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07.10.2013

13:34 Uhr

Henkel trocken

Warum die Energiewende hilft, den Euro zu retten

VonHans-Olaf Henkel

Der Süden Europas verzweifelt daran, das Produktivitätsniveau des Nordens zu erreichen. Deshalb planen die Euro-Retter jetzt perfides: Der Norden soll dem Süden entgegenkommen und seinerseits seine Produktivität abbauen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Warum Frankreich keine Reformen braucht und die Energiewende hilft, den Euro zu retten? Eine Denksportaufgabe, die der Verfasser von „Henkel trocken“ heute seinen Lesern stellt. Die Antwort ist bei den Ungleichgewichten innerhalb der Euro-Zone zu suchen.

Auch diejenigen, die nicht viel von Wirtschaft, Finanzsystemen und Geldtheorien verstehen, wissen inzwischen, dass man den Euro nur retten kann, wenn die Ungleichgewichte zwischen dem Norden und dem Süden einigermaßen eingeebnet werden. Mit dem Fiskalpakt, dem Nachfolger des zerstörten Maastricht-Vertrages, wollen die Euro-Retter die Länder im Süden Europas an die Produktivität des Nordens, insbesondere von Deutschland, heranführen.

Dass dies nur teilweise gelingt, wird immer deutlicher. Keins der Länder, für die der Norden bisher Kredite zugesagt und Bürgschaften abgegeben hat, erreichte bisher auch nur eins der im Gegenzug verabredeten Ziele. Die Arbeitslosigkeit in den Südländern, insbesondere unter den Jugendlichen, hat Rekordniveau erreicht und erschreckende soziale Folgen, von der steigenden Abneigung der Bürger dieser Länder gegen den deutschen Zuchtmeister ganz zu schweigen. Der Troika, dem reisenden Schnellgericht, bleibt jedes Mal nur übrig, neue, weniger ambitionierte Ziele zu vereinbaren. Derweil bauen alle Südländer weiter neue Schulden auf. Das ist kein Wunder, denn in der Geschichte der über einhundert Umschuldungen von Staaten hat es noch keinen Fall gegeben, der nicht von einer Abwertung begleitet wurde. Die ist in einer Einheitswährung wie dem Euro bekanntlich nicht möglich.

Da der Süden es nicht schafft, das Produktivitätsniveau des Nordens zu erreichen, versuchen die Euro-Retter es jetzt von der anderen Seite. Der Norden soll dem Süden entgegenkommen und seinerseits seine zu hohe Produktivität abbauen. Das ist durchaus logisch, denn man kann die den Euro destabilisierenden Unterschiede auch vom Norden her reduzieren. Hier kommt Frankreich ins Spiel, denn immer öfter verlangen französische Politiker von Deutschland, sich weniger anzustrengen. Deutschland müsse, so der französische Finanzminister, seine Exportüberschüsse abbauen. Dass diese vor allem im Handel mit Nicht-Euro-Ländern erwirtschaftet werden, spielt bei ihm keine Rolle. Das Renteneintrittsalter der Deutschen, so letzte Woche der französische Industrieminister, müsse gesenkt und in Deutschland „französische Mindestlöhne“ eingeführt werden. Dass diese nach Meinung vieler französischer Ökonomen eine der Hauptursachen der steigenden Jugendarbeitslosigkeit sind, wird ausgeblendet.

Nachdem der französische Arbeitsminister vorgeschlagen hat, die Arbeitslosenversicherung Deutschlands und Frankreichs solidarisch zusammenzulegen, hat die EU-Kommission jetzt die Einführung einer europäischen Arbeitslosenversicherung vorgeschlagen. Das würde die Aufwendungen deutscher Arbeitgeber und Arbeitnehmer belasten, die der Franzosen entlasten. Wie bei allen anderen französischen Vorschlägen auch, zog die Bundesregierung zwar auch jetzt zunächst „rote Linien“ in den Sand, die auf keinen Fall überschritten werden dürften.

Während sich die Regierungen Griechenlands, Italiens, Spaniens und Portugals wenigstens bemühen, durch Reformen ihre aufgeblähten Staatsapparate zu verschlanken, ihre Arbeitsmärkte zu liberalisieren und ihre Sozialversicherungssysteme zu modernisieren, tut Frankreich – nichts! Und es braucht auch nichts zu tun. Wenn der Süden effizienter wird, gleichzeitig der Norden auf einen Teil seiner Produktivität verzichtet, wird sich die Euro-Zone irgendwo auf französischem Niveau treffen. Klar, das hilft dem Euro. Auch klar, dass diese „Harmonisierung“ nur zum Preis der Beschädigung der globalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu haben ist.

