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17.01.2010

11:30 Uhr

JP Morgan:

Den Banken steht ein hartes Jahr bevor

VonAntony Currie (breakingviews.com)

Die Ergebnisse von JP Morgan lassen auf ein hartes Jahr 2010 für die Branche schließen. Die Einnahmen der Investmentbank waren im vierten Quartal um ein Drittel gefallen, der Privatkundenbereich musste überraschenderweise bei Hypothekendarlehen einen Schlag hinnehmen und im Kreditkartengeschäft könnte bis Juni ein Verlust über zwei Mrd. Dollar auflaufen. Bankchef Jamie Dimon wird vermutlich Möglichkeiten finden, um weiter Geld zu verdienen. Aber wenn der Weg schon für JP Morgan so steinig ist, wie sieht er dann erst für weniger erfolgreiche Banken aus?

JP Morgan befindet sich in der ungewohnten Situation, der Bankenbranche die Stimmung zu verhageln. Das mächtige Kreditinstitut hatte es geschafft, unter der Leitung von Jamie Dimon den schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise zu entgehen, und wurde gemeinhin als die Bank erachtet, der es nachzueifern galt. Die Ergebnisse von JP Morgan im vierten Quartal könnten sich allerdings als ganz und gar nicht beneidenswert erweisen. Sie lassen vielmehr darauf schließen, dass 2010 für die Branche ein hartes Jahr wird.

Das mag seltsam klingen. Schließlich verbuchte die Bank doch für die letzten drei Monate des Jahres einen Gewinn von 3,3 Mrd. Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten um lässige 20 Prozent. Von diesen Hauptkennzahlen einmal absehen gibt es jedoch eine Fülle von Aspekten, die die Investoren nervös machen könnte.

Einige wichtige Trends im Investment Banking haben sich verschlechtert. Ein kräftiger Rückgang beim Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Devisen hat die Einnahmen gegenüber dem dritten Quartal um 34 Prozent gedrückt. Dies ist teilweise auf das schleppende Geschäft im Dezember zurückzuführen, das seitdem wieder an Schwung gewonnen hat. Doch da die Handelsspannen schrumpfen und die Mittel seitens der Zentralbank nicht mehr so üppig fließen dürften, wird es möglicherweise für JP Morgan und andere Banken schwieriger werden, erneut die unerwartet hohen Gewinne des vergangenen Jahres zu erreichen.

Auch der Bereich Hypothekendarlehen wartete mit einer bösen Überraschung auf. Über ein Jahr lang klang es so, als wäre JP Morgan zufrieden mit ihren Bewertungen der riskantesten unter den variabel verzinslichen Hypothekendarlehen, die die Bank durch die Akquisition von Washington Mutual geerbt hatte. Jetzt hat das Institut bei so genannten Option ARMs - zinsvariablen Hypotheken, die mit Optionen für die Bezahlung ausgestattet sind -, einen unerwarteten Schlag über 500 Mill. Dollar einstecken müssen. Gleichzeitig verringerten sich die Einnahmen aus anderen Hypothekendarlehensbereichen, da sich neue Immobilienkredite verlangsamten und die Erträge aus Mortgage Servicing Rights, also aus Verträgen, bei denen das Institut gegen Gebühr Dienstleistungen rund um die Kredite übernimmt, zurückgingen.

Und dann wäre da noch das Kreditkartengeschäft. Dimon rechnet damit, dass es in diesem Segment bis Juni zu Verlusten über etwa zwei Mrd. Dollar kommen wird. Als Gründe führt er die hohe Arbeitslosigkeit und neue Aufsichts- und Bilanzierungsrichtlinien an. Sicher, JP Morgan hat diese Möglichkeit bereits im vergangenen Herbst signalisiert. Doch die Warnung hat vor dem Hintergrund der Probleme im Hypothekenbereich und der Verlangsamung im Investment Banking neue Sorgen ausgelöst.

Selbst die positiven Nachrichten haben sich als nicht ganz so gut erwiesen, wie sie dargestellt wurden. Die Einlagen kletterten nur deshalb um acht Prozent, weil Unternehmenskunden sich dafür entschieden haben, Barmittel lieber zu sparen, als sie auszugeben. Dimon wird vermutlich Möglichkeiten finden, um weiter Geld zu verdienen, und sei es auch nur zu einer Eigenkapitalrendite von glanzlosen acht Prozent. Die Investment Bank ist immer noch erstklassig, Teile des Privatkundengeschäfts schlagen sich tapfer, das Asset Management kommt gut voran und das Risikomanagement präsentiert sich stark. Doch wenn der Weg für JP Morgan schon so steinig ist, dann muss man sich nur den Pfad vorstellen, der vor den weniger erfolgreichen Konkurrenten liegt.

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