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09.04.2012

12:06 Uhr

Henkel trocken

Euro-Fanatismus ignoriert humanitäre Katastrophe

VonHans-Olaf Henkel

Die ökonomische und politische Begründung für den Euro hat sich längst in Luft aufgelöst. Übriggeblieben ist ein vergleichsweise lächerlicher Vorteil der Einheitswährung.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Nach Dutzenden von Euro-Rettungsgipfeln, Hunderten von Milliarden für Rettungspakete und bald Tausenden von Milliarden für Bürgschaften und „Target“-Risiken ist nur noch der vergleichsweise lächerliche Vorteil der entfallenen Kosten für den Währungsumtausch übrig geblieben. Der gewichtete Außenwert des Euro ist stetig gesunken. Konjunkturell wird die Euro-Zone jetzt sowohl von den Nichteuroländern in der EU als auch den meisten anderen Wirtschaftsräumen abgehängt. Dass der Euro zu schwer für die Franzosen und Griechen und zu leicht für die Deutschen und Holländer ist, kann man in der Außenhandelsstatistik, den steigenden Arbeitslosenzahlen im Süden und den inzwischen inakzeptablen Inflationsraten im Norden ablesen.

Auch die politischen Begründungen für die Einheitswährung lösen sich jetzt in Luft auf. Selbst das ultimative Totschlagargument, „Ohne Euro keinen Frieden in Europa“, verkehrt sich jetzt ins Gegenteil. Wir haben den Frieden in Europa den Demokratien und nicht dem Euro zu verdanken. Noch nie hat eine Demokratie eine andere angegriffen! Aber mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) werden jetzt sogar die Demokratien aushöhlt. Außerdem verbreitert der Euro ständig den Graben zwischen der Eurozone und den Nichteuroländern. 73 Prozent der schwedischen Unternehmer und 80 Prozent der schwedischen Bürger wollen vom Euro nichts mehr wissen. Von den zehn Nichteuroländern in der EU will nur noch die rumänische Bevölkerung den Euro.

Auch innerhalb der Eurozone kommt es immer öfter zu Zwist und Streit. Waren die Deutschen vor der Krise die beliebteste Nation in Griechenland, sind wir dort inzwischen die am meisten verhasste. Kein Wunder, wenn die „Fiskalunion“ von immer mehr Menschen zwischen Athen und Paris als eine wirtschaftliche Variante teutonischer Kriegsführung wahrgenommen werden muss. Statt die eigene Währung abwerten zu können, um so wieder zu Wachstum und Arbeitsplätzen zu kommen, zwingt der potenziell größte Gläubiger diese Länder zu immer neuen Sparorgien und Schrumpfkuren nach deutschem Muster.

Kommentare (116)

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09.04.2012, 12:17 Uhr

Merkel und Schäuble werfen alles rein in den EU-Feuertopf, was brennt. Zurück bleiben dann viel Asche und verbrannte Vermögen der Deutschen und Verträge, die uns Deutsche zu EU-Vasallen auf Jahrzehnte machen. Die anderen Länder lachen sich jetzt schon kaputt über uns.

Petra

09.04.2012, 12:22 Uhr

Unsere einzig verbleibende Rettungschance ist eine Anti-Euro-Partei! Leider wird es ein Traum bleiben...

Rainer_J

09.04.2012, 12:35 Uhr

Der Euro ist das Goldene Kalb der EUdSSR. Deshalb ist auch alles alternativlos. Anstatt Vernunft walten zu lassen, vernichtet mal lieber die Spareinlagen durch Inflation. Die Dummen sind Menschen, die langfristige Sparverträge wie eine Lebensversicherung oder Riesterrente haben und da nicht so ohne weiteres raus können. In Deutschland sind das nicht wenige.

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