Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2011

07:00 Uhr

Inside Carrefour

Auf Biegen und Brechen

VonHolger Alich

Mit einer selbstständigen Börsennotiz der Töchter will Carrefour endlich den eigenen Kurs beleben. Aber wichtiger wäre eine klare Strategie für den Mutterkonzern.

Holger Alich ist Korrespondent in Paris. Pablo Castagnola

Holger Alich ist Korrespondent in Paris.

Frankreichs Unternehmer Bernard Arnault hat mit seiner Luxusholding LVMH Milliarden gemacht. Doch sein Ruf als kluger Geschäftsmann droht zu leiden, seitdem er im März 2007 beim Einzelhandelsriesen Carrefour zum Kurs von 53 Euro eingestiegen ist. Fast vier Jahre später sitzt Arnault immer noch auf Buchverlusten. Alle Versuche, dem Carrefour-Kurs neues Leben einzuhauchen, sind bisher gescheitert.

Nun scheinen die Carrefour-Aktionäre einen neuen Anlauf zu nehmen: Der Konzern soll laut einem Bericht von „Le Figaro“ erwägen, seine Hard-Discount-Tochter Dia (vergleichbar mit Aldi) und die Immobilien-Tochter Carrefour Property getrennt an der Börse zu notieren. Das soll dann offenlegen, dass die Einzelteile mehr wert sind als das Ganze mit derzeit knapp 24 Milliarden Euro. Dabei will Carrefour die Kontrolle der Töchter behalten, heißt es.

Tatsächlich legte die Carrefour-Aktie gestern etwas zu. Analysten glauben, dass die Teil-Abspaltung der Töchter den Carrefour-Kurs um bis zu vier Euro beflügeln könnte. Denn die Hard-Discount-Tochter Dia hat zum Beispiel eine höhere Marge als der Gesamtkonzern. Wenn Dia eigenständig notiert, könnte die Börse das deutlicher honorieren.

Doch die Börseneinführung der Töchter hätte auch Tücken. Denn die Minderheitsaktionäre der Immobilientochter Carrefour Property dürften peinlich genau darauf achten, dass der Mutter Carrefour und ihren Hypermärkten keine Freundschaftsmieten zugeschanzt werden. Tendenziell müsste Carrefour Property sogar versuchen, der eigenen Mutter höhere Mieten abzunehmen. Somit könnte sich der Deal mittelfristig als Bumerang erweisen.

Zudem ändern die Börsenpläne nichts an der Tatsache, dass der nunmehr dritte Konzernchef seit Arnaults Einstieg bisher kein Mittel dagegen gefunden hat, dass Carrefours Hypermärkte in Frankreich weiter Marktanteile verlieren. Das Flaggschiff taumelt also weiter. Wertschöpfung für Aktionäre entsteht aber primär durch eine kluge Geschäftsstrategie. Und nicht durch Börsenspielereien.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×