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17.01.2008

10:35 Uhr

JPMorgan

Gedämpftes Vielfaches

VonAntony Currie (breakingviews.com)

Das Imperium des JPMorgan-Chefs Jamie Dimon hat die Subprime-Fallgruben weitgehend links liegen gelassen, es ist gut mit Kapital ausgestattet und hat vor einem möglichen Abschwung ordentliche Rückstellungen aufgebaut. Es gibt zwar immer noch Risiken. Aber mit einem Kurs knapp über dem Buchwert werden JPMorgan-Titel niedriger bewertet als die Aktien vieler Konkurrenten, darunter auch die der belagerten Citigroup.

Jamie Dimon hat eine Glückssträhne. Das Imperium des JPMorgan-Chefs hat die Fallgruben des Subprime-Sektors weitgehend links liegen gelassen, in die eine Reihe anderer Finanzinstitute gestürzt ist. Und die Bank hat gerade mit einem Bocksprung über Dimons früheren Arbeitgeber Citigroup hinweggesetzt, um, gemessen am Börsenwert, die zweitgrößte amerikanische Bank zu werden. Aber eines muss Dimon immer noch ein Dorn im Auge sein. Trotz des relativen Erfolgs werden die Aktien von JPMorgan im Vergleich zu vielen Branchenkollegen – Dimons belagerte Alma Mater eingeschlossen – zumindest gemessen am Buchwert mit einem Abschlag gehandelt.

Die Titel wechseln nun schon seit einigen Wochen nur knapp über dem Buchwert die Besitzer. Gewöhnlich ist ein Niveau nahe bei oder unter dem Buchwert ein Zeichen für Anspannung oder zumindest ein Signal dafür, dass die Investoren besorgt sind, eine Flut schlechter Nachrichten könne sich anbahnen. Der gesamte Sektor könnte sich schwierigen Zeiten gegenübersehen, wenn sich in den USA eine Rezession entwickelt. Aber man sollte doch denken, dass JPMorgan in einer besseren Verfassung ist als etwa die von massiven Abschreibungen belastete Citigroup.

Und doch, selbst nachdem das Institut in dieser Woche einen Schlag über 23 Mrd. Dollar einstecken musste, ist Citigroup, gemessen als Prozentsatz ihrer Aktiva, immer noch ungefähr das Gleiche wert wie Dimons Firma und wie die Bank of America von Ken Lewis. Natürlich handelt es sich bei JPMorgan kaum um eine risikofreie Investition. Ihr Privatkundengeschäft verfügt auch über umfangreiche Hypotheken- und Kreditkartenbereiche und die Zahl der Ausfälle steigt. Aber die Bank hat – anders als Citigroup – kein Subprime-Autofinanzierungsportfolio und weist mit 8,4 Prozent eine der höchsten Kernkapitalquoten unter den US-Banken auf – ohne im In- und Ausland die Investoren um frisches Kapital ersucht haben zu müssen.

JPMorgan hat zudem Rückstellungen für Kreditausfälle über rund zehn Mrd. Dollar vorgenommen - das ist mehr als Citigroup vorweisen kann, und für eine Bilanz, die etwa nur zwei Drittel so groß ist. Darüber hinaus hat sich JPMorgan, im Unterschied zu seinem ins Trudeln geratenen Konkurrenten, keine fragwürdigen Kredite aufgeladen, bei denen 90 Prozent oder mehr der Immobilien fremdfinanziert waren. Citigroup hat Darlehen dieser Kategorie über 51 Mrd. Dollar. Das Engagement der Investment Bank von JPMorgan bei Subprime- und CDO-Papieren beläuft sich auf gerade einmal 2,7 Mrd. Dollar, wovon ein Großteil abgesichert ist, während der Gegenspieler von Dimon bei Citigroup, Vikram Pandit, sich immer noch mit solchen Krediten über sage und schreibe 37 Mrd. Dollar herumschlagen muss.

Da stellt sich die Frage, warum das Kurs-Buchwert-Verhältnis von JPMorgan diese sich gesünder darstellende Situation nicht widerspiegelt? Vielleicht sind die Investoren immer noch nicht restlos davon überzeugt, dass das Risikomanagement im Investment Banking-Bereich auch wirklich grundsolide ist. Schließlich hatten die Handelsergebnisse rund fünf Jahre lang Anlass zu großer Sorge gegeben, bevor Dimon den Kurs neu ausgerichtet hat. Gut, Dimon mag vielleicht nicht erwarten können, dass die Bank zu dem Schwindel erregenden 2,6fachen des Buchwerts gehandelt wird, das die offenkundig unantastbare US Bancorp erreicht. Aber es erscheint sicherlich ungerechtfertigt zu sein, JPMorgan mit Citigroup in einen Topf zu werfen.

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