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02.04.2012

09:35 Uhr

Henkel trocken

„Mein Name ist Bond, Deutschland-Bond“

VonHans-Olaf Henkel

Was James Bond für den Geheimdienst war, soll der „Deutschland-Bond“ für die Nehmerländer werden: Die ultimative Geheimwaffe. Die Nachteile der Einsparungen werden allerdings unter den Teppich gekehrt.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Als Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker („Mr. Euro“) vorschlug, Euro-Bonds einzuführen, traf er bei den Grünen, der SPD und den Gewerkschaften auf Begeisterung, in der CDU auf (schlecht gespielte) Empörung und in FDP und CSU auf klare Ablehnung. Junckers Motive für Euro-Bonds liegen auf der Hand. Die vier kreditwürdigen „Nordländer“ der Eurozone bürgen für die Schulden der Südländer. Letztere kämen leichter an billigeres Geld. Dafür müsste Deutschland dreimal so hohe Zinssätze zahlen. Schlimmer noch, wir bürgten für die Rückzahlung der Schulden anderer. Sobald aber jeder für die Schulden aller bürgt, ist am Ende niemand mehr für diese verantwortlich. Ergebnis: Schuldenmachen würde belohnt. Der Euro-Bond wird unter dem Pseudonym „Europäischer Stabilitäts-Mechanismus“ (ESM) eingeführt - und weckt nun auch innerhalb Deutschlands Begehrlichkeiten.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass sich auch in Deutschland Vertreter der 13 „Nehmerländer“ im bundesdeutschen Länderfinanzausgleich melden würden, um „Deutschland-Bonds“ zu fordern. Sie haben die gleichen Hintergedanken wie die Vertreter der Südländer bei ihrer Forderung nach dem Euro-Bond. Wenn zum Beispiel Nordrhein-Westfalen mit der Bonität des Bundes und der noch verbliebenen drei „Geberländer“ Bayern, Baden-Württemberg und Hessen Schulden aufnehmen kann, spart das Land jährlich ca. 100 Millionen Euro Zinsen. Dass diese „Ersparnisse“ zu Lasten der Zinszahlungen von Bund und Geberländer gehen müssen, wird dabei unter den Teppich gekehrt.

Gerade die Erfahrungen mit dem Euro zeigen, was die deutschen Nehmerländer mit den eingesparten Zinsen machen würden. So wie griechische und italienische Politiker den plötzlichen Zugriff zu niedrigeren Zinsen zum Anlass nahmen, neue Schulden aufzutürmen, so werden auch die Politiker unserer Nehmerländer mit sinkenden Zinsen höhere Schulden finanzieren. In Abwandlung eines Franz-Josef Strauss zugeschriebenen Bonmots steht für mich fest: eher wird ein Hund einen Wurstvorrat in seiner Hütte anlegen, als dass Politiker eines „Nehmerlandes“ eingesparte Zinsen zur Rückführung alter Schulden verwenden.

Was James Bond für den britischen Geheimdienst war, soll der „Deutschland-Bond“ für die deutschen Nehmerländer werden: die ultimative Geheimwaffe zur Umgehung der Schuldenbremse und zur Vergemeinschaftung der von den Ländern aufgenommenen Schulden.

Kommentare (35)

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MikeM

02.04.2012, 09:49 Uhr

Herr Henkel,

Ihre Ausführungen sind absolut richtig. Leider erreichen Sie damit nichts, weil die jetzige Regierung fest im Sattel sitzt und machen kann, was sie will. Gründen Sie eine Partei und treten Sie für die von Ihnen vorgetragenen Punkte ein. Reden reicht nicht mehr!

azaziel

02.04.2012, 10:22 Uhr

@ Olaf Henkel – Ich schaetze und begruesse Ihre Beitraege! Meine Hoffnung, dass man damit die Traeumer ueberzeugen kann, die alles vergemeinschaften wollen, ist gering. Ihre Anhaenger muessen nicht mehr ueberzeugt werden. Es muss politischer Widerstand organisiert werden. Bisher wird nicht erkennbar, wie sich wirtschaftspolitische Erkenntnis denn in politische Praxis umsetzen laesst. Kommunizieren denn Henkel, Sinn Weidmann, Merz, Schaeffler, Weber und viele andere, die mir spontan nicht einfallen? Koennen sich diese Leute trotz unterschiedlicher Auffassungen in Detailfragen vorstellen zusammenzuarbeiten? Wie kann politischer Widerstand artikuliert, gebuendelt und wirksamer zum Ausdruck gebracht werden als mit gelegentlichen Kolumnen und wissenschaftlichen Beitraegen?

Ich werde aus lauter Verzweiflung bei der naechsten Wahl meine Proteststimme den Piraten geben. Am liebsten wuerde ich allerdings die Schildbuerger waehlen, weil das Realpolitiker waren im Vergleich zu den Figuren, die fast ueberall regieren.

Account gelöscht!

02.04.2012, 10:33 Uhr

Prof. Ulrich van Suntum karikiert beim Science Slam in Münster die aktuelle Schuldenkrise mit der "kurzen Geschichte einer Währungsunion": http://www.youtube.com/watch?v=Gxm3ukomwTo

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