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12.01.2010

08:07 Uhr

Junk Bonds

Gefährlicher Rausch

VonAgnes T. Crane (breakingviews.com)

Nachdem weniger Unternehmen in Zahlungsverzug geraten, haben die Investoren die Risikoaufschläge auf hochverzinsliche Schuldtitel gefährlich niedrig werden lassen. Es ist positiv, dass weniger Unternehmen scheitern. Aber hohe Anleihekurse lassen keinen Spielraum mehr für mögliche negative Auswirkungen zu, wenn die Zentralbanken sich wirklich aus den Märkten zurückziehen.

Die Investoren, die sich gerade an Junk Bonds berauschen, müssen darüber nachdenken, wieder nüchterner zu werden. Sie haben es zugelassen, dass die Risikoaufschläge bei hochverzinslichen Titeln gefährlich niedrig geworden sind. Es ist positiv, dass weniger Unternehmen scheitern. Aber hohe Anleihekurse lassen keinen Spielraum mehr für das größte Finanzmarktrisiko im Jahr 2010: Für die möglichen negativen Auswirkungen, die entstehen könnten, wenn sich die Zentralbanken wirklich aus den Märkten zurückziehen.

Junk Bond-Investoren ziehen für den schlimmsten Fall üblicherweise einen Puffer ein. Doch dieses Mal scheint dies nicht der Fall zu sein. Der durchschnittliche Option-adjusted Spread - der Renditeabstand einer Anleihe zu einer Referenzkurve, zum Beispiel für Staatsanleihen, bereinigt um den Wert von mit der Anleihe verbundenen Optionen - notierte per Freitag für Hochverzinsliche bei 602 Basispunkten, geht aus US-Marktdaten der Bank of America Merrill Lynch hervor. Fridson Investment Advisors geht davon aus, dass die Kennziffer für die Risikoaufschläge, basierend auf den jüngsten Ausfallzahlen der Rating-Agentur Moody?s, jetzt bei 658 Basispunkten liegen sollte. Sie könnte allerdings bis zum Jahresende auf 532 Basispunkte zurückgehen, falls sich die Anzahl der Unternehmen mit Leistungsverzug wie erwartet verringert.

Mit anderen Worten scheinen die Anleger bereits Verbesserungen bei der allgemeinen Kreditsituation der Unternehmen vorwegzunehmen. Moody?s geht davon aus, dass die globale Ausfallquote, die im November eine Spitze von 12,9 Prozent erreicht hatte, bis zum Jahresende auf 3,3 Prozent schrumpft.

Nach vorn zu schauen, ist bis zu einem gewissen Grad sinnvoll. Aber die Investoren scheinen den großen Faktor X in der Gleichung, der zwischen dem jetzigen und einem späteren Zeitpunkt stehen dürfte, zu vergessen: Den Rückbau der staatlichen Unterstützung für die Finanzmärkte. Die US-Notenbank Federal Reserve, zum Beispiel, bewegt sich geradewegs darauf zu, bis Ende März ihr Limit von 1,25 Bill. Dollar für den Erwerb von Hypothekenanleihen zu erreichen. Die Bank of England geht davon aus, ihr eigenes Programm zum Kauf von Vermögenswerten im kommenden Monat abzuschließen.

Dies alles gehört zu dem Prozess, Regierungsmittel abzuziehen, bevor noch die Zinsen angehoben werden. Es ist unwahrscheinlich, dass für jede Phase dieses Prozesses der perfekte Zeitpunkt gewählt werden wird. Während er sich entfaltet, dürfte die Rücknahme der staatlichen Unterstützung für Bewegung auf den Märkten sorgen - viele Asset-Klassen werden im Wert verlieren, darunter Junk-Anleihen und andere wie Staatsanleihen und Aktien, die bereits jetzt - im besten Fall - als höchstbewertet erscheinen.

Man kommt kaum umhin, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Anleger in ihrer Erleichterung darüber, das Schlimmste der Krise hinter sich gelassen zu haben, ein wenig voreilig gehandelt haben - besonders auf riskanten Anleihemärkten, von denen sich das Schreckensgespenst der Massenausfälle zurückgezogen hat. Das ist natürlich eine Entlastung. Aber andere Gefahren, die dort immer noch lauern, verdienen jetzt die volle Aufmerksamkeit der Junk Bond-Käufer.

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