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03.09.2012

13:42 Uhr

Henkel trocken

Raus aus der Reuse!

VonHans-Olaf Henkel

Der Eurozone gehen die Argumente für den Erhalt der Gemeinschaftswährung aus – denn die Rettung wird immer nur teurer und teurer. Es ist höchste Zeit, Alternativen für die derzeitige Form des Euro auf den Tisch zu legen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Zuerst begründeten die Euroretter das deutsche Engagement noch mit den ökonomischen Vorteilen, die der Euro vor allem Deutschland angeblich gebracht hätte. Dass in den ersten zehn Jahren seit Bestehen des Euro das Wachstum bei uns viel geringer war, als in den meisten anderen Ländern der Eurozone, verdrängten sie einfach. Sie setzten auch in unzulässiger Weise den Euro mit dem Binnenmarkt gleich. Und sie unterschlugen, dass vor der Einführung des Euro 46 Prozent unserer Exporte in die Länder der heutigen Eurozone gingen, heute aber nur noch 40 Prozent.

Angesichts des für jeden sichtbaren ökonomischen und sozialen Desasters durch diverse Euro-Rettungsaktionen vor allem im Süden Europas, wurden alsbald politische Begründungen nachgeschoben. Der Euro sichere den Frieden und ohne ihn würde Europa scheitern. Selbst die fanatischsten Euroromantiker müssen nun auch von dieser Argumentationslinie Abschied nehmen.

Nicht nur in Griechenland, auch anderswo hat man von den ständigen Belehrungen aus Deutschland die Nase voll. Selbst die deutsch-französischen Beziehungen sind auf dem tiefsten Punkt seit Jahrzehnten angelangt. Der Euro stiftet keinen Frieden, er sät Zwietracht innerhalb der Eurozone. Und er verbreitert zunehmend den Graben zwischen der Eurozone und den Nicht-Euroländern. Kaum eins der zehn Nicht-Euroländer in der EU macht Anstalten, diesem Club noch beizutreten.

Deshalb braucht es neue Argumente für den Erhalt des Einheitseuros. Und so nimmt es nicht Wunder, dass jetzt behauptet wird, alles andere als ein „weiter so“ führe ins Chaos und sei sowieso zu teuer. In der Tat, ein Austritt Griechenlands würde die deutschen Steuerzahler ca. 80 Milliarden Euro kosten. Vor einem Jahr wäre es noch halb so teuer gewesen. In einem Jahr würde es doppelt so viel kosten.

Kommentare (39)

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R.Rath

03.09.2012, 13:56 Uhr

Völlig richtig, Herr Henkel,"Die Kosten werden gigantisch sein"(nämlich die Kosten einer Beendigung des Währungsexperiment) so heute Orginalton Riecke im HB. Dieser Gigantismus hat die Tendenz sich immer mehr aufzublähen, wenn nicht sehr bald einmal die gigagigantischen Kosten realistisch berechnet werden und auf den Tisch kommen, die mit einer Fortdauer der explosiven Versuchsanordung einhergehen.
Insofern vollkommen logisch, so billig wie heute wird eine neue DM oder ein Nord-Euro nie mehr sein.

Account gelöscht!

03.09.2012, 14:06 Uhr

Der Euro ist schon jetzt Geschichte. Alternativ kann man das Siechtum noch solange hinziehen, bis extremistische Parteien in Deutschland und anderen Geberländern an die Macht kommen.

Das kann noch 8 Jahre dauern und große Verarmung in Europa herbeiführen.

Im Grunde geht es nur noch darum, die Kosten für das größtmögliche politische Desaster in Friedenszeiten zu verteilen. Natürlich möglichst auf die Steuerzahler der Nordländer.

Account gelöscht!

03.09.2012, 14:07 Uhr

Was soll man noch schreiben. Der Hauptfehler in unserem System ist die Entstehung von politischem Personal und deren Besetzung von wichtigsten Schaltstellen eines Staates. Wenn man an Frau Nahles, Söder, Roth, Pofalla, Rösler, Schröder usw. denkt braucht man sich nicht wundern warum dieser Staat nach Andenauer und Schmidt gegen die Wand fährt. Nicht die besten sind in der Elite, sonden das ganze hinterhältige, Macht-Seilschaften-Pack. Egal ob Anden-Pakt, Pizza-Connectrion und wie sie alles heißen, deren Ziel ist es die eigenen Pfründe zu sichern.
Deutschland braucht dringend eine Partei der Bürger für die Bürger. Die freien Wähler sind Deutschlands letzte Hoffnung für ehrliche Makler unseres (noch vorhandenen) Gemeinwesens. Die Parteien sind allesamt dem Großkapital ausgeliefert, einzigste Ausnahme die Linke, allerdings kaum besser als Alternative.

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