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27.08.2012

11:16 Uhr

Henkel trocken

Schattenboxen mit der EZB

VonHans-Olaf Henkel

Wir sind Zeuge einer Showveranstaltung mit der Bundesbank und der EZB im Ring. Bundesbankchef Weidmann markiert den starken Mann. Doch die Ringrichter stehen auf Seiten der Nehmerländer - und werden den Kampf gewinnen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Ich weiß noch, wie ich als Heranwachsender zum ersten Mal einem Kampf zugesehen habe, der gar keiner war. „Catch-As-Catch-Can“ hieß die Disziplin damals noch und wurde in einem Zirkuszelt auf St. Pauli dargeboten. Heute kann man diese sogenannte Sportart unter dem Begriff „Wrestling“ auf irgendwelchen Fernsehkanälen verfolgen. Was mich schon damals wunderte und ich heute immer noch nicht verstehe: es gibt Zuschauer, die glauben, dass die Kontrahenten wirklich aufeinander losgehen.

Dabei ist es doch für die meisten offensichtlich, dass der mit einer Ledermaske verkleidete „Würger“ seinen Gegner nicht bis zur Ohnmacht würgt und der am ganzen Körper tätowierte „Knochenbrecher“ seinem am Boden liegenden Kontrahenten nicht mit aller Wucht ins Gesicht tritt.

Nicht nur das Abstimmverhalten der Bundesbank in der EZB und die öffentlichen Einlassungen ihres Präsidenten, auch dass unsere Medien dieses Schattenboxen nicht durchschauen, erinnert mich an „Wrestling“.

Axel Weber, der damalige Präsident der Bundesbank, legte sein Amt nieder, weil er bei der Entscheidung für den regelwidrigen Aufkauf von Staatsanleihen aus Griechenland und Portugal von den Vertretern der Nehmerländer überstimmt wurde. Niemand nahm ihm seine dafür genannten persönlichen Gründe ab. Damals durchschauten alle das Manöver.

Als auch Jürgen Stark, damaliger Chefvolkswirt der EZB, aus persönlichen Gründen zurücktrat, meinten die Kommentatoren ebenso einhellig, er sei wegen des Aufkaufs spanischer und italienischer Anleihen zurückgetreten.

Ich hatte schon damals meine Zweifel. Hätte er dann nicht, wie Weber, schon beim Aufkauf der portugiesischen und griechischen Papiere diese Konsequenz ziehen müssen? Plausibler erschien mir ein anderer Grund: Kanzlerin Merkel hat ihm den Teppich unter den Füßen weggezogen. Kurz nachdem er in der EZB wacker gegen die Mehrheit der Nehmerländer stimmte, hat Kanzlerin Merkel die (Mehrheits-) Entscheidung der EZB öffentlich begrüßt. Ich glaube, Jürgen Stark lag das Schattenboxen einfach nicht.

Kommentare (74)

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Account gelöscht!

27.08.2012, 11:40 Uhr

Das absurdeste an diesem ganzen Schmierentheater ist ja, dass Frau Merkel erst Draghi unterstützt und kurz darauf Weidmann - und damit auch noch durchkommt!
Die Frau ist also gleichzeitig dafür und dagegen.
Sie hat keine Grundsätze und erst recht keine Skrupel. Aber das ist ja schon länger bekannt.

Wie dumm sind eigentlich die Medienvertreter und auch die Wähler, dass sie diesen Widerspruch nicht sehen?
Dass die Abnicker in der CDUCSU-Fraktion damit kein Problem haben, wundert ja eh schon keinen mehr.

Account gelöscht!

27.08.2012, 11:46 Uhr

Sehr gut, Herr Henkel.
Endlich stellt man die Nebelkerzen, die hier für das "dumme Publikum" geworfen werden einaml an den Pranger.

Möglicherweise sind die Freien Wähler momentan die Einzigen, die noch was retten können.

Ansonsten raus aus dem EURO.

Merkel lügt und betrügt, was das Zeug hält.

Der 12. September wird leider auch nichts positives für Deutschland bringen.

ahmet.oeztop

27.08.2012, 11:49 Uhr

Diejenigen die gewählt sind entscheiden nicht. Diejenigen die entscheiden sind nicht gewählt. Das weiß Frau Merkel. Deshalb ist sie mal dafür mal dagegen und mal dafürdagegen.
Man weis nicht wafür sie steht. Für jeden ist etwas dabei und jeder kann sich etwas herauspicken was ihm genehm ist. So wird Politik gemacht.

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