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25.11.2013

09:52 Uhr

Henkel trocken

Die Dicke Bertha steht jetzt in Paris

VonHans-Olaf Henkel

In allen Ländern gab es Politiker und Ökonomen, die gegen den Euro waren. Doch nur in anderen Ländern wird unverkrampft darüber diskutiert. So setzen deutsche Euro-Kritiker auf politische Unterstützung aus dem Ausland.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Gemeinsam ist, dass es in allen Euroländern immer schon einzelne Politiker, Wirtschaftsführer und Ökonomen gab, die gegen den Euro waren. Bei uns verbindet man vor allem Namen von Professoren wie Roland Vaubel und Joachim Starbatty mit der frühen Opposition gegen die Euro-Einführung. Von den Wirtschaftsführern kam Thyssen-Chef Dieter Spethmann aus der Deckung.  Zur überschaubar großen Politikerriege der frühen Euro-Kritiker gehörten die FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff, Ralf Dahrendorf und der ehemalige Ministerpräsident Sachsens Georg Milbradt (CDU). Es gab auch Journalisten, die sich eurokritisch äußerten – wie beispielsweise Klaus C. Engelen, dem das Handelsblatt daraufhin einen Maulkorb verpasste.

Ein auffallender Unterschied ist, dass nur in Deutschland  kaum jemanden offen zugibt, seine Meinung über den Euro geändert zu haben. Der renommierte französische Professor Fancois Heisbourg, ein Euro-Befürworter der ersten Stunde, hat gerade mit seinem neuen Buch („Das Ende des europäischen Traums“) eine Diskussion über Alternativen zur Einheitseuropolitik angestoßen. So etwas wäre in Deutschland undenkbar.

Ich bezweifle, dass irgendjemand, der diese Zeilen liest, einen einigermaßen bekannten Deutschen benennen kann, der von einem öffentlichen Befürworter zu einem öffentlichen Gegner des Euro geworden ist – außer vielleicht den Gründer der „Alternative für Deutschland“ (AfD), Professor Bernd Lucke, und den Verfasser von „Henkel trocken“. Das ist umso erstaunlicher, als dass wohl kaum ein Mensch der Einführung des Euro zu den Bedingungen zugestimmt hätte, wie wir sie heute haben. Trotzdem stehen deutsche Politiker, Wirtschaftsführer und Chefredakteure in unverbrüchlicher Treue zur Einheitswährung.

Sogar EZB-Präsident Mario Draghis Ankündigung, zur Not unbegrenzt Staatspapiere von Südländern (einschließlich Frankreichs) zu kaufen, wurde hier meist gefeiert, obwohl Deutschland letzten Endes für diese bürgen müsste. In Anlehnung an Krupps Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg sprach Draghi von der „Dicken Bertha“, die er von Frankfurt, dem Sitz der EZB, jederzeit und in jede Richtung zur Rettung des Euro abfeuern könne.

Kommentare (46)

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25.11.2013, 10:18 Uhr

Weil es den meisten Deutschen noch relativ gut geht, wird hierzulande nicht wirklich hinterfragt, wer tatsächlich am Euro verdient und wer zwangläufig daran verliert. Es wird was von "Exportnation D" nachgeplappert und dann lässt man Merkel und Schäuble weiterwursteln und wendet sich wieder anderen Dingen zu.
Ich frage gerne in Diskussionen nach, ob jemand den ESM-Text im Original durchgelesen hat: Seltenst gibt es ein ehriches Ja.

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25.11.2013, 10:19 Uhr

Weil es den meisten Deutschen noch relativ gut geht, wird hierzulande nicht wirklich hinterfragt, wer tatsächlich am Euro verdient und wer zwangläufig daran verliert. Es wird was von "Exportnation D" nachgeplappert und dann lässt man Merkel und Schäuble weiterwursteln und wendet sich wieder anderen Dingen zu.
Ich frage gerne in Diskussionen nach, ob jemand den ESM-Text im Original durchgelesen hat: Seltenst gibt es ein ehriches Ja.

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25.11.2013, 10:21 Uhr

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