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17.10.2011

09:47 Uhr

Henkel trocken

Wie aus dem Euro ein Franc wurde!

VonHans-Olaf Henkel

Warum Deutschland haushoch gegen Frankreich verloren hätte, wenn beide Staaten in einem Turnier um ihre jeweiligen Interessen in der Euro-Politik Schach gespielt hätten.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

In Deutschland wird den Kritikern der heutigen Euro-Politik Chauvinismus und Nationalismus unterstellt. Dabei trifft das eher auf die Franzosen zu, die sich seit Beginn der Euro-Krise mal mit eleganter Diplomatie, mal mit brutalem Ellenbogen in der Euro-Politik immer gegen die Deutschen durchgesetzt haben.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe dort elf Jahre gelebt, genieße seit 30 Jahren im Urlaub mein normannisches Manoir aus dem 16. Jahrhundert, aber die einseitige Aufgabe der Interessen deutscher Steuerzahler zugunsten der französischen, geht mir zunehmend gegen den Strich.

Das französische Triumvirat, bestehend aus dem Staatspräsidenten Sarkozy, dem EZB-Präsidenten Trichet und den Präsidenten des IWF, erst Strauss-Kahn, dann Lagarde, gibt immer wieder die Leitlinien der Euro-Rettung vor, die Deutschen exekutieren. Schlimmer noch, niemand scheint es zu bemerken. Nehmen wir mal an, Deutschland und Frankreich hätten in einem Turnier um ihre jeweiligen Interessen in der Euro-Politik Schach gespielt. So wäre der Spielstand heute:  

 

Merkel: „Griechenland muss die Euro-Zone verlassen!“, Sarkozy: „Il faut absolument de l’aide pour les grecs.“           

                                                                      0 : 1

Merkel: „Defizitsündern muss das Stimmrecht entzogen werden!“, Sarkozy: „Je suis contre!“ 

                                                                      0 : 2    

Merkel: „Dann wenigstens einen Automatismus ohne politische Einflussnahme!“, Sarkozy: „Pas besoin.“ 

                                                                     0 : 3

Merkel (früher auch Kohl und Schröder): „Keine europäische Wirtschaftsregierung!“, Sarkozy: „Vous plaisantez?“

                                                                      0 : 4    

Merkel: „Keine Finanztransaktionssteuer!“, Sarkozy: „Moi je le veux!“  

                                                                      0 : 5

Weber: „Keine Staatsanleihen von Griechenland und Portugal in die EZB!“, Trichet: „Si Monsieur“ 

                                                                     0 : 6    

Merkel: „Ein Deutscher an die Spitze der EZB!“, Sarkozy und Berlusconi: „Mario Draghi est le meilleur choix“

                                                                     0 : 7

Stark:   „Keine Staatsanleihen von Spanien und Italien in die EZB!“, Trichet: „Si Monsieur“                      

                                                                     0 : 8

 

Seit Kanzlerin Angela Merkel und ihr Minister Wolfgang Schäuble dem Kippen der „no-bail-out-clause“, also der Brandmauer zwischen dem deutschen Steuerzahler und den Sozialpolitikern im Süden zugestimmt haben, sind sie nicht mehr in der Lage, unsere Interessen zu vertreten. Das Neueste kommt in einer raffinierten Verpackung daher: Mme Lagarde, Präsidentin des IWF, schlägt nun eine Rekapitalisierung der Banken vor.

Ich fordere schon lange als ersten Schritt zu einer alternativen Euro-Politik eine solche Bankenkonsolidierung, allerdings zusammen mit einer realistischen Neubewertung der Aktiva und dann auf nationaler Basis. Um seine Banken vor dem Umkippen zu bewahren, hätte das für Frankreich die Verstaatlichung seiner Banken und eine ungeheure Belastung des Staatshaushaltes zur Folge. Klar, dass Mme Lagarde das lieber („solidarisch“) mit kräftiger Beteiligung deutscher Steuerzahler über den nun zu beschließenden EFSF finanzieren möchte. Honi soit qui mal y pense! Dann stünde es 0:9!

