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11.11.2013

09:06 Uhr

Henkel trocken

Wie der Euro die Sparer enteignet

VonHans-Olaf Henkel

Die neuerliche Leitzinssenkung durch die EZB kommt bei vielen Staaten – insbesondere im Süden Europas – gut an. Das Problem: Für Deutschland und seine Sparer ist der Zinssatz deutlich zu niedrig.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die ökonomischen Schäden, die die Einheitswährung in den Länder der Eurozone anrichtet, wurden in „Henkel trocken“ immer wieder thematisiert. Dass der Euro für den Süden überbewertet ist, zeigen die anhaltende Rezession dort und die ins scheinbar Uferlose steigenden Arbeitslosenzahlen. Dass der Euro für den Norden unterbewertet ist, zeigt sich im steigenden Handelsbilanzüberschuss Deutschlands. Eine „one-size-fits-all“-Währung funktioniert in unterschiedlichen ökonomischen Situationen etwa so wie ein Jackett in einer Einheitsgröße. Dem Dünnen schlottert es um den Körper, den Dicken schnürt es ein.

Die neuerliche Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) lenkt die mediale Aufmerksamkeit auf einen weiteren schweren Nachteil der Einheitswährung: den durch den Euro bedingten Einheitszins. Nicht, dass das eine neue Erkenntnis wäre. Inzwischen weiß man, dass sich griechische Politiker ohne die – im Gefolge des Euro eingeführten – niedrigen Einheitszinssätze nie so hoch hätten verschulden können.

Auch die Immobilienblase in Spanien hätte mit einem höheren als dem einheitlich niedrigen Zinssatz der EZB kaum entstehen können. Dass die Politiker der Südländer ihre Reformbemühungen zum Zeitpunkt des Eintritts in die Eurozone einstellten, hat auch mit den fallenden Zinssätzen zu tun. Ohne mehr Zinsen in ihren Budgets bereitstellen zu müssen, konnten sie neue Schulden aufnehmen. Der französische Staatspräsident erklärte unlängst, dass die Zinsen der EZB für Frankreich „zu hoch“ seien. Es ist also kein Wunder, dass Politiker aus dem Süden der Eurozone einschließlich Frankreichs Mario Draghis neuerliche Zinssenkung bejubeln.

Kommentare (46)

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Account gelöscht!

11.11.2013, 09:17 Uhr

Bla, immer diesselbe Suppe macht auch keinen Feinschmecker.
Nicht der Euro/Dollar/Yuan/Rubel enteignet, sondern diejenigen die es können.

Account gelöscht!

11.11.2013, 09:30 Uhr

Liebe Sparer,

gebt Euer Geld dem Staat, der weiss am besten, was man damit macht....

xxx

Account gelöscht!

11.11.2013, 09:43 Uhr

Alles richtig in der Kolumne. Allerdings ist die Schuldenorgie der Krisenländer nur ein Teil der Wahrheit. Die Ursache rührt in der Subprime-Krise und der darin schlagartig vernichteten enormen Überschussliquidität, das hat auch andere Währungsräume getroffen. Daran flickschustern die EZB und die europäischen Regierungen (nicht nur die des EUR) seitdem herum.

Im EUR verdichten sich lediglich fundamtentale Systemfehler. Die Überschussliquidität, die Gelddruckorgie (=Schuldenorgie) wurde entfesselt durch deregulierte Finanzmärkte in Verbindung mit Finanzprodukt"innovationen" in Verbindung mit - am Ende - zu niedrigen Zinsen, aber nicht nur der EZB und....

unserem Giralgeldkreditsystem in dem aus 3 EUR Zentralbankgeld 100 EUR Giralkredit einer Geschäftsbank werden können und daraus durch Multiplikatoreffekte 1000 EUR Kredit im gesamten System die dann noch durch Finanzprodukte um ein Vielfaches gehebelt werden. Bei einem weltweiten Wachstum der Realwirtschaft in den letzten 20 Jahren von ca. 2-3% kann jedes Kind begreifen, dass das nicht funktionieren kann.

Die Zentralbanken finden keinen Ausweg mehr aus der Situation, weil die Sackgasse systembedingt ist. Die bei nüchterner Betrachtung notwendigen Korrekturen wären dermaßen radikal, dass sie nicht den Hauch einer Chance auf Materialisierung haben - nicht vor einem Reset.

Den EUR soll es morgen nicht mehr geben? Aber was ist mit dem System. In einer Zeit, in der ein Hüsteln eines Zentralbankers eine fundamentale Systemkrise auslösen kann ist beides untrennbar miteinander verbunden. Den EUR wird es bis zum Ende des Systems geben und das System bis zum Ende des EUR - beides ist zum (nahen) Tod verdammt und das wird beileibe kein leises Dahinscheiden werden, das wird ein finanznukleares Höllenfeuer. Der erste globale Systemreset.

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