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19.11.2012

11:32 Uhr

Henkel trocken

Nicht Griechenland, Frankreich ist das Problem

VonHans-Olaf Henkel

Ganz Europa ist mit dem griechischen Schuldenberg beschäftigt. Dabei liegt das Problem woanders: Der größte Gefahrenherd für die Währungsunion und für Deutschland ist Frankreich.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Regelmäßige Leser von Handelsblatt Online wissen, dass der Verfasser von „Henkel trocken“ schon öfter warnend auf den Zustand der Volkswirtschaft Frankreichs und die sich daraus ergebenden Gefahren für die Währungsunion und für Deutschland hingewiesen hat.

Die Fokussierung auf diverse Rettungspakete für Griechenland und andere Südländer haben vom größten Gefahrenherd in der Eurozone bisher abgelenkt. Deutsche Politiker, Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen ordnen Frankreich gern in die Gruppe der potenziellen Geberländer der Eurozone ein. Das ist war zwar politisch korrekt, ökonomisch aber ungerechtfertigt.

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Gut, dass es ausländische Medien gibt, die sich nicht durch deutsch-französische Freundschaftsscheuklappen davon abhalten lassen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Auf der Titelseite brachte es der „Economist“ jetzt auf den Punkt: Frankreich ist die Zeitbombe inmitten Europas.

Der Verfasser dieser Zeilen lebte und arbeitete insgesamt über zwölf Jahre in Frankreich und genießt jeden Aufenthalt in Paris, der Provinz und seinem zweiten Wohnsitz in der Normandie. Umso deprimierender stellt sich ihm heute der Zustand der französischen Wirtschaft dar.

Die Arbeitslosenrate ist dort auf über zehn Prozent gestiegen; unter den Jugendlichen ist schon jeder vierte ohne Arbeit. Die Neuverschuldung war 2011 dreimal so hoch wie bei uns. Der Weltmarktanteil französischer Waren stürzt ab. Klar, es gibt auch in Frankreich immer noch Industriefirmen der Weltklasse, wie Air Liquide und Michelin, dort sind auch die Marktführer für Luxusartikel zu Hause. Frankreich ist weiterhin der weltweit größte Magnet für Touristen.

Kommentare (108)

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19.11.2012, 10:15 Uhr

Die sozialistische Schildbürger-Idee, daß Deutschland sich schwächen sollte, damit die anderen in der EU relativ gesehen wieder besser dastehen ist alt. Schon die heutige IMF Chefin und damalige französische Wirtschaftsministerin hat sie geäußert. Das ist eine typische fränzösische Haltung, die übrigens auch von unseren lieben "Grünen" geteilt wird - wie viele Zitate von deren "Spitzen"Politikern zeigen.
Alles ist so einfach, wenn man in der sozialistischen Idee schwelgt, daß alle gleich zu sein haben. Als ob es außerhalb der EU keine Wettbewerber gäbe!

Was Griechenland angeht, da könnten deren Rohstoff-Reichtum zur Rettung beitragen:
http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/tid-28152/erdgas-und-rohstoffe-sitzen-die-griechen-auf-immensen-reichtuemern_aid_862431.html
Das würde auch die Franzosen entlasten, die dort stark finanziell engagiert sind.

Ben-Wa

19.11.2012, 10:18 Uhr

Hervorragend analysiert, Herr Henkel!
In der Wirtschaftswoche wird auch genau beleuchtet, was es auf sich hat mit Währungs- und Fiskalunion: Die Franzosen wollen nur Zugriff auf die sprudelnden deutschen Steuereinnahmen. Und Trittin als potentieller Finanzminister *würg* würde den Franzosen auch den Gefallen tun, die Deutschen wirtschaftlich zu vernichten.

azaziel

19.11.2012, 10:27 Uhr

Die Tragoedie ist nicht, dass die Franzosen (und andere) das wollen, sondern dass die Regierung Merkel keinen ernsthaften Widerstand geleistet hat. Das Bail-Out Verbot haette niemals fallen duerfen, die EZB haette niemals in die Staatsfinanzierung einsteigen duerfen. Wenn Internationale Vertraege nichts taugen, muessen sie neu verhandelt werden. Merkel hat stattdessen zugesehen, wie der Maastricht Euro in sein exaktes Gegenteil verkehrt wurde. Sie hat zugelassen, wie die rechtlichen und vertraglichen Beziehungen in Europa zunehmend verwahrlosten. Europaeische Vertraege sind nichts mehr wert. Merkel und Schaeuble haben Hunderte von Milliarden Euro vernichtet. Und trotzdem stehen alle Beteiligten wie zum Beispiel Griechenland viel schlechter da als vor den Rettungsorgien. Gerettet haben Merkel und Schaeuble ueberhaupt nichts. Im Gegenteil, der durch Problemverschleppung angerichtete Schaden ist nicht mehr bezifferbar, geht in die tausende von Milliarden. Merkel und Schaeuble werden als die Totengraeber Europas in die Geschichte eingehen. Die Briten kehren Europa zurecht den Ruecken. Andere werden folgen.

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