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18.11.2013

08:50 Uhr

Henkel trocken

Nur wer umkehrt, kommt aus der Sackgasse

VonHans-Olaf Henkel

Mit der angeblich alternativlosen Euro-Rettungspolitik haben Politiker, Wirtschaftsführer und Medien uns Deutsche immer tiefer in die Sackgasse geführt. Einen Ausweg gibt es nur, wenn man umdreht.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Nach der FDP schlägt nun auch die CSU eurokritische Töne an. Sie wollen den Euro in jedem Fall behalten, ihn aber nicht mehr in jedem Fall retten. Damit die Leser von „Henkel trocken“ diesen Schwindel besser durchschauen, hier eine Zusammenfassung der Kernthesen, die der Verfasser seit 2010, dem Zeitpunkt des ersten Rettungspaketes für Griechenland, immer wieder vertreten hat. Wenn ich Sie überzeugen kann, dann verweisen Sie auf diese Argumente, wenn Sie selbst über den Euro im Bekanntenkreis diskutieren!

Erstens: Der Euro wird immer wieder „gerettet“ werden! Das freiwillige oder erzwungene Ausscheiden eines Landes wäre nur unter dem Bekenntnis der Politiker möglich, vorher einen großen Fehler begangen zu haben. Um das zu vermeiden, begehen sie immer neue Fehler. Zwar stellte das renommierte Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW)  der bisherigen Eurorettungspolitik für Griechenland soeben ein vernichtendes Zeugnis aus; das wird die Bundesregierung jedoch nicht davon abhalten, bald ein weiteres Rettungspaket in Richtung Athen zu versenden.

Zweitens: Die Beschädigung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist Voraussetzung der Eurorettung! Um den Euro zu retten, müssen die eklatanten Produktivitätsunterschiede zwischen dem Süden und dem Norden einigermaßen angeglichen werden. Da das durch die angestrebten Reformen im Süden nur teilweise gelingt, muss der Norden entsprechend unproduktiver werden. Genau das wird schlussendlich das Ergebnis der immer lauter werdenden Kritik der deutschen Handelsbilanzüberschüsse, der Aufforderungen zur Erhöhung deutscher Arbeitskosten und von Vorschlägen sein, die Arbeitslosenversicherungen in der Eurozone zusammen zu führen oder Sparkontoeinlagen europaweit zu sichern.. Scheinbar paradox: die zu erwartenden Mehrkosten der deutschen Energiewende treffen zwar die globale Wettbewerbsfähigkeit unserer energieintensiven Industrie, helfen aber, die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone zu glätten und damit dem Euro.

Drittens: Um den Euro zu retten, bedarf es sowohl einem „Mehr an Europa“ als auch einem „Mehr an Sozialismus“! Die mit der Eurorettung verbundene Zentralisierung, Harmonisierung und Sozialisierung der Staatsschulden führt zwangsläufig zu mehr Staat und damit einer Schwächung der Konkurrenzfähigkeit der Länder in der Eurozone im Vergleich zu jenen, die weiterhin auf Subsidiarität, Wettbewerb und Eigenverantwortung setzen.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

18.11.2013, 10:42 Uhr

Und Achtens:

der € ist keine Währung, sondern ein politisch kastriertes Tauschmittel !

Matthes

18.11.2013, 10:50 Uhr

Politiker und umkehren? Eine Sackgasse wird erst akzeptiert, nachdem man mir vollem Tempo gegen die Wand gefahren ist und man dann nach jahrelanger Suche feststellt, dass da ja auch keine Tür ist.

Beobachter

18.11.2013, 10:56 Uhr

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