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14.11.2012

09:37 Uhr

Kleinleins Klartext

Angstgeschäfte und Angstpolitik

VonAxel Kleinlein

Heute stellen sich die Versicherer der Öffentlichkeit. Die Angst um die Renten der Bürger und die Solvenz der Unternehmen geht um. Das könnte die Politik dazu verleiten, die Branche unnötig weiter zu mästen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Eigentlich klingt „Versicherung“ gar nicht beunruhigend. Auch „Altersvorsorge“ kommt recht harmlos daher. Geht es aber um den Verkauf der Versicherungsprodukte, dann erhalten diese Begriffe einen nachhaltigen Angstfaktor. Spricht ein Vermittler das Wort „Unfallversicherung“ aus, so liegt die Betonung stark akzentuiert auf dem „Unfall“. Höre ich das, so werden meine Ängste vor einem solchen Ungemach akut. Ich denke nicht mehr an die Wohligkeit der „Sicherheit“, sondern an all das Schlimme, was mit einem Unfall daherkommt.

Die Werbung der Versicherungswirtschaft arbeitet oft mit diesen Negativassoziationen. Erst werden Ängste provoziert, um dann mit dem Versicherungsprodukt die vermeintliche Lösung zu präsentieren. Das geht soweit, dass auch die „Rentenlücke“ als unfallträchtiges Loch dargestellt wird, in das man fallen und sich dabei verletzen kann. Durch derartige Werbung führt sogar der Begriff „Altersvorsorge“ zu akuten Angstschweißausbrüchen.
Das so provozierte Geschäft mit der Angst ist von jeher eine tragende Säule des Versicherungsgeschäfts – Angstgeschäfte statt passgenauer Absicherung.

Was sich bei Ihrem Vertragspartner geändert haben kann

Namen

Das Unternehmen hat den Namen gewechselt. Einige Beispiele: CiV heißt jetzt Targo! Hamburg-Mannheimer heißt jetzt ERGO! Raider heißt jetzt Twix!

Übernahmen

Das Unternehmen wurde von einem anderen geschluckt: z. B. Colonia von der Axa, Vereinte von der Allianz, Volksfürsorge von der Generali…

Strategiewechsel

Die Unternehmensausrichtung, die Unternehmensphilosophie hat sich massiv gedreht: Wer früher bei einem konservativen deutschen Versicherer, der von der Deutschen Bank empfohlenen wurde, abgeschlossen hat (Herold), findet sich heute bei einem Schweizer Versicherer wieder, der besonders auf innovative Produkte setzt (z. B. Zurich).

Finanzielle Notlage

Das Unternehmen war kurz vor der Pleite und die Verträge wurden einfach zur Auffanggesellschaft Protektor übertragen: Das betrifft bisher nur die Kunden der Mannheimer Leben.

Namenswirrwarr

Das Unternehmen versteckt sich vor Ihnen: Ihre Versicherung besteht noch immer, heißt noch immer wie zu Vertragsbeginn (z. B. Victoria Leben) und tut nun aber so, als hieße sie jetzt ganz anders (z. B. ERGO).

Auch Politiker sind nicht immun. Es ist zu befürchten, dass die Parlamentarier die gleichen Reflexe aufweisen. Nur dass unsere Abgeordneten keine Verträge unterzeichnen sollen. Vielmehr wünscht sich die Versicherungswirtschaft, dass sie bestimmte Gesetze beschließen sollen.

Das wird den Politikern nun durch ein echtes Angstszenario schmackhafter gemacht, das quer durch alle Medien ventiliert wird: Die Angst, dass ein Fünftel aller Versicherer bald pleite wäre, die Angst, dass viele Altersvorsorgeverträge bald keine Garantieverzinsung mehr bekommen, die Angst, dass die Steuergelder für Riester-, Rürup-Renten und die betriebliche Altersvorsorge umsonst ausgegeben worden wären ...

Kommentare (6)

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manni

14.11.2012, 15:44 Uhr

Abwrackprämie für Altverträge?

Zahlbar nur bei Umwandlung in einen Neuvertrag mit Garantiezins 0,2%, dafür aber nur pauschal 20% Abschlußkosten und ein garantierter Sparanteil von 15% nach Abzug der Verwaltungskosten, die 95% der Ablaufleistung nicht überschreiten dürfen?

merxdunix

15.11.2012, 10:30 Uhr

Ist tatsächlich nichts von uns übrig geblieben, als Gier und Angst?
Über Jahrzehnte hat das Rentensystem funktioniert. Sogar nach dem Krieg waren alte Menschen versorgt, obwohl wirklich nichts mehr von deren Lebensleistung übrig war. Abstriche beim Wohlstand waren selbstverständlich. Und Angst vor Abhängigkeit gab’s auch schon immer.
Heute suggeriert man uns, dass die eigene Kaufkraft im Alter erhalten bleiben muss, wenn nicht sogar steigen soll, um mitzuhalten. Aber woher kommt dieses Gutmenschentum? Was steckt dahinter, wenn man uns dazu nötigt, wesentliche Teile des Einkommens sich selbst und den eigenen Kindern vorzuenthalten und statt dessen Unsummen bei Versicherungen anzuhäufen? Genau genommen geht es doch auch hier um die Sanierung maroder Banken und um die Schaffung von Finanzmonopolen, denn nur dort kann der parasitäre Staat seinen immensen Bedarf an Steuern abschöpfen. In Anbetracht dessen, was Banken und Versicherungen an Steuern abführen, kann der Staat nicht daran interessiert sein, dass die Generationen füreinander da sind, denn das ist in der Regel steuerfrei. Entsprechend intensiv werden von allen Seiten Zukunftsängste geschürt und das Vertrauen der Sparer in die eigene Vorsorgekompetenz erschüttert. Mit diversen Tricks wie Riester, Rürup oder Gehaltsumwandlung läuft der Raubzug so ab: Vertraut nicht auf andere, wenn ihr versorgt sein wollt. Gebt uns alles Geld, das ihr zur Vorsorge entbehren könnt und weil wir es gut mit euch meinen, legen wir noch etwas obendrauf. Dass das Dazugelegte aus dem vorherigen Raubzug stammt, merkt keiner.
Es ist sinnvoll, sich gegen Unfälle und Unkalkulierbares zu versichern. Es ist aber nicht dasselbe, ob man Geld in der Hand oder auf dem Konto hat. Das Geld in der Hand gibt man meist eigennützig aus. Das Geld auf dem Konto kann die Bank gegen den Sparer einsetzen und wie man anhand der Finanzkrise sieht, wird das auch gemacht. Dann ist Vorsorge aber Selbstzerstörung.

Rudi_Dutschke

28.11.2012, 11:29 Uhr

Die Versicherungsbranche ist genau so gierig wie die Gilde der Banker. Sie tarnten die Gier in der Vergangenheit nur geschickter.
Jetzt in der Niedrigzinsphase fällt diese Tarnung. Wer Versicherungsvertreter kennt, dem ist klar: Auch heute noch überwiegend verkrachte Existenzen mit viel zu hohem Einkommen. Die ERGO läßt grüßen! Andere sind auch nicht besser.

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