Wann merken Merkel und Schäuble eigentlich, dass wir weniger für Griechenland oder für den Euro als für die französischen Banken bürgen? Ich bin wahrlich kein Anhänger von Verschwörungstheorien, aber mir wird langsam klar, dass die im Internet kursierenden Gerüchte, Mitterand hätte im Zusammenhang mit der Aufgabe der D-Mark von einem „Versailler Vertrag mit friedlichen Mitteln“ gesprochen, stimmen könnten. Übrigens, am 3. Oktober 2010 zahlte Deutschland 200 Millionen Euro als Abschlusszahlung aus dem Versailler Vertrag. Sollte das doch nicht die letzte Rate gewesen sein?  

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Honorarprofessor an der Universität Mannheim, ehemaliger Chef der IBM Europa mit Sitz in Paris, Offizier der französischen Ehrenlegion. Bekannt wurde er vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Kommentare (27)

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Radek

17.10.2011, 10:45 Uhr

Also Herr Henkel, Sie trauen sich aber! Sie verstoßen so offensichtlich gegen alle "Etikette", den verordneten Anstand und politische Korrektheit, dass nur zwei Schlüsse in Frage kommen. Entweder Sie sind so und und sprechen aus eigener Verantwortung und Souveränität das aus, was auszusprechen ist oder Sie spielen die Rolle des Hofnarren, dem man in einer bestimmten historischen Phase einst als Einzigem zubilligte, die ungeschminkte Wahrheit zu sagen und zu vekünden

R.St.

17.10.2011, 13:37 Uhr

Wer würde die Hand dafür ins Feuer legen, das deutsche Interessenwahrung jenseits von Parteitagen und Presseverlautbarungen überhaupt ein ehrliches Ziel auch unserer Politikvertretung ist? Auf der einen Seite die internationalen Sozialisten, die sich nichts sehnlicher wünschen, wie die Auflösung Deutschlands. Auf der anderen Seite das "tolle NWO Projekt". Das Europa der Vaterländer - das zuvor ja nachweislich funktionierte- sucht der Bürger vergeblich.
Ein unangenehmes Gefühl in der Bauchgegend mahnt, das vieles von dem, was uns als große europäische Idee verkauft wird, in Wahrheit ganz anderen Zielen dient.
Der Bürger wurde ja von Anfang an bei diesem "demokratischen Projekt" nicht gefragt, was er möchte! Welche Parodoxie.

Galli

17.10.2011, 14:44 Uhr

Vielleicht hat der Gegner ja ein Remie in Aussicht gestellt: Es gibt nur noch zwei Könige!

Deutschland macht sich nach dem folgenden Artikel aus der
RP v. 12.10.2011 Hoffnungen.Hier wortwörtliche Auszüge des Artikels der mir vorliegt, Veröffentlichung im Netz nicht verfügbar - warum auch immer?!

Überschrift: Ein Deutscher soll EU-Präsident werden-
Der Pro - Europa Flügel CDU will beim Parteitag in Leipzig ein Bekenntnis für mehr Europa durchsetzen:
Danach soll die EU zu einer Europäischen Konföderation mit eigenem Präsidenten entwickelt werden. Die CDU wird darauf hinwirken, dass der erste EU Präsident aus Deutschland kommt. Das geht aus einem internen Papier der 34 EU Abgeordneten aus dem Europa-Parlament hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Die Autoren Elmar Brock und Werner Langen wollen es heute vorstellen. Fernziel: Die Ämter von Ratspräsident Rompuy und Kommissionschef Barroso sollen zu einem MÄCHTIGEN Eu-Präsidenten zusammengelegt werden, der die Executive und die Gipfeltreffen leitet. Er soll sich seine
"Regierungsmannschaft" die Kommissare selbst aussuchen können. BISHER BESTIMMEN DIE MITGLIEDSSTAATEN WER KOMMISSION IN BRÜSSEL WIRD.
Währungs-Kommissar Olli Rehn soll nach Juncker neuer Chef der Euro Gruppe werden. Er soll eine Art Sparkommissar sein, der Schuldensünder (Mitgliedsländer) vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen kann.

Es wäre das Ende unserer Demokratie und die Unterdrückung von Völkern, denen wir alle unseren mit Macht gefüllten Hut überstülpen. Hierbei werden alte Erinnerungen wachgerüttelt und Frankreich als "Gutland" gewinnt die Herrschaft von Europa.

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