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17.09.2012

07:55 Uhr

Henkel trocken

Kritiker der Europolitik am Ende: Was nun?

VonHans-Olaf Henkel

Aller Protest, jeder Versuch eines Aufstandes war umsonst: Der ESM ist auf dem Weg, die EZB kauft fleißig Anleihen, der Zug in Richtung Bankenunion längst unterwegs. Den Euro-Kritikern bleiben nun zwei Möglichkeiten.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die Gegner der Eurorettungspolitik müssen heute ernüchtert erkennen: Sie haben eine Schlacht nach der anderen verloren. Jetzt rächt sich, dass die kritischen Ökonomen, die unverdrossenen Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht, die zunehmend empörten Redakteure in den Wirtschaftsredaktionen, die Anführer der Protestaktionen im Internet und auf den Marktplätzen und die Abweichler im Bundestag die Rettungsorgien für den Euro zwar kritisierten, die meisten von ihnen aber am Einheitseuro in unverbrüchlicher Treue festhielten.

Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts ist jedes weitere juristische Vorgehen gegen den ESM sinnlos. Sollen sich die Kläger jetzt an den lieben Gott wenden?

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Nach der Übernahme der Kontrolle der EZB durch die Vertreter der südlichen Nehmerländer ist jede weitere Opposition eines einsamen Bundesbankpräsidenten eine Geste hoffnungsloser Hilflosigkeit. Soll Weidmann jetzt auch noch zurücktreten?

Auch der Zug in Richtung Bankenunion ist unter Mitnahme der Einlagen deutscher Sparer längst abgefahren. Da nützt auch der spektakuläre offene Protestbrief des Präsidenten des Sparkassenverbandes an Kanzlerin Merkel nichts. Sie würde eher die deutschen Sparer als den Euro im Stich lassen.

Weitere Aktionen gegen ESM, Aufkäufe der EZB und Bankenunion werden zunehmend zur Donquichotterie. Diejenigen, denen die unausweichliche Inflation und der zunehmende Zentralismus in der Eurozone ein Gräuel sind, müssen deshalb jetzt drei Schlussfolgerungen ziehen:

Erstens, der Euro wird tatsächlich gerettet, koste es uns was es wolle. Auch Griechenland bleibt in der Eurozone.

Kommentare (74)

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Account gelöscht!

17.09.2012, 08:13 Uhr

Mannheim war doch eigentlich mal ein kulturell anziehender Ort, ich war zwar lange nicht mehr dort, aber wenn ich meinen Freunden dort glauben darf, ist es eigentlich immer noch so.
Wenn das für die Universität Mannheim auch noch gelten würde, wäre es perfekt :)
Gegen den Euro zu wurschteln ist vergebene Liebesmüh, der Zug ist abgefahren. Bringt den Studenten doch besser bei, wie sie sich wirtschaftlich in Europa einbringen können und so zum Wohlstand beitragen.
Ansonsten muß ich einfach annehmen, das Professoren aus dem Bereich Ökonomie der Gesinnungspolitik mehr zugeneigt sind, als echter Wissenschaft.

Account gelöscht!

17.09.2012, 08:25 Uhr

Die relative Ruhe in Deutschland, die einige Euro besoffene Politiker als Zustimmung ihrer Rettungspolitik deuten dürfte ein jähes Ende nehmen, wenn die Inflation auch in Deutschland merklich steigt. Alles deutet derzeit darauf hin; die Großbanken bringen sich bereits in Stellung. Es wird ein spannendes 2013.

mwaj

17.09.2012, 08:38 Uhr

"Erstens, der Euro wird tatsächlich gerettet, koste es uns was es wolle."

- Darauf läuft es hinaus. Wie sonst wäre eine spätere globale Einheitswährung durchsetzbar?
Jedoch wird meiner Überzeugung nach Griechenland als gefährliches Beispiel austreten. Hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Wem eine globale Einheitswährung unrealistisch erscheint sollte sich mal diverse Artikel von führenden Ökonomen diverser institute in der "F(l)achpresse" zu Gemüte führen.

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