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09.07.2012

10:31 Uhr

Henkel trocken

Politisch Inkorrektes aus Helsinki

VonHans-Olaf Henkel

Finnlands Finanzministerin wird gefeiert, weil sie ihr Land gegen Griechenlands Euro-Austritt abgesichert hat - und die Gipfelbeschlüsse der EU kritisiert. In Deutschland trauen sich das nur die Wirtschaftsprofessoren.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Bisher hatten die deutschen Euromantiker vor allem den Süden auf ihrem Radarschirm. Selbst der Austritt Griechenlands aus der Eurozone war noch bis vor kurzem ein Tabu. Es ist noch nicht allzu lange her, da hatte das Handelsblatt politisch korrekte Wirtschaftsführer dafür gelobt, dass sie selbstlos griechische Staatsanleihen zeichneten. Kurz bevor er aus seinem Amt flüchtete, wurde der griechische Präsidenten Giorgos Papandreou in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom BDI als hoffnungsvoller, mutiger und zuverlässigen Reformer gefeiert. Diese Veranstaltung könnte als die peinlichste in der Nachkriegsgeschichte des BDI eingehen.

In geradezu grotesker Weise wurden die Probleme in Griechenland klein und die Leistungen der deutschen Euroretter groß geredet, dafür musste sich der Verfasser dieser Zeilen als Populist beschimpfen lassen.

Seitdem wurden immer neue Eurorettungsgipfel erklommen. Das letzte Gipfelkreuz mit der Inschrift „Bankenunion“ wurde für einen spanischen Berg geschmiedet. Alles deutet darauf hin, dass die Teilnehmer zukünftiger Gipfeltreffen auch den Mont Blanc werden besteigen müssen. Das dürfte dann endgültig der Tag sein, an dem Frau Merkel sagen wird, dass das Scheitern des Euro nicht automatisch das Scheitern Europas bedeuten muss.

Die makroökonomischen Daten Frankreichs, die zentralistische Wirtschaftsstruktur, die Abwesenheit eines wettbewerbsfähigen Mittelstandes (wie z.B. in Italien), die jetzt mit dem Füllhorn über die Franzosen ausgeschütteten sozialen Wohltaten, sowie die Weigerung der Sozialisten, die Schuldenbremse einzuführen, machen Frankreich zur Zeitbombe in der Eurozone.

Leser dieser Kolumne wissen, dass der „Nord-Euro“ für mich eine von mehreren Alternativen zu der angeblich alternativlosen Serie von Eurorettungsaktionen darstellt und eine Diskussion darüber von Politik und Medien blockiert wird. Dass der „Nord-Euro“ trotzdem etwas wahrscheinlicher geworden ist, liegt nicht nur an der immer offensichtlicher werdenden Gefahr, die die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, Frankreich, für den Einheitseuro darstellt. Es liegt auch an den Politikern des kleinen Finnland.

Kommentare (53)

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Numismatiker

09.07.2012, 10:41 Uhr

Wenigstens in einem kleinen Teil der Eurozone (Finnland) regiert noch der gesunde Menschenverstand.



wutbayer

09.07.2012, 10:51 Uhr

Finnen haben eben einen kühlen Kopf und wir eine DEP Deutsche Einheitspartei, den Deppen und mit einer Staatsratsvorsitzenden.
Übrigens: nach der ersten konstituierenden Sitzung des ESM müssen die "Einlagen" bezahlt werden. Deutschland muß dann sofort 200 Mrd überweisen (Cash!!!) Das ist ungefähr 1/3 des Gesamthaushaltes. Habe ich einen einzigen Politiker davon irgend etwas sprechen hören?

Account gelöscht!

09.07.2012, 10:59 Uhr

Finnland hat damit bewiesen das sie mit Weitblick, sachlich und in der Sache richtig Bewertungen vornehmen können und schließlich ihrem Land dienen und nicht irgendwelchen anonymen Märkten bzw. plutokratischen Lobbyinteressen, - wie unsere traumwandlerischen Europhantasten in Berlin und Brüssel.

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