Und hier kommt die Antwort auf das oben aufgegebene Rätsel: Das durch die Energiewende angerichtete Chaos wird der deutschen Industrie Belastungen auferlegen, die Frankreich nicht zu tragen hat. Auch das hilft dem Euro und schadet der deutschen Wettbewerbsfähigkeit. Dafür kann Frankreich nichts. Das hat sich die deutsche Politik selbst zuzuschreiben.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Kommentare (35)

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07.10.2013, 13:39 Uhr

Obama handelt wie ein Sozialist. GELD MUSS IMMER DA SEIN, EGAL WOHER. Immer mehr Schulden und immer mehr Planwirtschaft (staatliche Hilfsgelder) für Kommunen und die Bevölkerung. Nach Obama-Health-Care kommt dann noch ein Haus für jeden Obama-House-Care ?

Seit 2007 als Obama die US-Schulden mit 8.5 * 10 hoch 12 Dollar Schulden übernommen hatte hat sich dieser Betrag verdoppelt auf jetzt 16.2 * 10 hoch 12 Dollar Schulden. Dieser Politik-Stil der "gekauften Wähler-Stimmen" ist falsch, da er das Leistungs-Prinzip ausser Kraft setzt, Eigeninitiative und Eigenverantwortung lähmt.

Schluss damit. Sollen die US-Treasury-Bonds doch zusammenbrechen. WANN WENN NICHT JETZT, WO GELD-DRUCKER und GELD-VERSCHENKER AM WERK SIND, als Warn-Signal dass Schuldenmachen der Staaten der falsche Weg ist. Die Sozialisten sollten an ihren Schulden zusammenbrechen. Ein Ende mit Schrecken quasi. Riesige Verluste von Goldman Sachs (CEO Blankfein) wären das Resultat. Na und ? Das wäre eine ökonomische Lehre für die ganze Welt. Draghi muss auch damit aufhören ! Keine Rückzahlung mehr. Keine Zinsen mehr.

Republikaner handeln verantwortungsvoll für die Zukunft unserer Kinder und gegen das Geld- und damit Macht-Monopol der Sozialisten. Die Banken verdienen kräftig vom Schuldenmachen der Staaten. Dieser Kreislauf muss beendet werden !!

Das "Geld-Verschenken" kommt einer Droge gleich. Der "Wohlfahrts-Staat" wird immer teurer und macht die Menschen gefügig und abhängig. Das ist der perfide Plan in der EU und auch in den USA. Jedenfalls auf Seiten der Demokratischen Abgeordneten dort.

Herr Soros gehört zu den Leuten, die vom uferlosen Schuldenmachen der Staaten profitiert. Er kauft jeden Schrott auf, weil er weiss, dass es endlos gerettet und finanziert wird. Damit muss endlich Schluss sein. EURO steht für Verschuldung und Versklavung der Fleissigen.

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07.10.2013, 13:40 Uhr

Die subventionierten Firmen haben enorme Vorteile gegenüber ihrer Konkurrenz, die dann zu Grunde geht.

Das gehört auch zum Sozialismus und zur "steuernden Planwirtschaft" der EU, dass man gezeilte Firmen subventioniert um sie steuern zu können und ihre gesunde Konkurrenz zu beseitigen. Und das bezahlt auch noch der Steuerzahler. Mit Geld soll alles abhängig und gefügig gemacht werden. Manipulation, Intrigen, Korruption, Planwirtschaft, Propaganda-Journalismus alles das kommt davon, dass Sozialisten sich die Geld-Macht angeeignet haben. Mit der Gier nach Geld wird das alles möglich und die Haupt-Politiker werden reich gemacht dabei, die das alles organisieren (die Reichen von morgen). Immer gegen die Interessen der Ehrlichen und Fleissigen.

Account gelöscht!

07.10.2013, 14:19 Uhr

Richtig, Herr Henkel. Die Kosten der Energiewende werden weiter völlig unterschätzt. Die Kosten für Energiespeicher (neue Netze, Reservekraftwerke, echte Energiespeicher) werden die schon jetzt gigantischen Subventionen noch in den Schatten stellen.

Und so stellen wir uns ein Bein nach dem anderen ("Euro-Rettung", Verzicht auf neue Technologien wegen deutscher Angst, völlig verfehlte Energiepolitik, usw.).

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