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12.11.2012

10:23 Uhr

Henkel trocken

Europa-Reden und die halbe Wahrheit

VonHans-Olaf Henkel

Die „Europa-Rede“ von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz war ein Vortrag voller Halbwahrheiten und Widersprüchlichkeiten. Dabei braucht es am Rednerpult endlich jemanden, der sich traut, die ganze Wahrheit zu sagen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Vor drei Tagen habe ich mir die „Europa-Rede“ des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, angehört. Es hat sich gelohnt, nicht nur wegen der eleganten Einführung durch den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, sondern wegen der in ihrer an Widersprüchlichkeit kaum zu überbietenden Rede von Martin Schulz.

Schon sein Redestil ließen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Zwar erinnerte er die Zuhörer respektvoll daran, dass die „Nachkriegsjahre keine Zeit des Pathos“ waren, sonderte dann aber eine pathetische Luftblase nach der anderen ab. Ich finde, auch bei Europapolitikern haben wir Anspruch auf Konkretes statt auf Sprüche wie „mehr Langfristigkeit in der Politik“.

Martin Schulz zitierte Thomas Mann, dem ein „europäisches Deutschland“ lieber als ein „deutsches Europa“ war. Dass die von den meisten Europäern kritisierte Germanisierung der europäischen Fiskalpolitik eine direkte Folge der von ihm mit zu verantwortenden Eurorettungspolitik ist, verschwieg er.

Mit Beifall bedacht wurde die von ihm zum Ausdruck gebrachte Empörung über die in griechischen Medien in Nazi-Uniform dargestellte Bundeskanzlerin. Dass vor der Eurokrise Deutschland noch das angesehenste Land in Griechenland war, sagte er auch nicht.

Er beklagte die „verlorene Generation“ in Griechenland und Spanien, überging aber die Ursachen, die auch in unserer „one-size-fits-none“-Währung zu suchen sind.

Schulz bejammerte, dass viele Deutsche sich als Zahlmeister für den Schlendrian anderer in Haftung genommen fühlen, andere Völker sich als Opfer einer von Berlin oktroyierten Sparpolitik sehen. Dass die Bürger in beiden Fällen auch richtig liegen könnten, kam ihm nicht in den Sinn.

Kommentare (44)

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DerDoolittle

12.11.2012, 10:37 Uhr

Wo ist denn hier der "I like" button?

ubjay

12.11.2012, 10:39 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Europaer

12.11.2012, 10:51 Uhr

Ihrem Beitrag kann ich nur uneingeschränkt zustimmen, Herr Henkel!

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