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18.01.2008

15:07 Uhr

Internetportale

Neue Startseite

VonJeff Segal und Rob Cox (breakingviews.com)

Die Internetgruppe Yahoo hat die Orientierung verloren. Ihre Strategie sieht im Vergleich zu Konkurrenten wie Google konfus aus. Die Aktionäre sind gereizt und das Management scheint teilnahmslos zu sein. Es würde nicht viel dazu gehören, die Firma zu einer Aufspaltung oder zum Verkauf zu drängen. Investoren sollten aufhorchen.

Yahoo-Chef Jerry Yang hat kürzlich den Plan zusammengefasst, mit dem die ins Stolpern geratene Firma wieder auf den rechten Weg gebracht werden soll: Sie soll zur Startseite für jeden Internet-Nutzer rund um die Welt werden. Was Yang allerdings nicht geliefert hat, war eine überzeugende Lösung für die Existenzkrise der Internetgruppe. Nur zu versuchen, eine Startseite zu werden, wird nicht reichen. Yahoo kreuzt durch die Gewässer der Internet-Werbung wie ein Goldfisch auf der Flucht vor dem Hai, nämlich vor dem Erzrivalen Google. Aktivistische Investoren sollten aufhorchen – Yahoo ist reif für eine Reorganisation.

Yahoo ist als Ziel für die Herausforderer unter den Anlegern in vielerlei Hinsicht verlockend: ein in Misskredit geratenes Führungsteam und eine Unternehmensstrategie, die der Überholung bedarf, ein hinter den Erwartungen zurückbleibender Aktienkurs, ein großer Anteil an Aktien, die nicht in festem Besitz sind und kein Mehrheitsaktionär, Cash in der Bilanz und viele bewegliche Teile, deren Wert nicht angemessen im Aktienkurs von Yahoo widergespiegelt zu werden scheint – besonders ihre Investitionen in zwei angesagte asiatische Internetfirmen.

Zum Management: Als Yahoo-Mitbegründer Yang den Chefposten im Juni übernommen hatte, versprach er, das Unternehmen innerhalb von 100 Tagen auf Kurs zu bringen. Fast 200 Tage später ist das Versprechen immer noch nicht eingelöst. Seit seinem Amtsantritt hat der Kurs der Yahoo-Aktien 23 Prozent verloren, während Google um etwa zehn Prozent zugelegt haben. In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Wert des Unternehmens halbiert. Es ist kaum vorstellbar, dass die Investoren einen Wechsel an der Firmenspitze ablehnen werden.

Zur Strategie: Die Hauptschwäche von Yahoo liegt nach wie vor bei der Internetsuche. Trotz kräftiger Investitionen, um mit Google gleichzuziehen, hat sich hier der US-Marktanteil des Unternehmens auf 17 Prozent nach 22 Prozent im Vorjahr abgeschwächt. Ein Aktivist würde mit großer Sicherheit verlangen, dass Yahoo dieses Geschäft gegen eine saftige Gebühr an Microsoft, oder sogar Google, übergibt. Nach Schätzungen von Sanford Bernstein könnte eine Auslagerung der Internetsuche die Einnahmen der Gruppe in diesem Bereich um mindestens 30 Prozent auf 3,5 Mrd. Dollar erhöhen.

Und dann sind da die Beteiligungen an Yahoo Japan über neun Mrd. Dollar und Ali Baba über 4,4 Mrd. Dollar. Zu Geld gemacht, könnten die beiden Beteiligungen, die einen großen Teil der Marktkapitalisierung von Yahoo über 29 Mrd. Dollar ausmachen, ein unverhoffter Glücksfall für die Aktionäre werden. Aber es gibt da ein Problem: Yahoo müsste bei einem Verkauf kräftig Kapitalgewinnsteuern hinblättern.

Außer natürlich, wenn der Internetriese ein wenig Kreativität in seine Finanzen bringt. Und genau da könnte ein aktivistischer Investor mit ein bisschen Hintergrundwissen in Corporate Finance das Meiste bewirken. Nach Auskunft von Jeffrey Lindsay von Sanford Bernstein könnte das Unternehmen zum Beispiel eine so genannte umgekehrte Morris Trust-Struktur anwenden. Die würde es Yahoo im Wesentlichen erlauben, die Beteiligungen in eine neue börsennotierte Einheit auszulagern – nennen wir sie einmal Yahoo Asian Investment Co. (Yaico), die dann steuerfrei an die Yahoo-Aktionäre weitergegeben werden könnte.

Der Schlüssel zur Sicherung der Steuervorteile eines solchen Deals wäre die Anwesenheit eines anderen Mitspielers, der bereit wäre, mit Yaico zu fusionieren, ohne eine Mehrheit zu beanspruchen. Zum Beispiel könnte sich die chinesische Suchmaschine Baidu.com aus Strategiegründen auf eine solche Gelegenheit stürzen. Die Yahoo-Aktionäre kämen dann in den vollen Genuss der asiatischen Investitionen. Rechnet man noch die liquiden Mittel von Yahoo über 1,5 Mrd. Dollar zu den Beteiligungen an Yahoo Japan und Ali Baba dazu, dann erhält man einen Wert von fast elf Dollar je Aktie.

Nach der Auslagerung der Internetsuche an Google und durch das Einbringen von Kostenvorteilen durch reduzierte Verwaltungskosten – ein weiterer Schritt, den ein aktivistischer Investor zu Recht einfordern würde – könnten die Aktien von Yahoo bis zu 36 Dollar wert sein. Das wäre ein Aufschlag von mehr als 65 Prozent gegenüber dem derzeitigen Aktienkurs. Für den richtigen Plünderer sieht Yahoo wie ein glitzernder Schatz aus. Wie jede wertvolle Beute, ist auch Yahoo nur unter Anstrengungen zu erjagen. Aber für einen Aktivisten mit einem genauen Ziel vor Augen, sieht Yahoo wie eine ziemlich anziehende Startseite aus.

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