Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2013

12:53 Uhr

Henkel trocken

Euro-Bonds sind tot! Es lebe die Bankenunion!

VonHans-Olaf Henkel

Erinnern sich die Leser noch an den Euro-Bond? Im neuen Koalitionsvertrag ist davon plötzlich keine Rede mehr. CDU/CSU und die FDP reklamieren dies als Erfolg ihrer Politik. Doch darauf sollte niemand hereinfallen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Euro-Bonds sind vom Tisch. Sie tauchen auch im neuen Koalitionsvertrag nicht mehr auf. Die Regierungsverantwortlichen vermitteln uns so den Eindruck, als hätten sie drohende Risiken von uns abgewendet. Wie so oft, fallen auch einige Vertreter der in ihrer unverbrüchlichen Treue zum Euro verbundenen deutschen Medien darauf hinein. Dabei sollte ihnen doch längst klar geworden sein, dass jetzt eine Europäische Bankenunion dafür sorgen wird, Banken durch deutsche Steuerzahler und deutsche Sparer retten zu lassen.

Weil das nur „für Notfälle“ und nur mit Zustimmung auch unseres Finanzministers möglich sein soll, lässt sich eben dieser Finanzminister für das derzeitige Verhandlungsergebnis von Teilen der deutschen Presse feiern. Verdrängt wird, dass alle bisherigen Rettungsaktionen mit solchen „Notfällen“ begründet und von der Bundesregierung aktiv gefördert wurden.

Bei „Hart aber Fair“ hatte der bisherige Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, dem Verfasser von „Henkel trocken“ und Millionen von Zuschauern noch garantiert, dass eine Haftung deutscher Sparer für ausländische Banken endgültig vom Tisch sei. Dass sie jetzt, nach den Wahlen zum Bundestag, in Form eines von der Presse gelobten Kompromisses doch auf dem Tisch liegt, zeigen sowohl die wohlwollende Reaktion des Sprechers des Deutschen Bankenverbandes als auch der Protest seines Kollegen vom Deutschen Sparkassenverband.

Eine Bankenunion, die alle Banken in der Euro-Zone stabilisieren soll, macht ohne die riesigen Einlagen deutscher Sparer bei Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Volksbanken keinen Sinn. Da hat Wolfgang Schäuble Recht. Deshalb wäre es an der Zeit, dass die Vertreter der Interessen deutscher Sparer nicht nur in offenen Briefen an die Kanzlerin und in Großanzeigen gegen die „Europäische Einlagensicherung“ protestieren. Sie müssten endlich den Mut aufbringen, die Alternative aufzuzeigen.

Kommentare (28)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Numismatiker

16.12.2013, 12:57 Uhr

Es ist egal, mit welchem Instrumentarium der deutsche Steuerzahler bzw. Sparer geschröpft bzw. enteignet wird.

Sicher ist: Die deutschen Bevölkerung wird auf jeden Fall zahlen müssen.

Heinz

16.12.2013, 13:17 Uhr

sehr geehrter Herr Henkel, ich träume gern mit Ihnen, aber es wird nichts von dem umgesetzt werden. Weil wir ersten keine wirkliche soziale Martkwirtschaft mehr haben, die Grossbanken ihre Gewinne (und ausgewiesene Risiken) steuern können und somit kaum einzahlen. Die Kapitalvorschriften für Investitionen in Staatspapiere von den Finanzministern bestimmt nicht drastisch verschärft werden. Wo sollen sie sonst ihre Schulden finanzieren? Direkte Käufe der EZB sind ja (noch) verpönt. Deswegen werden Spanien und Italien ihren Banken ja auch Bilanztricks erlauben, damit sie die Richtlinien einhalten können. Mehr Risikokapital, das dann haften würde, kommt damit nicht rein. Wer wird also letztendlich wieder zahlen? Unsere Politiker haben 5 Jahre Zeit (haben sie sich mit unserem Geld "gekauft", was hat die Minute eigentlich gekostet?)gehabt die Probleme zu lösen. Passiert ist fast nichts (jedenfalls nicht das Richtige). Warum sollten sie das jetzt plötzlich ändern?

Martin_Hellmann

16.12.2013, 13:51 Uhr

Beim Kommen einer Bankenunion oder gar negativen Zinsen erst recht und auch jetzt schon ist es doch fatal, größere Geldbeträge auf dem Bankkonto zu lassen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×