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15.10.2012

09:17 Uhr

Henkel trocken

Friedensnobelpreis, nicht für den Euro!

VonHans-Olaf Henkel

Warum das Nobel-Komitee den Preis ausgerechnet jetzt an die EU verliehen hat, gibt Rätsel auf. Angesichts der bedrohlichen Euro-Krise erscheint die Aktion wie eine Verzweiflungstat.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Als engagiertes Mitglied von Amnesty International hatte ich mich über die Nachricht zuerst sehr gefreut. Mit der jährlichen Vergabe des EU-Menschenrechtspreises hat das Europäische Parlament die EU weltweit an die Spitze der politischen Organisationen gebracht, die sich für Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Nelson Mandela bekam den Preis zu einer Zeit im Gefängnis zuerkannt, zu der die europäischen Regierungen noch beste Beziehungen zum Apartheid-Regime in Pretoria pflegten. Alexander Dubcek bekam ihn, als die Prager Kommunisten noch von deutschen Ostpolitikern hofiert wurden.

Das Europäische Parlament hatte sich auch nicht davon abhalten lassen, Bürgerrechtler in China und Russland zu ehren; trotz wütender Proteste der Machthaber in diesen Ländern und unverhohlen geäußertem Missmut von Diplomaten und Wirtschaftsführern. Das Europäische Parlament wäre ein würdiger Gewinner und sein Präsident, Martin Schulz, in Oslo ein glaubwürdiger Empfänger des Preises gewesen.

Statt, wie von Alfred Nobel satzungsmäßig vorgeschrieben, den Preis für eine präzise dem Frieden und den Menschenrechten dienende Leistung des vergangenen Jahres zu vergeben, zog das Komitee vor, ihn der EU für ihren Beitrag zu „über sechs Jahrzehnte langer friedlicher Entwicklung in Europa“ zukommen zu lassen. Das Komitee stellte dabei besonders „die deutsch-französische Aussöhnung“ und die „demokratische Entwicklung in den süd- und osteuropäischen Ländern nach dem Mauerfall 1989“ heraus.

In der Tat sind das alles wunderbare Entwicklungen gewesen. Die offensichtliche Motivlage der Jury, die Begründung und der Zeitpunkt dieser Entscheidung lassen aber den Verdacht aufkommen, hier solle in einem letzten Verzweiflungsakt den Eurorettungspolitikern noch einmal kräftig unter die Arme gegriffen werden.

Kommentare (38)

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15.10.2012, 09:25 Uhr

Dieser schwachsinnige Preis soll der gehirnwäsche der naiven und dummen Menschen dienen.
Leider gibt es von denen immer noch zu viele - sonst wäre das ganze Euro und EU Lügentheater schon Geschichte....

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15.10.2012, 09:28 Uhr

Ey, Henkel-Trocken,
jetzt mach doch endlich mal den Kanzler!
Weisse was, meine Stimme hast Du.

Account gelöscht!

15.10.2012, 09:34 Uhr

Dr. Merkel möchte den Nobelpreis bald global vergeben, man möge ihr das vergeben.

„Es ist aller Mühen wert, sich für Europa einzusetzen.“Es kann schon sein, dass sich Merkel auf allen Gipfeln "abmüht." Die Kanzlerin opfert ihre Arbeitszeit und das Volk der Deutschen bald die Billion. Und diese finanzielle Last ist angesichts der Mühen der Kanzlerin geradezu lachhaft. Allerdings sollte sich die Kanzlerin einmal fragen, wie sich viele abmühen müssen, um allein einen mies bezahlten Minijob auszufüllen. Da mühen sich die Ärmsten der Armen, und Merkel stellt sich über deren Mühen. Wir sagen an dieser Stelle pfui Frau Dr. Merkel. Der Unterschied liegt darin begründet, dass ihre Mühen noch hundete von Milliarden kosten werden, vgl. fortunanetz. Auch die Forschungsinstitute haben verlautbaren lassen, dass Griechenland nicht mehr zu retten ist, - dafür sollte es den Nobelpreis geben, und zwar wegen der Unruhen in dem Land.
Und eine gewisse Verblendung sehe ich darin, wenn die Kanzlerin das Erfolgsmodell in den Rest der Welt exportieren will. Da haben wir dann bald weltweit nur noch Rettungsschirmwährungen unter dem Schutz des IWF. Eben Insolverzverschleppung weltweit. Nur zu ...

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