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01.05.2013

07:18 Uhr

Kleinleins Klartext

Die Arroganz der Macht

VonAxel Kleinlein

Richter des Landgerichts Hamburg haben die Allianz aufgefordert, klassische Riester-Renten nicht mehr zu vertreiben. Die Begründung: Das Produkt sei „zu intransparent“. Wie konnte es nur soweit kommen?

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Die Allianz ist unbestritten Marktführer in Deutschland. Auch bei der Riester-Rente kann die Allianz stolze Zahlen vorweisen. Die klassische Variante wurde aber jetzt vom Landgericht Stuttgart als „zu intransparent“ abgeurteilt. Allein das ist schon ein Skandal, dass die Allianz gerade bei einem staatlich geförderten Vertrag auf hinreichende Transparenz verzichtet. Ein weiterer Skandal ist aber, wie die Allianz über die Jahre hinweg mit diesem Problem umgeht.

Der Streit um die Transparenz der Riester-Rente der Allianz ist eine Geschichte von Ignoranz und Arroganz. Er hätte so nicht eskalieren müssen. Die Allianz wurde von Branchenbeobachtern, Verbraucherschützern, Medien und Wissenschaft gewarnt. Leider versteht der Marktführer aber anscheinend nur die Sprache der Juristen. Wie kam es dazu?

Im Frühjahr 2011 begann die Arbeit an einem Riester-Renten-Test für die Zeitschrift Öko-Test. Federführend begleitete die Redakteurin Barbara Sternberger-Frey, diese Studie und ich hatte als unabhängiger Versicherungsmathematiker die Aufgabe Berechnungen durchzuführen. Frau Sternberger-Frey stieß bei Sichtung der Unterlagen auf Ungereimtheiten beim Marktführer. Sie bat mich daher, dass auch ich versuchen solle, das Angebot der Allianz zu verstehen.

Glücklicherweise lagen mir alle Unterlagen vor: Produktinformationsblatt, Verbraucherinformationen, Versicherungsbedingungen und „Versicherungsmathematische Hinweise“. Auch den aktuellen Geschäftsbericht mit Anlage hatte ich daheim. Alle Unterlagen griffbereit, setzte ich mich kurz in den Garten, um mir ein Bild über das Angebot der Allianz zu machen. Es dauerte jedoch Stunden, bis ich verstanden hatte, wie hier die Kostenüberschüsse gewährt und wem sie vorenthalten werden.

Das Ergebnis war ernüchternd: Genau die Kunden mit vielen Kinderzulagen aber auch Wenig-Verdiener bzw. ältere Riester-Sparer, haben geringere Chancen Zusatzüberschüsse bzw. Kostenüberschüsse zu erhalten als junge und gutverdienende Singles.

Im Juni 2011 veröffentlichte Öko-Test neben den Testergebnissen auch diese Analyse. Verbraucherschützer und Politiker echauffierten sich bereits damals über den Sachverhalt. Reaktion der Allianz? Keine Änderung der Regelungen, keine Überarbeitung der Kostenüberschussbeteiligung.

Am 15. September 2011 veranstalte der Berliner „Verein zur Förderung der Versicherungswissenschaften“ ein Fachgespräch zum Thema Transparenz. Die Vorträge mit Diskussion fanden in der „Allianz-Repräsentanz“ am Brandenburger Tor statt. Dort habe ich in meinem Vortrag genau die Probleme um die Beteiligung an den Kostenüberschüssen dargestellt. Dr. Volker Priebe, Leiter der Produktentwicklung der Allianz Leben war auch anwesend und beteiligte sich an der Diskussion. Auch dort, im wissenschaftlichen Kontext, erfuhr die Allianz Kritik zu ihrem intransparenten Vorgehen. Wie reagierte sie darauf? Gar nicht!

Kommentare (9)

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yota

01.05.2013, 08:06 Uhr

Arroganz der Macht: nicht die Allianz ist das Problem, sondern der Gesetzgeber, der solche Dinge zulässt. Das ist die "Stärke" der schwarz-gelben Regierung, dass sie sich für die Grossen einsetzt auf Kosten der Bürger.

Account gelöscht!

01.05.2013, 09:01 Uhr

"Arroganz der Macht: nicht die Allianz ist das Problem, sondern der Gesetzgeber, der solche Dinge zulässt."

Genauso siehts aus. Wahrscheinlich bekommen die Abnicker auch diese Texte fix und fertig geliefert.

Vielleicht würde es helfen statt Rundfunkgebühren zu verabschieden, Verbraucherschutzgebühren zu erheben, und mit diesen Verbraucherschutzorganisationen genug Geld an die Hand zu geben, diese Dinge auszufechten.
Allerdings - wieso sollte diese dafür überhaupt Geld brauchen? Diejenigen die Geld wollen, müssen Transparenz sichern, müßten also einer Beweispflicht unterliegen.
Scoring mal anders, wer seine Berechnungen nicht anhand der 4 Grundrechenarten auf einen Blick (auf einer Seite) beweisen kann, sollte geloost haben.

Dazu noch, Verträge die ich nicht verstehe, unterschreibe ich auch nicht, schon garnicht wenns um Geld mit angeblicher Vermögensbildung geht.

Frank3

01.05.2013, 09:06 Uhr

MACH ist DOCH SELBE WIE GESTZGEBER . dein QUATSCH HAST NOCH MAL ZU ÜBERDENKEN .

Frank Frädrich

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