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17.12.2012

08:21 Uhr

Henkel trocken

Holt unser Gold heim!

VonHans-Olaf Henkel

New York, London und Paris: Der größte Teil des Bundesbank-Goldes lagert nicht daheim, sondern im Ausland. Dabei gibt es gleich mehrere gute Gründe, die Barren nach Frankfurt zu holen – auch ohne Verschwörungstheorien.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die Bundesbank verwaltet 3400 Tonnen Gold. Sie gehören den deutschen Bürgerinnen und Bürgern. Am Markt würden diese heute rund 130 Milliarden Euro erzielen. Weniger als ein Drittel der Barren lagert in Frankfurt, das meiste in New York, London und Paris. Der Verfasser gehört nicht zu den Verschwörungstheoretikern, die glauben, dass Amerikaner, Briten oder Franzosen schon mit einigen unserer Barren „über den Deich“ gegangen sind. Trotzdem gibt es gute Gründe, das Gold unverzüglich nach Frankfurt zu überführen.

Eine Inventur ist nur in Frankfurt möglich

Jeder Einzelhändler muss seine Bestände einmal im Jahr in Augenschein nehmen. Fehlt etwas, muss er den Schwund bilanzieren. Wenn nun sogar der Bundesrechnungshof moniert, dass die im Ausland lagernden Schätze noch nie physisch auf ihre Vollständigkeit überprüft worden sind, müssten im Finanzministerium sämtliche rote Lampen aufgehen.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Zwar sind deren Vertreter sonst mit Verdächtigungen gegenüber Banken schnell bei der Hand, gegenüber den ausländischen Banken, die unser Gold verwalten, ist ihr Vertrauen grenzenlos. Kein Wunder, dass der Haushaltsauschuss des Bundestages die Bundesbank aufgefordert hat, für eine solche Inventur zu sorgen. Diese weigert sich, weil es „an der Integrität der ausländischen Lagerstellen …keinen Zweifel“ (gibt). Sie scheint diese Zweifel nur an ihrer eigenen Lagerstelle in Frankfurt zu haben. Dort wurden laut Bundesrechnungshof schon längst sämtliche Goldbestände „stückzahlmäßig aufgenommen und gewogen“.

Als deutsche Abgeordnete unser Gold in ausländischen Tresoren in Augenschein nehmen wollten, wurde ihnen der Zutritt verwehrt. Daraus schließt sich: Nur wenn unser ganzes Gold in Frankfurt lagert, kann die Bundesbank dieses regelmäßig überprüfen.

Kommentare (76)

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Norbert

17.12.2012, 09:04 Uhr

Auch ohne "Verschwörungstheorien" gehört den Deutschen das Gold nicht !
Deutschland ist nach wie vor ein besetztes Land !
Dem schlafenden Bürger, welcher sich mit Lügen einlullen lässt, mag das entgangen sein.

Account gelöscht!

17.12.2012, 09:05 Uhr

Das wäre übrigens auch ein Wahlkampfthema für die "Freie Wähler".
Viele Bürger können die Reaktion unserer Politiker, dazu, nicht nachvollziehen.

Leopold

17.12.2012, 09:06 Uhr

Heimholen?
Das würde doch nur sofort nach Brüssel verlagert! So wie Brüssel derzeit alle Finanzmittel einzieht, die irgendwie umzulagern sind und den Schuldenstaaten angedient werden können. Es wäre an der Zeit etwas dagegen zu tun, aber unsere Politk lässt lieber alles laufen, anstatt aufzumucken!

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