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25.03.2013

09:45 Uhr

Henkel trocken

Drei Lektionen aus Zypern

VonHans-Olaf Henkel

Die zyprische Kritik an Kanzlerin Merkel ist hart – aber teilweise berechtigt. Der Euro ist schuld daran, dass deutsche Politiker anderen Ländern vorschreiben wollen, wie sie ihre Unternehmen zu besteuern haben.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die Empörung über die geplante teilweise Konfiszierung zypriotischer Bankkonten auch unter einem Volumen von 100.000 Euro beschränkte sich nicht nur auf die Mittelmeerinsel. Schnell wurde auch hier bemerkt, dass dadurch das Merkel‘sche Versprechen („Die Einlagen sind sicher!“) entwertet wurde. Danach boten unsere Euroretter ein Bild jämmerlicher Verantwortungslosigkeit.

Finanzminister Schäuble schob die Schuld der Europäischen Zentralbank (EZB) in die Schuhe. Der deutsche Vertreter in der EZB, Asmussen, reichte den Schwarzen Peter umgehend zurück. Als die zypriotische Regierung später auf die Idee kam, die Rettung ihrer Banken durch eine Beleihung der Rentenkassen zu finanzieren, reagierten deutsche Regierung und Opposition mit Empörung.

Wie immer die Krise ausgehen mag, sie lehrt uns drei Lektionen:
Erstens, die Proteste in Nikosia helfen unseren Eurorettern die Folgen ihrer Politik vor den deutschen Wählern zu verschleiern.

Einigung in Zypernkrise: EU-Finanzminister billigen Rettungsplan

Einigung in Zypernkrise

EU-Finanzminister billigen Rettungsplan

Die Laiki-Bank wird wohl abgewickelt, eine Abgabe auf Einlagen soll es nicht geben.

Wenn die Zyprioten jetzt ihre Wut vorzugsweise an der Kanzlerin auslassen, mögen die meisten Deutschen das als ungerecht empfinden, aber bei nüchterner Betrachtung muss man erkennen, dass die Kritik ihr hilft und teilweise sogar berechtigt ist.

Der Protest vermittelt den deutschen Wählern den Eindruck, die deutsche Regierung würde die Interessen der deutschen Steuerzahler kraftvoll vertreten. Das tut sie nicht. Sie hat längst sämtliche zu Zeiten der Aufgabe der D-Mark gegebenen Versprechen gebrochen und hätte mit dem Rettungspaket wieder einmal eine vorher energisch in den Sand gezogene rote Linie überschritten (Schäuble: „Zypern ist nicht systemrelevant!“). Die Bundesregierung braucht Proteste im Ausland dringend für die Beruhigung ihrer Wähler im Inland.

Kommentare (47)

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25.03.2013, 08:17 Uhr

"Drei Lektionen aus Zypern"

NIX?

Ich bin gespannt was man machen wird wenn Frankreich sich endlich zu seiner Pleite öffentlich bekennen darf oder Italien, dann wirds erst spannend. So lange wird dieses Affentheater bzw. diese Show weitergehen.

Sarina

25.03.2013, 08:20 Uhr

Ja, Herr Henkel, dass deutsche Politiker sich in die inneren Angelegenheiten anderer europäischer Staaten einmischen, mag auch daran liegen, dass wir der unangefochtene Klassenprimus in Europa sind, dass wir die höchsten Rettungsbeiträge zu leisten haben und unser Geld nicht durch den mediteranen Schornstein verbrannt sehen möchten. Und sicher trägt auch das inkompetente, korrupte, unsolidarische und illoyale Verhalten der meisten Südländer dazu bei, dass sich Deutschland - weil es den €uro retten will - einmischen MUSS. Einerseits wird von Deutschland Führung geradezu erwartet, andererseits jaulen alle auf, wenn gerade das geschieht. Das ist schizophren!

bernardo

25.03.2013, 08:38 Uhr

Guten Morgen Herr Henkel,
Sie bringen's mal wieder auf den Punkt.
Die Zypern-"Rettung" hat's mal wieder gezeigt: Immer wieder dasselbe Schmierentheater: "Nach einer dramatischen Nachtsitzung hat es im letzten Moment eine Einigung gegeben..." Das Vokabular kommt uns mittlerweile sehr bekannt vor. Man mag's ja schon nicht mehr hören.
Die Fäden ziehen ganz andere. Wir erleben zur Zeit den grössten Raubzug der Geschichte. Und die grösste Volksverdummung, weltweit. Ich denke, man muss das alles im geschichtlichen Kontext der vergangenen 100-150 Jahre sehen. Die derzeitigen Ereignisse stehen nicht isoliert da.
Ob die mittlerweile hinlänglich bekannte Alternative daran was ändern wird, oder besser gesagt, ändern kann. Ich hab da so meine Zweifel. Noch immer gilt: Geld (GS und Konsorten)regiert die Welt.

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