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12.03.2012

09:00 Uhr

Henkel trocken

Hollande ebnet „Nord-Euro“ den Weg

VonHans-Olaf Henkel

Frankreichs Wahl öffnet die Chance für den Kurswechsel in der Euro-Politik: Egal wer in Paris gewinnt, die Schuldenbremse wird er nicht umsetzen. Dann wird es Zeit für Deutschland und andere, die Euro-Zone zu verlassen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

„Griechenland erfüllt die Voraussetzungen für ein zweites Hilfspaket“, berichtet die deutsche Presse, so als stünde dahinter eine tolle Leistung der Griechen. Richtiger wäre gewesen: „Griechenland werden alte Schulden erlassen und neues Geld geschenkt“.  Das dritte Rettungspaket kann getrost jetzt schon geschnürt werden.

In der Geschichte von über einhundert ähnlichen Umschuldungen hat es noch nie einen Fall ohne eine gleichzeitige Abwertung gegeben. Die aber ist in einer Einheitswährung bekanntlich nicht möglich. So bleiben der Reeder in Piräus, der Textilunternehmer in Athen und der Hotelier auf Mykonos viel zu teuer. Längst erweist sich der Einheitseuro als zu schwer auch für andere Südländer, Frankreich eingeschlossen. Und als zu leicht für Deutschland, Finnland, Holland und Österreich.

Die von einigen deutschen Ökonomen, Wirtschaftsführern und Politikern gehegte Hoffnung, die Eurozone könne sich Griechenlands entledigen, hat sich auch deshalb jetzt zerschlagen, weil Portugal als nächstes an der Reihe gewesen wäre. Dort schrumpft die Wirtschaft weiter, wie auch in Spanien, dem dazu noch ein spektakulärer Generalstreik bevorsteht.

Italien will selbst unter dem Technokraten Monti jetzt von den bisher vereinbarten Stabilitätsauflagen abrücken. Da vor allem französische Banken Staatsanleihen von Südländern in ihren Tresoren verwahren, wird Frankreich weiterhin alles tun, die Südländer vor einem Austreten aus der Euro-Zone zu bewahren und ihr die wichtigsten Gläubiger, Deutschland vorneweg, zu erhalten.

Zunehmend braucht auch Frankreich selbst die deutsche Bonität. Die französische Industrie hat an Wettbewerbsfähigkeit stark verloren, die Arbeitslosigkeit steigt, die Jugendarbeitslosigkeit explodiert. Frankreichs Neuverschuldungsquote war im letzten Jahr vier Mal so hoch wie Deutschlands.

Kommentare (207)

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Kairos

12.03.2012, 09:19 Uhr

Schade, dass Herr Henkel vergisst, dass die EU der massgebende Grund für die mehr als erfolgreiche Aufarbeitung grauenhafter Kriege des 20. Jahrhunderts ist. Wir leben heute viel besser als noch vor einem ganzen oder halben Jahrhundert. Mehr Bescheidenheit und Weitsicht wäre angebracht.

Account gelöscht!

12.03.2012, 09:31 Uhr

Wenn Herr Henkel glaubt daß Merkel ihren geliebten Euro aufgibt, wird er sich täuschen.
Die Frau wird weiter, mit breiter Unterstützung der Opposition, die Bankenrettung 2.0 betreiben und spätestens im Herbst/Winter Eurobonds zustimmen - nicht direkt, aber wie immer bei dieser Regierung getarnt, und mit schönen Namen. Der bis dahin installierte ESM wird Milliarde um Milliarde ans Mittelmeer leiten.
Im Endergebnis haben wir einen Fiskalpakt auf Papier, unbegrenzte Haftung für die PIGS und Eurobonds. Ein vollständiger Sieg der Südländer plus Frankreich.
Wer glaubt Merkel sei fähig deutsche Interessen durchzusetzen träumt. Die Dame hat nur ein Ziel - Kanzlerin bleiben. Und bis zur Wahl 2013 wird sie deshalb nicht unternehmen das nach Risiko aussieht. Sie wird schrittweise zurückweichen, Hollande Zugeständnisse machen, die Öffentlichkeit mit Lügen und Halbwahrheiten sedieren und Deutschlands Zukunft für ihre persönlichen Machtinteressen opfern.

Account gelöscht!

12.03.2012, 09:32 Uhr

Er hat ja recht,doch leider hat er nicht das Sagen. Unsere Politiker machen so weiter! "bis alles in Scherben fällt"

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