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21.05.2012

14:06 Uhr

Henkel trocken

Unsere Politiker verachten das eigene Volk

VonHans-Olaf Henkel

Deutsche Politiker trauen den eigenen Bürgern nicht viel zu. Das zeigen zwei Vorschläge des Bundesfinanzminister: Schäubles Ideen zu Griechenland und Europa demonstrieren Misstrauen gegenüber dem deutschen Volk.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die zwei Vorschläge, die Finanzminister Schäuble in der letzten Woche über mögliche Lösungen der Eurokrise gemacht hat, zeigen nicht nur die ganze Widersprüchlichkeit und Scheinheiligkeit der Europapolitik der Bundesregierung, sie zeigen auch, dass deutsche Politiker ihren eigenen Wählerinnen und Wählern weniger zutrauen als denen in anderen Ländern.

Als erstes hat Schäuble im Kreis der Finanzminister der größten Euroländer darüber diskutiert, ob die Griechen über den Verbleib in der Eurozone abstimmen sollten. Die Kanzlerin soll dann mit einem entsprechenden Vorschlag in einem Telefonat beim Präsidenten Griechenlands abgeblitzt sein.

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Als der damalige griechische Ministerpräsident Papandreou selbst im vergangenen Jahr vorgeschlagen hatte, die Griechen sollten über das Sparpaket abstimmen, erntete er einen solchen Sturm der Entrüstung, dass er zurücktrat und Neuwahlen ansetzen ließ. Vor allem die Bundesregierung zeigte sich empört, empfand sie doch diesen Plan zu Recht als eine Absetzbewegung des griechischen Regierungschefs von gerade gemachten Zusagen im Gegenzug für deutsche Kredite und Bürgschaften.

Nicht zu fassen, Schäuble will die griechischen Bürgerinnen und Bürger darüber abstimmen lassen, ob sie weitere (deutsche) Hilfen in Anspruch nehmen wollen, aber auf die Idee, die deutschen Wählerinnen und Wähler zu befragen, ob sie bereit sind, weiterhin ihr Geld - und das ihrer Kinder - in das griechische Fass ohne Boden zu versenken, kommt er nicht.

Kommentare (55)

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Ondoron

21.05.2012, 14:15 Uhr

Herr Henkel, gründen Sie mit den Herren Clement, Schäffler, Sarrazin und anderen endlich eine neue LIBERALE PARTEI. Die Freien Wähler sind völlig ungeeignet.
Sie sind das dem deutschen Volk als Patriot schuldig, daß Sie helfen, dieses Politkartell endlich aufzubrechen!
Danke!

Hajoe

21.05.2012, 14:25 Uhr

Herr Henkel, Sie sprechen mir aus der Seele.
Wenn das hier gestattet ist, möchte ich auf dem PDF-Dokument verweisen, in dem ich Ähnliches ausführe:
http://www.sine-metaphysica.de/Demokratie.pdf

Frank

21.05.2012, 14:36 Uhr

@Ondoron

Erstens ist eine Partei-Neugründung in D sehr aufwendig und bis auf wenige Ausnahmen bisher immer gescheitert.
Zweitens sind die von Ihnen genannten Personen nicht interessiert.
Schäffler ist und bleibt in der FDP, Sarrazin hat gestern sogar bekundet, weiterhin die SPD wählen zu wollen.
Und CLement hat kein Interessa mehr an aktiver Politik, geschweige denn an einer Partei-Neugründung. Er machte sogar Wahlkampf für die FDP.
Alles in Allem, es gibt keine kompetenten Politiker die als "Zugpferde" bei einer Partei-Neugründung helfen könnten.
Meine letzte Hoffnung, ist der basisdemokratische Ansatz bei den Piraten.
Nach allem was man hört, würden lt. Piraten bei künftigen wichtigen Entscheidungen Volksbefragungen statt finden.
Hätte es die zur Euro-Einführung gegeben, wäre unser einzigen Problem heute eine evtl. zu starke DM.

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