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06.02.2012

09:43 Uhr

Henkel trocken

Feigheit vor dem Klassenfeind

VonHans-Olaf Henkel

Der Organisator des Weltwirtschaftsgipfels, der Deutsche Klaus Schwab, stellte in Davos den Kapitalismus und die Globalisierung in Frage. Doch er macht es sich zu leicht. Wo bleiben die Stimmen der Wirtschaft?

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Der Organisator des Weltwirtschaftsgipfels, der Deutsche Klaus Schwab, stellte in Davos den Kapitalismus und die Globalisierung in Frage. Das war für mich keine Überraschung, ist er doch immer schon gern dem Zeitgeist hinterhergelaufen.

Natürlich war das nicht nur eine Gelegenheit für Linke, sondern auch eine für sogenannte Querdenker und sich öffentlich gern nachdenklich Gebende, mit den Advokaten der Freiheit, des Individualismus und der Selbstverantwortung abzurechnen. Das Versagen der Politik, den Finanzsektor so zu regulieren wie in der Realwirtschaft längst geschehen, macht es ihnen leicht. Dass die in Davos versammelten deutschen Wirtschaftsführer es ihren ausländischen Kollegen überließen, die Marktwirtschaft und die Globalisierung öffentlich zu verteidigen, ist typisch für die „schweigende Mehrheit“ auf deutschen Vorstandsetagen. Grossmann und Reitzle sind rühmliche Ausnahmen.

Ähnlich wie in Diskussionen über die Energiewende und den Euro, bei denen viele Wirtschaftsführer unter vier Augen das genaue Gegenteil von dem sagen, was sie öffentlich von sich geben, engagiert sich kaum einer von ihnen noch öffentlich für Marktwirtschaft und Globalisierung: nicht in Talk Shows, nicht einmal in Davos.

Dabei lässt sich unser Gesellschaftssystem so einfach verteidigen. Hier ist etwas Nachhilfeunterricht:

Dass durch den internationalen Handel zusätzlicher Wohlstand in den entwickelten Ländern und neuer Wohlstand in den Schwellenländern entstanden ist, sollte unter wirtschaftspolitisch Aufgeklärten Allgemeinwissen sein. Gerade Deutschland profitiert von der Globalisierung. Man braucht sich ja nur einmal vorzustellen, was bei uns los wäre, wenn wir unseren Exportüberschuss nicht hätten. Mindestens jeder fünfte deutsche Arbeitsplatz hängt von Export ab. Schon deshalb ist es seltsam, dass ausgerechnet Deutsche der Globalisierung gegenüber so kritisch und dem Euro in solch unverbrüchlicher Treue gegenüberstehen. Den Euromantikern in deutschen Vorstandsetagen sei noch einmal ins Stammbuch geschrieben: 60 Prozent unserer Exporte gehen nicht in die Euro-Zone, Tendenz: steigend, Grund: Globalisierung.

Und die Globalisierung ist nicht nur ein wirtschaftliches Phänomen. Es reisen nicht nur Waren, Investitionen und Kapital um die Welt; Ideen, Ideale und Wertvorstellungen tun dies auch. In meinen Vorlesungen an der Universität Mannheim veranschauliche ich die insgesamt segensreichen Folgen der Globalisierung immer gern durch das „Sympathische Dreieck“.

Eine Seite des Dreiecks repräsentiert die Marktwirtschaft, die ihren Siegeszug um die Welt fortsetzt. Ob mit dem Adjektiv „sozial“ davor oder in ihrer angelsächsischen Variante, die Marktwirtschaft hat sich allen sozialistischen Modellen als überlegen erwiesen.

Zur selben Zeit – und das ist die zweite Seite des Dreiecks – setzen sich, trotz Guantanamo, Hugo Chavez und dem lupenreinen Demokraten im Kreml, auch die Menschenrechte immer mehr durch. Als engagiertes Mitglied von Amnesty International sehe ich in den Jahresberichten, dass sich die Menschenrechtssituation in immer mehr Ländern verbessert. Die Todesstrafe ist heute in mehr Ländern abgeschafft als je zuvor. Dass sich nach der Erklärung der Menschenrechte vor 61 Jahren weltweite Standards für Menschenrechte langsam aber sicher durchsetzen, ist auch eine Folge der Globalisierung.

 

Kommentare (26)

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Christian

06.02.2012, 11:36 Uhr

Endlich einer, der Sagt was Sache ist, auch wenn ich nicht in allen Punkten mit Herrn Hengel über eins bin, aber im Grundsatz gibt es zur freien Marktwirtschaft keine Alternative!! Allerdings haben wir diese auch längst nicht mehr, deshalb wird die Gesellschaft auch immer Verrückter.

Politikverdrossen

06.02.2012, 11:36 Uhr

Wundert es Sie wirklich Herr Henkel, dass sich keiner Ihrer Kollegen zum Verteidiger der Marktwirtschaft aufschwingt?

Mich nicht, denn das ganze ist vielmehr eine Folge der Medienlandschaft, in der wir leben. Erstens ist ein Großteil der Medien kritisch bis feindlich gegenüber der Marktwirtschaft eingestellt und nicht in der Lage Marktwirtschaft, unregulierte Finanzmärkte und Politikversagen gedanklich auseinander zu halten.

Zweitens geht jeder, der unangenehme Wahrheiten ausspricht, in diesem Umfeld ein hohes persönliches Risiko ein. Die Gefahr -einmal im Focus- plötzlich selbst böswillig von den Medien attakiert und an den Pranger gestellt zu werden, ist immens. Kopper, Breuer, Sarazin u.v.a. sind warnende Beispiele, wie hoch der Preis für eine öffentlich geäußerte unpopuläre Meinung sein kann.

Nur wenige Manager oder Unternehmer wollen dieses Risiko für sich und das Unternehmen, das sie repräsentieren, eingehen.

Account gelöscht!

06.02.2012, 11:51 Uhr

Parmesahntorte
Ein längst zu backender eurostatischer Camenbert wird nicht dadurch größer und köstlicher, indem man ein Stück herausschneiden und es an eine andere Stelle setzt- außerhalb. Jedoch eine längst zu backende eurostatische Parmesahntorte wird nicht dadurch größer und köstlicher indem Mann eine Planierraupe drüber fahren tut.Auf Parmeshntorten kann Mann sich nicht stützen. Sie leisten keinen Widerstand. Schlimmer noch: Es gibt derzeit mindestens sieben relevante Macroökonomien,4 USA, 2 GB, 2 Österreich,1 Deutschland (Systemtheorie),aber die Planierraupen fressen die Torte völlig sozialistisch statt länderspezifisch auf. Außerdem ist das sympathische Dreiech ein anbivalentes Viereck durch web 3.0.
Microökonomisch kann man dieser Parmesahntorte keine tortegabel(n) hinzufüge:
Eintritt der Staaatsschuldenkrise 2009/10/11/12/13

Nominelle Lohnstückkosten in Prozent= Pro-Kopf-Arbetnehmerkosten im Verhhältnis der gesamtwirtschftlichen Produktivität aller Beschäftigten auf Basis der Landeswährungen, siehe Eurostat, Eurozone (17),Eurozone (15), Eurozone (27),Polen,GB,Bulgarien,Eib,Slowenien...

Respice finem

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