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07.11.2012

11:41 Uhr

Kleinleins Klartext

Der Teufelskreis der Altersvorsorge

VonAxel Kleinlein

Inflation beutelt die deutschen Sparer. Politik und Finanzdienstleister lassen die Anleger bei ihrer Altersvorsorge im Stich. In einem scheinbar endlosen Kreislauf bedienen sie sich an dem Vermögen der Bürger.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Wer Altersvorsorge betreiben möchte, hat es derzeit schwer. Die Angebote der Versicherer, der Banken und der Fondsgesellschaften versprechen nicht viel und garantieren noch weniger. Wenn ich zum Beispiel heute 100 Euro – etwas mehr als der Gegenwert einer vollen Tankfüllung - in eine gängige Altersvorsorge stecke, dann wird mir oft nur garantiert, dass ich in 30 Jahren gerade diese 100 Euro zurückerhalte. Wenn „die Märkte gut laufen“, oder die „Überschussbeteiligung wieder steigt“, können aus den 100 Euro nach Aussagen der Finanzdienstleiter womöglich sogar 150 Euro oder 180 Euro werden. Das klingt erst einmal gar nicht so schlecht, ist aber dennoch katastrophal.

Das Problem ist die Inflation. Sie führt dazu, dass ich die Tankfüllung in 30 Jahren nur noch für etwa 200 Euro bekomme, also zum doppelten Preis. Dies führt in Folge dazu, dass ich – auch wenn es gut läuft – mit dem Sparergebnis in 30 Jahren den Tank nicht mehr voll bekomme. Ich verzichte also heute auf eine volle Tankfüllung, obwohl ich später mit dem „Ersparten“ den Tank nicht mal mehr vollständig füllen kann.

So funktioniert der Teufelskreis der Altersvorsorge

1. Schritt

Kleinsparer investieren ihr Geld bei einem Finanzdienstleister.

2.Schritt

Der Finanzdienstleister kauft von dem Geld schlechtverzinste Bundesanleihen.

3. Schritt

Die Schuldenquote Deutschlands sinkt; der Finanzminister jubelt.

4. Schritt

Die Politik gewährt dem Finanzdienstleister Vergünstigungen; Unternehmen und Aktionäre jubeln.

5. Schritt

Die Sparergebnisse sind schlecht, die Kleinsparer jubeln nicht.

6. Schritt

Die Politik fordert die Bürger auf, noch mehr Altersvorsorge zu betreiben, weil die Sparergebnisse ja so schlecht sind und nicht ausreichen.

7. Schritt

Kleinsparer investieren noch mehr Geld bei einem Finanzdienstleister. Danach geht es zurück zum 1. Schritt.

Durch die Inflation - derzeit gerade mal um die 2,5 Prozent – und eine miese Umlaufrendite wird also erfolgreiches Sparen verhindert. Das Geld, das ich heute habe, wird durch Sparen weniger wert. Schuld daran ist die Inflation, die höher ist, als das was ich als vernünftige Sparrendite derzeit erzielen kann.

Liest man die Nachrichten und Kommentare, dann erscheint es oft so, dass die im Vergleich zu den Sparzinsen hohe Inflation eine „Naturgewalt“ wäre, ein Nebeneffekt der Wirtschaftskrise, ein Ereignis, das wie ein Tsunami oder ein Erdbeben über uns kommt. Man müsse nun die Zähne zusammenbeißen, den Gürtel enger schnallen und brav sparen und damit die Krise überwinden. Was die Kommentatoren dieser Gebetsmühlen-Parole aber verschweigen: Man muss dann auch gleichzeitig noch das Hirn ausschalten.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

07.11.2012, 11:56 Uhr

Oje, jetzt auch noch eine Kolumne. Kann er Kleinlein eigentlich auch Lösungen anbieten? Schreiben was alles nicht funktioniert kann ich auch. Suchen Sie noch einen Kolumnist?

mwinkl02

07.11.2012, 12:10 Uhr

Kaufkraft lässt sich nicht beliebig in die Zukunft transferieren!
Diese bittere Wahrheit und Pille will leider niemand laut sagen. Die Politik wird aber aus Eigeninteresse eine große neue Einwanderungswelle der Qualifizierten auslösen. Diese können dann in den Generationenvertrag einzahlen. Dazu kommt die böse Globalisierung, welche es uns Greisen erlauben wird, an der zukünftigen Kaufkraft der Entwicklungsländer teilzuhaben. Also:1/3 selbst in Staatsanleihen stecken. 1/3 in die staatliche Altersversorgung. (Notfalls mit Höchstbeträgen kurz vor der Pension) und 1/3 in deutsche Aktienfonds. (Als Exportnation eine der sichersten Globalisierungsanleihen) Zu guter letzt alle Steuervorteile und Regelungen vergessen. Die sehen in 30 Jahren sowieso anders aus. Das Existenzminimum wird aber immer Steuerfrei bleiben.
Viel Erfolg.
Martin Winkler

Account gelöscht!

07.11.2012, 12:11 Uhr

Tja, da hilft nur, den Tatbestand (INFLATION) kurz und verständlich auf ein Schild malen und dem Herrn EZB-Vorsitzenden kräftigst (!) auf die Stirn klatschen.

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