Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2012

10:37 Uhr

Henkel trocken

Die deutsche Rettungspolitik ist ein Spiel ohne Torwart

VonHans-Olaf Henkel

Im Norden Europas benutzen Politiker noch ihren Verstand. So wäre Finnland dank seiner Finanzministerin selbst bei einem Euro-Ausstieg Griechenlands fein raus. Deutschlands Euro-Politik dagegen ist vollkommen naiv.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Eine alte Erfahrung lehrt: mitten im Getümmel der Schlacht verengt sich der Blick auf die unmittelbare Herausforderung; man verliert leicht den Überblick. Das gilt ganz besonders für den Euro in diesen Tagen. Auch deshalb war ich am Wochenende auf einer Tagung, zu der ein schwedischer Think-Tank weit ab von Stockholm eingeladen hatte. Dabei wurde mir wieder einmal klar, wie anders als bei uns sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Politiker aus den nordischen Ländern heute über den Euro nicht nur denken, sondern auch reden und vor allem, handeln.

Vor 14 Jahren hatte ich noch Arm in Arm mit meinem damaligen schwedischen Industriekollegen für den Euro geworben. Anders als bei uns, lag die Entscheidung dort nicht in den Händen der politischen Klasse, sondern in denen der Bevölkerung. Die lehnte nicht nur dankend ab, sie erteilte damit auch den Wirtschaftsführern eine Lektion. Heute lehnen immer noch 91 % der schwedischen Bevölkerung und inzwischen schon 73% der schwedischen Unternehmer die Einführung des Euro in ihrem Land ab. Man kann davon ausgehen, dass eine Befragung zum Nord-Euro anders ausgehen würde.

Obwohl vertraglich zur Euro-Einführung verpflichtet, übt sich die schwedische Regierung in beredtem Schweigen. Obwohl Barroso, Juncker & Co. bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Euro als unverzichtbares Europaprojekt loben, fordert keiner von ihnen, dass die Schweden diesem Klub beitreten. Warum wohl?

Andererseits kann man am Beispiel Finnlands sehen, dass nicht alle Politiker der Eurozone ihren Verstand an der Brüsseler Garderobe abgegeben haben. Die (sozialdemokratische!) Finanzministerin Finnlands hat sich geweigert, weiter finnisches Geld im griechischen Fass ohne Boden zu riskieren. Um nicht am finnischen Widerstand das ganze Rettungspaket zu gefährden, überschrieb die griechische Regierung daraufhin dem finnischen Staat erstrangig besicherte Pfänder. Dafür wird die finnische Finanzministerin jetzt in Helsinki von den Medien gefeiert.

Kommentare (38)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Dummkoepfe

18.06.2012, 11:14 Uhr

Jawohl die Finnen. Man denke nur an die Pisastudie.
Wer das alles bezahlen wird ist eh klar. Die dümmsten in Europa sind die "Deutschen". Beschimpft als NAZI's.
Und die Griechen werden weiterhin die Milliarden bekommen und Fr.Merkel mit dem Nasenring durch die Arena schleifen.
Es reicht !

722

18.06.2012, 11:20 Uhr

Deutschland schafft sich ab.

Tabu

18.06.2012, 11:20 Uhr

Anders als bei uns, lag die Entscheidung in Schweden nicht in den Händen der politischen Klasse, sondern in denen der Bevölkerung.
------------------------------------
Das wir laut Grundgesetz keinen Volksentscheid verankert haben,wurde jahrzehntelang begrüßt.Es gab niemanden der
sich für eine Volksbefragung stark gemacht hätte.
Jetzt erst,kam vor einigen Tagen von der SPD ein
großzügiges entgegenkommen,Volkeswille mehr einfließen zu lassen.Jetzt,wo der Deutsche,Europa-und Euro-politisch keinen Schaden mehr anrichten kann.Dafür haben
wir ja auch unsere Politiker.Herausgekommen sind,unmündig gehaltene Menschen,welche sich abgewandt haben."Die da oben,machen eh was sie wollen." Jetzt braucht der Deutsche
auch kein Referendum mehr..Das große Ganze ist über ihn
hinwegentschieden worden.Alles weitere ist jetzt nur noch ekelhafte Anbiederei,an den Bürger,welcher ungefragt,
an Brüssel verschachert wurde..

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×