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04.03.2013

12:49 Uhr

Henkel trocken

Der Euro: Die große Ansteckungsmaschine

VonHans-Olaf Henkel

Früher musste ein Land seine Schlamassel selbst ausbaden. Doch der Euro ändert alles. Die Staaten hängen zusammen wie nie – so dass sich deutsche Politiker sogar über einen italienischen Wahlausgang hermachen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Erst feierten deutsche Politiker und die den Euro so positiv begleitenden deutschen Medien Mario Monti als mutigen Garanten einer neuen italienischen Stabilitätskultur, dann landete dieser bei den Wahlen abgeschlagen hinter zwei „Clowns“ (Steinbrück) an vierter Stelle. Auch der spanische Präsident Mariano Rajoy war erst Lieblingszeuge euromantischer Deutscher für ein Spanien ohne Korruption, bis er selbst in einen Skandal verwickelt wurde, Ausgang noch offen. Mit Schaudern erinnert sich der Verfasser an eine Jahrestagung des BDI, auf der für den damaligen Ministerpräsidenten Papandreou, kurz bevor er sich aus dem Staube machte, noch ein peinliches Hochamt zelebriert wurde.

Vor Einführung des Euro waren nationale Fehlentwicklungen und Skandale Sache der betroffenen Länder. Wenn italienische Politiker eine unbekömmliche Suppe anrichteten, mussten italienische Bürger diese auslöffeln. Auch über deutsche Sonderwege schüttelten unsere Nachbarn immer mal wieder die Köpfe. Aber kein deutscher Politiker stellte bisher die Forderung auf, die Geschwindigkeitsbegrenzung auch auf allen europäischen Autobahnen aufzuheben.

Beim Euro ist das anders. Seit seiner Einführung hängt alles mit allem zusammen. Keiner der seit Kriegsende bisher über sechzig Regierungswechsel in Italien hat jemals dazu geführt, dass deutsche Politiker sich genötigt sahen, in italienische Wahlkämpfe einzugreifen. Jetzt taten sie es. Früher beeinflussten die Ergebnisse italienischer Wahlen bestenfalls die Börse in Mailand und den Außenwert der Lira. Jetzt ließen sie die Aktienkurse in Frankfurt, Paris und Madrid abstürzen und setzten unsere gemeinsame Währung unter Druck.

Kommentare (51)

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Brasil

04.03.2013, 13:07 Uhr

Ja, Herr Henkel, das wissen wir ja alles schon seit Jahren! Wo bleibt denn endlich die Aufforderung zur Realisierung eines wirksamen Konzeptes durch eine ausserparlamentarische Opposition.
Immer wieder die gleichen Phrasen zu dreschen, hat die Eurozone in die Situation gefuehrt und insofern sind alle daran schuld, die die Probleme erkannt bhaben, aber konkret nichts tun um sie aus der Welt zu schaffen.
Hier muss ein Aufstand organisiert werden und zwar so, dass diese Politmarionetten wirklich "in deckung" gehen muessen!

Micha

04.03.2013, 13:14 Uhr

Gleiches Recht für alle! Alles was für Griechenland galt (Zahlungsaufschübe, hair-cut,...), muß auch für andere EU-Länder gelten. Natürlich nur, so lange es noch etwas zu verteilen gibt :-) Je mehr man schreit und umso mehr man die EU in Frage stellt (zurück zur alten Währung!), desto eher wird man erhört und kann seine Forderungen nach noch mehr billigem Geld durchsetzen!

R.Rath

04.03.2013, 13:15 Uhr

Dem ist nichts hinzuzufügen, allerdings ist schon alles lange bekannt.

Wir haben drei Rollsthuhlfahrer.
Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble.

Helmut Schmidt war der Vordenker, Helmut Kohl der Vollstrecker, Wolfgang Schäuble der Nachlassverwalterverwalter des zusammengesunkenen Erbes.

Wer wird liquidieren? Hoffentlich ein gesunder Mensch mit gesundem Menschenverstand.

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