Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2010

15:25 Uhr

Klage gegen Porsche

Waidwunde Hedgefonds

VonPierre Briançon

Schlechte Verlierer oder hintergangene Mitspieler? Hedgefonds, die mit VW-Aktien spekulierten, mussten im Oktober 2008 harte Schläge einstecken. Damals verriet der Rivale Porsche, auf weit mehr VW-Aktien zu sitzen, als angenommen wurde. Innerhalb eines Tages vervierfachte sich der Preis der VW-Papiere, als sämtliche Fonds zur Schadensbegrenzung – vergeblich – versuchten, Hamsterkäufe zu tätigen.

Schlechte Verlierer oder hintergangene Mitspieler? Hedgefonds, die mit VW-Aktien spekulierten, mussten im Oktober 2008 harte Schläge einstecken. Damals verriet der Rivale Porsche, auf weit mehr VW-Aktien zu sitzen, als angenommen wurde. Innerhalb eines Tages vervierfachte sich der Preis der VW-Papiere, als sämtliche Fonds zur Schadensbegrenzung - vergeblich - versuchten, Hamsterkäufe zu tätigen.

Nun werfen einige dieser Investoren Porsche vor, Anleger in den Monaten vor der Oktoberüberraschung getäuscht zu haben. Sie versuchen vor einem New Yorker Gericht eine Mrd. Dollar einzuklagen.

Porsche überschuldete sich, um Kontrolle über den Rivalen zu erlangen, und scheiterte schließlich daran. Zum damaligen Zeitpunkt in 2008, als der Finanz-Surrealismus regierte - dank der Optionsspielereien lag der Nettoprofit höher als die Umsätze - wirkte es wie ein höchst erfolgreicher Hedgefonds. Doch die Profite schafften es nie vom Papier zum Bargeld und die Blase platzte 2009. Es kam zu einer Waffenstillstandsfusion zwischen den verfeindeten Eignerfamilien und Porsche endete als eine von zwölf Marken im VW-Portfolio.

Die Fonds, die ihre Optionen verloren, gingen ein hohes Risiko ein in der Hoffnung, die durch die Übernahme aufgeblähten VW-Aktien würden abstürzen, sobald sich Porsche 51 Prozent der Stammaktien gesichert hätte. Wegen VWs limitiertem Float war das gefährlich.

Egal, was juristisch dabei herauskommt, die Klage wirft in jedem Fall ein Licht auf den armseligen Zustand der deutschen Gesetzgebung in Bezug auf Veröffentlichungen und Informationssteuerung. Porsche hätte die angehäuften Bezugsoptionen nicht in dieser Weise erwähnen müssen, ebenso wenig wie Informationen darüber, ob der Deal in Cash oder tatsächlichen Papieren ablaufen würde. Selbst der Porsche-Vorstand wurde lange über den Bezugspreis im Dunklen gehalten.

Die Fonds, die sich übers Ohr hauen ließen und sich die Finger verbrannten, werden in Berlin wenig Mitleid ernten. Insbesondere wird man sich mit der Klage an einem New Yorker Gericht kaum neue Freunde machen, ganz so, als ob man den deutschen Richtern misstraute. Eines wird durch die VW-Porsche-Story deutlich: Deutschland braucht dringend eine regulative Runderneuerung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×