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02.01.2012

07:07 Uhr

Henkel trocken

Die europäische Fiskalunion oder ein Europa der Vaterländer?

VonHans-Olaf Henkel

Die Krise des Euro könnte auch etwas Gutes haben, wenn sie ein rationales Nachdenken über die politische Gestaltung unseres Kontinents auslösen würde. Tut sie aber nicht.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Wir werden Zeugen eines grotesken Vorgangs: Als Nebenprodukt von Euro-Rettungspaketen zeichnen unsere euromantischen Architekten eine zentralistische Eurozone („Fiskalunion“) auf die Landkarte, die sich schon bald als anachronistisch herausstellen wird. Anstatt ein Währungssystem den vorhandenen Kulturen anzupassen, soll ein ganzer Kontinent den Bedürfnissen einer Währungsunion untergeordnet werden.

Während sich Bundespräsident Wulff und Kanzlerin Merkel in ihren Weihnachts- bzw. Neujahrsbotschaften in ihrer Europa-Rhetorik gegenseitig zu übertreffen suchten, hat Alt-Bundespräsident Herzog zum Jahresende dankenswerterweise auf die Bremse getreten und eindringlich vor den “Vereinigten Staaten von Europa“ gewarnt.
„Scheitert der Euro, scheitert Europa“ meint Bundeskanzlerin Merkel. Was für ein Trugschluss! Europa hat es schon lange vor dem Euro gegeben, selbst in der EU gibt es noch zehn Länder, von denen kaum eins noch Lust auf den Euro verspürt. Darüber hinaus gibt es weitere ca. 20 europäische Länder wie z.B. Norwegen oder die Schweiz, die nicht einmal in der EU sind. Und was würde uns Frau Merkel sagen, wenn der Euro tatsächlich scheitern sollte?

Da angesichts des angerichteten Chaos den Befürwortern der Einheitswährung die ökonomischen Argumente ausgegangen sind, werden vermehrt politische Begründungen ins Feld geführt. Wenn gar nichts mehr hilft, wird behauptet, der Euro wäre notwendig zur Friedenssicherung. Einmal ganz davon abgesehen, dass wir auch zu D-Mark-Zeiten im Frieden lebten und seit der Einführung des Euro auch mit unseren Nichteuro-Nachbarn gut auskommen, ist dies Argument auch historisch unsinnig.

Kommentare (28)

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M.Deyanaron

02.01.2012, 07:59 Uhr

Ich bin für die Fiskalunion,wenn dann die EU endlich das wird, wofür sie konstruiert worden war.Die jetztigen Situation mit dieser 'Staatengemeinschaft' und der Versuch einer Konfoderation ist teuer,ineffizient und macht jeden Problem unlösbar.Die EU war schon immer ein Proekt bei dem es um eine politische Union ging aber wir zieren uns ständig den letzten Schritt zu machen und haben an der Stelle eine normalen staatsähnliche Organisation einen Irrgarten von Räte,Komissionen,Gerichten und Institutionen welche so konzipiert sind um in ein Bundesstaat zu funktionieren und nicht in eine 'Europäische UNO'.Nur wenn wir diesen letzten Schritt gehen,macht es Sinn in die EU Wahlen-jetzt haben wir ein Parlament der wie die Vollversammlung der Uno in New York ist-nutzlos da jede Entscheidung durch den Sicherheitsrat mit einem Veto belegt wird und der EU Rat macht das selbe in Europa.Das ganze funktioniert nicht weil die Institutionen zu einem Bundesstaat passen und nicht zu einem Staatenverbund.Da war so konzipiert weil es in der Europäischen Geschichte immer Staatenbündnisse gab und diese weiter munter Krieg gemacht haben.Die Idee ist ein Bundesstaat und wenn die Maastricht 2 welche am 9.Dez. beschlossen wurde,den ersten Schritt ist um die Sache zum Ende zu bringen,so bin ich für die Fiskalunion.

W.Fischer

02.01.2012, 09:54 Uhr

FRAGE AN M.Deyanaron, ist ihnen bekannt warum angeblich die EU gegründet wurde?
Wenn nein, lesen oder sehen Sie die Antwort mit Herrn Verheugen im Youtube.com.
Ich bin für die Variante, EU-der Vaterländer.
Danke

heuchler

02.01.2012, 10:30 Uhr

Was für ein unglaublicher Pharisäer.
Hat er doch selbst den Euro immer vehement befürwortet.

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