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30.07.2012

09:23 Uhr

Henkel trocken

Frankreich – Deutschland: Scheidung nötig!

VonHans-Olaf Henkel

Deutschland und Frankreich hatten immer schon eine besondere Beziehung. Allerdings keine glückliche. Sie hat unter anderem die Nöte des Euro zu verantworten. Um die Qualen zu beenden, bleibt nur ein Ausweg.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die deutsche Debatte über den Euro stößt sofort an ihre Grenzen wenn jemand Alternativen zur Einheitseuropolitik ins Gespräch bringt. So verschreiben weder die über 200 Ökonomen in ihrem "Offenen Brief" noch Kritiker wie Prof. Hans-Werner Sinn oder Thilo Sarrazin den Ausstieg aus der Einheitswährung. Letzterer meinte, der Nord-Euro sei ohne Frankreich aus politischen Gründen nicht akzeptabel.

Dabei sind ausgerechnet die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich die Hauptursache für das Leiden des Euro:

Ohne französischen Druck hätte die „kränkelnde Frühgeburt“ des Euros (Gerhard Schröder) nicht das Licht der Welt erblickt. Aus inzwischen vom Elyseé veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass die Aufgabe der D-Mark tatsächlich Voraussetzung für Frankreichs Zustimmung zur Wiedervereinigung war.

Die Aufnahme Griechenlands, gegen die ich damals als BDI-Präsident protestierte, ist vor allem auf Verlangen der Franzosen erfolgt.

Auf französischen Druck wurde die „No-Bailout-Klausel“, die Brandmauer zwischen deutschen Steuerzahlern und ausgabefreudigen Politikern in anderen Ländern, niedergerissen. Wie der damalige spanische Ministerpräsident Zapatero berichtete, drohte sein Kollege Sarkozy im Mai 2010 der Kanzlerin mit der Aufkündigung des französisch-deutschen Sonderverhältnisses und der Wiedereinführung des Franc.

Seitdem ist die Erfolgsliste der französischen Diplomatie im Durchsetzen ihrer währungspolitischen Vorstellungen immer länger geworden. Die Unabhängigkeit der EZB ist perdue. Eine europäische Wirtschaftsregierung á lá francaise wird nun auch von der Kanzlerin akzeptiert. Pariser Vorstellungen einer Finanztransaktionssteuer wurden von Berlin übernommen. An den wichtigsten Schaltstellen in IWF, EU, Eurogruppe und EZB sitzen entweder Franzosen oder von ihnen ausgesuchte Sympathisanten von vergemeinschafteten Schulden.

So wie die Vorschläge zu einer alternativen Europolitik, so werden auch die Forderungen, das privilegierte Verhältnis zu unserem Nachbarn im Westen zu normalisieren, von Politik und Medien sofort tabuisiert. Einmal ganz davon abgesehen, dass die Europolitik immer mehr zu einer Einbahnstraße in Richtung Paris ausgebaut wurde, haben bevorzugte bilaterale Beziehungen weder in einer föderalen Union aus 27 selbstbewussten Nationen, noch in den Vereinigten Staaten von Europa etwas zu suchen. Schon jetzt geht die Achse Paris-Berlin zunehmend anderen Staaten auf die Nerven. Welche Regierung will gern zwischen Paris und Berlin ohne ihre Mitwirkung ausgekungelte Entscheidungen übernehmen?

Kommentare (164)

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yankee

30.07.2012, 09:33 Uhr

Scheidung nötig?
Ob Herr Henkel tatsächlich die historischen Bedingungen Europas ausblenden möchte und wenn ja: weiß er genau, von wem er mit Beifall rechnen muß für seinen Montagsdoodle?

Baier

30.07.2012, 09:44 Uhr

Sie argumentieren wie immer absolut schlüssig. Es wäre eine Aufgabe unserer Diplomatie gewesen, sich mit den Euro-Kritikern (GB, Schweden, Finnland, NL) zu verbünden statt der französischen Diplomatie nachzugeben, die sich allerdings, wie es scheint, zu Tode siegt.

Baier

30.07.2012, 09:50 Uhr

@yankee
politische Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland ist wichtig und hat sich, das sollten Sie eigentlich wissen - während Jahrzehnten bewährt. Erst durch den Versuch, Deutschland für die Schuldenübernahme einiger unsolide wirtschaftenden Staaten einzuspannen, sind ernste Differenzen entstanden. Das Totschlagargument, der Euro sichere den Frieden, wird von immer weniger Leuten akzeptiert. Leider gehören dazu in der Mehrzahl sozialistisch geprägte Regierungen, die ja auch mehrheitlich dieses Schlamassel verursacht haben. Its the economy, stupid!

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