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09.12.2013

12:11 Uhr

Henkel trocken

Wer sind die Hochstapler?

VonHans-Olaf Henkel

Die Deutschen wollen mehr von ihrer Freiheit dem Staat überantworten und stattdessen immer mehr Gleichheit. Auch die FDP springt auf diesen Zug auf. Dabei opfert sie liberale Grundsätze auf dem Altar ihres Euro-Götzen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Erster Bürgermeister der Heimatstadt des Verfassers, berichtete einmal von einer Veranstaltung, bei der es um die Vor- und Nachteile von Zentralismus und Föderalismus in Deutschland ging. Laut von Dohnanyi fasste ein an der Diskussionsrunde beteiligter Schweizer seinen Eindruck so zusammen: „Die Deutschen lieben die Freiheit nicht!“

Den natürlichen Widerspruch, in dem Freiheit und Gleichheit stehen, haben die Akteure der Französischen Revolution erst erkannt, als sie die Macht übernahmen, sich in die Haare gerieten und gegenseitig aufs Schafott brachten. Die einen wollten vor allem Freiheit, die anderen Gleichheit. Erst mit dem Zusatz „Brüderlichkeit“ gelang es ihnen, diesen Widerspruch zu übertünchen. Seitdem gibt es in allen Demokratien der Welt eine Auseinandersetzung zwischen solchen Gruppierungen, die mehr auf Freiheit und solchen, die mehr auf Gleichheit setzen. Dass die Deutschen immer mehr von ihrer Freiheit dem Staat überantworten und stattdessen immer mehr Gleichheit wollen (bei uns wird für Gleichheit meist der tautologische Begriff „soziale Gerechtigkeit“ benutzt), zeigen nicht nur die Umfragen des Allensbach-Instituts und der Linksruck in SPD und CDU/CSU. Das zeigt auch der Niedergang der FDP bei der letzten Bundestagswahl.

Seit dem Wochenende zeigt auch die Rest-FDP, dass ihr Gleichheit immer wichtiger wird. Das Credo des neuen Parteivorsitzenden Christian Lindner („mitfühlender Liberalismus“) zeigt es überdeutlich. Nicht nur, weil wahrer Liberalismus keinen Zuckerguss braucht, um schmackhaft serviert zu werden, sondern weil es im politischen Schaufenster der Republik nur noch Anbieter von Mitgefühl gibt. Kein Wunder, dass SPD-Parteichef Sigmar Gabriel den liberalen Wählern eine neue Heimat in der SPD anbietet.

Vor allem die Europapolitik der FDP hat mit Liberalismus nichts mehr zu tun. Ihren tapferen „Eurorebellen“ Frank Schäffler hat sie auf wenig liberale Art und Weise erst marginalisiert, dann gemobbt und am Wochenende kaltgestellt. Diejenigen, die sich anderswo für Alternativen zur FDP-Europolitik einsetzen, erklärt ihr neuer Vorsitzender zu „Eurohassern“, um sie damit der in ihrer unverbrüchlichen Treue fest zum Einheitseuro stehenden deutschen Pressemeute zum Fraß vorzuwerfen.

Kommentare (48)

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DeutscherMichel

09.12.2013, 12:23 Uhr

Lieber Herr Henkel,
und wen juckt denn das?
1. Zugegeben, wir Deutsche leben z.Z. wie Gott in Frankreich und z.T. auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit dank unseres enormen und chronischen Leistungsbilanzüberschusses exportieren.
2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
3. Den meisten Deutsche geht es besser als anderen EU-Bürger, außerdem ist es egal wie es den anderen EU-Ländern geht, und wenn in Griechenland, Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herrn Weidmann, Sarrazin, Stark, Frau Merkel bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
4. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wurde in den EU-Verträge nie vereinbart, also sollen die arme Länder immer ärmer werden und die reiche immer reicher. So verstehe ich die von der deutsch-französische Achse diktierte EU-Verträge.
5. Sollte uns etwa nicht passen dann können wir aus der EU und EURO austreten. Europa wird es überleben und warum denn nicht, wir Deutsche vielleicht auch!

Account gelöscht!

09.12.2013, 12:34 Uhr

zu 1.: Exportlawine? zum einen können Sich diese Länder wehren, sie brauchen nicht bei uns zu kaufen. Zum anderen: 83% unseres Exports fließen in Form von Krediten wieder an diese Länder. Vor solchen Zahlen sind wir es die sich zu recht beschweren über den Euro und nicht umgekehrt.
zu 2: siehe 1.
zu 3. Die Länder sind das Problem selbst: hohe Arbeitslosenzahlen gabs auch VOR dem Euro. Zusammen mit HOHEN Zinsen. Diese Länder drücken jetzt niedrigere Zinsen durch und erhalten dadurch eine noch höhere Arbeitslosigkeit.
zu 4. Diktiert wurde das von Frankreich als Kosten für die Wiedervereinigung. Da sich die Länder aber nicht an die EU-Verträge halten, ist das reine Illusion.
5: Stimmt Prinzipiell in der Theorie, leider gibt es hierfür keine Vorgehensweise, was zum Chaos führen dürfte.

Account gelöscht!

09.12.2013, 12:39 Uhr

Die Hohe Arbeitslosigkeit ist vielleicht mal eine Gute Sache:
In diesem Ländern ist Korruption und die gemachten Gesetze das Problem. Diese Gesetze müssen sich von innen dort Ändern. Das geht nur über Schmerz. Die Politiker dort müssen reagieren und entsprechende Gesetze erlassen, auch wenn diese Wehtun.
Die Korruption in diesen Land hat das Problem verursacht. Das jetzt die Jugendlichen dort das ganze ausbaden müssen mag ungerecht klingen, aber das es Ausländer ausbaden wäre noch wesentlich ungerechter. Die Jungen müssen sich gegen die herrschende Kaste dort wehren. Anders geht es nicht.

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