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30.09.2013

08:45 Uhr

Henkel trocken

Deutschlands Euro-Austritt ist ein Gebot der Solidarität

VonHans-Olaf Henkel

Mit einem Austritt aus dem Euro würden Deutschland und andere Nordländer wie Holland und Österreich nicht nur sich selbst einen Gefallen tun. Profitieren würden auch die verbleibenden Euro-Länder aus Südeuropa.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Nach mir meldete sich letzte Woche ein weiterer Ex-Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) zum Thema „Eurorettungspolitik“ zu Wort. Dr. Heinrich Weiss, erfolgreicher Familienunternehmer aus dem Siegerland, schätzt die Eurorettungspolitik ganz anders ein als der amtierende BDI-Chef, Dr. Ulrich Grillo. Letzterer meinte in der vergangenen Woche im ZDF, man müsse Europa nur „besser erklären“.  Am Wahlabend verbreitete er vor Millionen Fernsehzuschauern die Lüge, die AfD sei europafeindlich. Weiss, Anfang der 90er Jahre Präsident des BDI, hielt nun in der „Wirtschaftswoche“ dagegen:

„Der Erfolg der AfD zeigt, dass immer mehr Bürger die Vertuschung und Verleugnung der auf uns zukommenden Belastungen durch die Euro "Rettung" durchschauen. Das Ergebnis für die AfD wird die Politik zur Wahrheit ermahnen, die Öffentlichkeit aufwecken und den Parlamentariern klarmachen, dass Sie nur dem Wohl der Bürger und Ihrem Gewissen, aber nicht der Fraktionsführung verpflichtet sind. Die Medien haben nun eine besondere Verantwortung als einzige - wenn auch außerparlamentarische - kompetente Opposition in der Euro-Problematik.“

Gerade wem Europa am Herzen liegt, sollte sich gegen die Eurorettungspolitik auflehnen, denn diese bringt die Länder in der Eurozone zunehmend gegeneinander auf. Der Euro macht deutsche Politiker glauben, ihre Nase dauernd in die Angelegenheiten anderer Länder stecken zu müssen. Kein Wunder, dass die deutsch-französischen Beziehungen stimmungsmäßig auf einem Tiefpunkt angekommen sind und Kanzlerin Merkel bei ihrem letzten Besuch in Athen von 7000 Polizisten beschützt werden musste. Der Euro verbreitert den Graben zwischen den E.U.-Ländern nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Eurozone: Die Politik der Zentralisierung droht nun sogar, Großbritannien ganz aus der E.U. zu treiben.

Nicht nur die „Professorenpartei“ AfD, auch eine wachsende Zahl bekannter internationaler Ökonomen kritisiert die verheerenden wirtschaftlichen und politischen Folgen des Einheitseuros. Wie ihre deutschen Kollegen auch, sind sie zu der Überzeugung gelangt, dass der Euro längst zu schwer für den Süden geworden ist und dort massive ökonomische und gesellschaftspolitische Schäden anrichtet. Sie beklagen ebenso, dass der Euro für den Norden zunehmend unterbewertet ist und damit zu einer  Subvention der Exportindustrie zu Lasten der Bürger wird. Schließlich tragen diese das finanzielle Ausfallrisiko im Süden.

Kommentare (87)

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UweReissner

30.09.2013, 10:30 Uhr


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exFDPler

30.09.2013, 10:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Henkel,

Sie saßen lange genug an einer "Weiche" und hätten die Europapolitik mitgestalten können. Es geht mit auf Ihr Versäumnis zurück, dass Europa heute da steht, wo wir uns befinden. Sie haben lange genug die Lobby und deren Profiteure vertreten. Nur so konnte Europa in diese Misere hineinschlittern. Sie sollten langsam aufhören zu versuchen, uns Sand mit Ihren Beiträgen in die Augen zu streuen. Da hilft es auch nicht, wenn aus "Ihrer Ecke" Unterstützung lautstark wird. Ein paar (...) finden sich immer, die in Ihr Füllhorn blasen. Substanziell haben Sie auch heute keinen Beitrag vorzuweisen. Nichts als heiße Luft. (...) Erstaunlich, dass man Ihnen seitens der Medien immer noch den Freiraum bietet, Ihre Ansichten zu verbreiten.

Über die AFD wird in vier Jahren vermutlich niemand mehr reden. Retrospektiv betrachtet, werden Sie feststellen, dass Sie zum heutigen Zeitpunkt falsch gelegen haben. Hoffentlich besitzen Sie soviel Ehrgefühl, sich dies und der Öffentlichkeit einzugestehen.

Gekränkte "Gockel" sind ja selten einsichtig. Nachtragend zu sein, hilft Deutschland nicht weiter. Beenden Sie Ihre persönlichen Machtspielchen endlich, dies bringt uns nicht voran!


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Account gelöscht!

30.09.2013, 10:44 Uhr

1. Auch dies wird von den Laien in der Riege der Euromanen Regierungen wieder ignoriert werden.
2. Nach der Formulierung """Sie wollen nicht weiter akzeptieren, dass die gewachsenen unterschiedlichen Kulturen verschiedener Nationen den Bedürfnissen einer Währung untergeordnet werden.""" werden dann diese Ökonomen sicher unisono als "rückwärtsgewandt, nationalistisch etc." abgestraft werden.
Es ist zum K.... und eigentlich hätte die AFD am 22.09. 70 % der Stimmen bekommen müssen

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