktwert. Dagegen hat sich die Vergütung der deutschen Spitzenmanager weit von der Realität entfernt. Das zeugt von Kontrollversagen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die rekordverdächtige Entlohnung des VW-Chefs Manfred Winterkorn zeigt es mal wieder: Kaum ein Thema weckt soviel Emotionen wie die Bezahlung der Manager großer Publikumsgesellschaften. Ich finde: zu Recht. Während die Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren Lohnzurückhaltung übten und dadurch mithalfen, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte und Dienstleistungen zu sichern, verdoppelten sich zwischen 2003 und 2011 die Vorstandsbezüge unserer Dax-Unternehmen.

Die Kollegen rechtfertigen diese Steigerung mit dem Hinweis auf den globalen Markt für Führungskräfte. In der Tat: Vorstände verdienen auch heute in Deutschland noch weniger als zum Beispiel in den USA. Aber mit Markt hat das Lohnfindungssystem in deutschen Aufsichtsräten nicht mehr viel zu tun.

In Sport und Kultur funktioniert der Markt. Dirk Nowitzkis Marktwert ergibt sich vor allem aus der für seinen Verein real existierenden Gefahr, ihn an einen anderen Rennstall zu verlieren. Bayern München wird Sebastian Schweinsteiger mit vielen Euro davon abhalten müssen, zu Real Madrid oder FC Barcelona zu gehen. Um „unseren“ Daniel Barenboim bemühen sich viele Konzertveranstalter in der Welt.

Der Aufsichtsrat eines deutschen Dax-Unternehmens läuft dagegen keine Gefahr, seinen fast 60-jährigen Vorstandschef ohne eine kräftige Erhöhung seiner Bezüge an die Konkurrenz zu verlieren.

Bezüge der Vorstände, die typischerweise durch Fünfjahresverträge fest gebunden sind, müssen sowieso nicht zwischendrin erhöht werden. Und das angeblich so große Interesse aus dem Ausland? Wann ist jemals ein deutscher Vorstandsvorsitzender mit der Aussicht auf mehr Geld über den Atlantik gelockt worden? Auch der in den USA ausgesprochen erfolgreiche Klaus Kleinfeld ging erst zu Alcoa, nachdem er bei Siemens sein Amt längst niederlegt hatte. Im Gegensatz zu deutschen Sportlern und Künstlern gibt es keine internationale Nachfrage nach deutschen Managern.

Kommentare (9)

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Mazi

26.03.2012, 10:22 Uhr

"Einige Aufsichtsräte versagen hier offensichtlich auf der ganzen Linie."

So kann man das nicht formulieren. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Sie funktionieren sogar im Einklang mit der ganzen Linie.

Es ist natürlich richtig, wenn Sie das Kontrollgefüge insgesamt als aus den Fugen geraten bezeichnen.

Ohne sozialistisch zu argumentieren, schauen Sie sich die Gehaltsentwicklung der Mitarbeiter, schauen Sie sich die Dividendenrenditen an, dann wissen Sie doch was los ist. Die Unternehmen sind zu einem Selbstbedienungsladen für Vorstände und deren Aufsicht verkommen.

Der Ertrag wird aus den Mitarbeitern gezogen und die Geschäftsrisiken auf die Aktionäre abgewälzt. Aktionäre und Mitarbeiter werden gegeneinander aufgehetzt, damit man sich weiterhin genüsslich bedienen kann.

Account gelöscht!

26.03.2012, 10:37 Uhr

Hermann J. Abs: Einen Aussichtsrat zur Verantwortung zu ziehen ist genauso schwer wie eine eingeseifte Sau am Schwanz fest zu halten.

Noch Fragen?

Der Vergleich mit Sportlern und Künstlern hinkt m.E.. Die Sportvereine können doch nur diese überhöhten Gehälter zahlen, weil die durch die Gebühreneintreibungszentrale (GEZ) zwangsfinanzierten ARD und ZDF Anstalten viel zu viel für Übertragungsrechte zahlen. M.M. nach sollte man Sportler und Künstler ziehen lassen und denen nicht jeden Honorarwunsch erfüllen. Ist das Angebot am Markt groß genug, dann fallen die Honorare bestimmt.




Account gelöscht!

26.03.2012, 10:41 Uhr

Sie treffen den Nagel voll auf den Kopf. Volle Zustimmung.

Ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Bosch hat gesagt: Niemand kann in der Lage sein mehr als 600.000 DM im Jahr auszugeben. Ich hätte große Schwierigkeiten 240.000 EUR im Jahr auszugeben.

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