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23.04.2012

09:56 Uhr

Henkel trocken

Gegen die Verwahrlosung im Internet

VonHans-Olaf Henkel

Das Handelsblatt setzt sich dafür ein, dass Leser auf der Online-Seite mit ihrem vollem Namen kommentieren. Das fordert auch Kolumnist Henkel - im Kampf gegen Vorverurteilungen, Beschimpfungen und Verschwörungstheorien.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Seit einigen Monaten schreibe ich montags für Handelsblatt Online diese Kolumne. Auch vorher habe ich mich in Büchern, Kommentaren und Essays zu gesellschafts-, wirtschafts- und finanzpolitischen Themen geäußert. Natürlich gibt es auch „Online“ viele konstruktive Kommentare zu meinen Thesen und Beobachtungen. Es sind immer wieder welche dabei, die mich auf einen Fehler in meiner Argumentation aufmerksam machen, auf einen neuen Gedanken bringen oder eine falsche Behauptung korrigieren. Trotzdem ist meine Erfahrung mit den Online-Reaktionen auf „Henkel trocken“ im Vergleich zu den Leserbriefen, die ich auf meine gedruckten Veröffentlichungen erhalte, niederschmetternd.

Inzwischen hat sich ein wiederkehrendes Muster für die besonders unreflektierten und ärgerlichen Reaktionen ergeben:

  • Anstatt sich mit den vorgebrachten Argumenten auseinanderzusetzen, wird die vorgebrachte These ohne weitere Begründung in Bausch und Bogen in Abrede gestellt. (Die vergleichsweise harmlose Variante: „So einen Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen.“)
  • Passen die Schlüsse nicht in das Weltbild des Lesers, werde ich beleidigt. (Ein Beispiel erspare ich mir aus naheliegenden Gründen.)
  • Einige Leser haben ein schier unwiderstehliches Verlangen, mir sachfremde Motive für eine vorgebrachte Meinung zu unterstellen. („Sie sagen das ja nur, weil Sie Mitglied im Aufsichtsrat von „X“ oder im Beirat von „Y“ sind.“)
  • Manche Einsender verbreiten absurde Verschwörungstheorien. („Neue D-Mark-Banknoten werden schon gedruckt.“)
  • Regelmäßig arbeiten sich einige an Positionen ab, die ich nie eingenommen habe. (In der Psychologie spricht man von „erwartungsgesteuerter Wahrnehmung“)
  • Häufig geraten sich die Kommentatoren untereinander in die Haare und beschimpfen sich gegenseitig.
  • Oft tobt sich die „Diskussion“ über Sachverhalte aus, die mit dem in der Kolumne angesprochenen Thema nichts mehr zu tun haben. (Statt über den Euro wird dann über Günther Grass gestritten.)

Kommentare (47)

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der-oekonomiker

23.04.2012, 10:39 Uhr

Worüber beschwert sich Hr. Henkel? Doch gegen etwas, was heute als "Zeichen der Zeit" verstanden werden muss. An dieser "Verrohung der Sitten" würde auch der Klarnamen nichts ändern, die Wortwahl würde nur minimal entschärft. Andererseits: Die Kommentare müssen per Email von den Verfassern freigegeben werden, da wäre es kein großes Problem einzugreifen und gegen die schlimmsten Auswüchse vorzugehen. Beleidigung und üble Nachrede sind nicht unbedingt Dinge, die in Deutschland ernsthaft bestraft werden. Da wäre vielleicht eher anzusetzen. Übrigens, werde ich weiter mein "der-oekonomiker" verwenden. Wer möchte, findet meinen Blog, ergo mich, über jede x-beliebige Suchmaschine. War bisher aber noch nicht notwendig, trotz regelmäßiger Beschimpfungen hier und anderswo. Hr. Henkel, leben Sie einfach damit,müssen andere Leute auch ...

Gunter

23.04.2012, 10:44 Uhr

Zu Ihrem Beitrag Herr Henkel kurz und bündig, Sie haben recht.

der-oekonomiker

23.04.2012, 10:45 Uhr

Tja, manchmal ist sie schwierig die dt. Sprache! Der vorletzte Satz muss natürlcih richtig heißen: War bisher noch nicht notwendig, trotz regelmäßiger Beschimpfungen gegen mich hier und anderswo.

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