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24.04.2013

15:12 Uhr

Kleinleins Klartext

Die Mär von der betrieblichen Altersvorsorge

VonAxel Kleinlein

Im Wahlkampf feiern die Parteien die betriebliche Altersvorsorge als Wunderlösung für die Rentenlücke. Das Unwissen der Politik ist aber erschreckend. Warum die wenigsten Policen beim Arbeitgeber etwas taugen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Jetzt sind die Parteien gefordert, ihre Politikkonzepte für die Bundestagswahl vorzulegen. Noch ist nicht klar, welches die zentralen Themen des Wahlkampfs sein werden. Die Diskussion um die „Lebensleistungsrente“ lässt aber vermuten, dass die Altersvorsorge gute Chancen hat, ein zentrales Wahlkampfthema zu werden.

Die Konzepte, mit denen die Parteien ins Rennen gehen, sind dabei sehr unterschiedlich. Das Thema, das viele Politiker über die Parteigrenzen hinweg, eint, ist, dass eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) erfolgen, soll. Dabei fehlt zuweilen eine nüchterne Bewertung der bAV.

Die betriebliche Altersvorsorge wird zum Teil geradezu als Wunderlösung angesehen. So kann man etwa bei einer großen Volkspartei lesen, dass die betriebliche Altersvorsorge, „die beste Form der privaten und zugleich kollektiven Altersversorgung“ sei. Es scheint also so zu sein, dass bei der betrieblichen Vorsorge zwar privat angespart wird, dann aber (anders als bei der normalen privaten Altersvorsorge) auch stets ein zusätzliches „kollektives“ Element hinzutritt, das allein aus der bAV herrührt.

Aus versicherungsmathematischer Sicht ist es möglich, ein solches „kollektives“ Element in die Kalkulation einzubeziehen und die Angebote dadurch günstiger zu machen. Das geht etwa dadurch, dass die Kalkulationsannahmen eine niedrigere Lebenserwartung unterstellen als bei einem privaten nicht-bAV-Vertrag. Für diese niedrigeren Lebenserwartungen gibt es auch gesonderte Sterbetafeln, die so genannten „Heubeck-Tafeln“. Wenn es darum geht, die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter bilanziell zu bewerten, dann müssen sogar diese Tafeln angesetzt werden.

Es gibt aber nur sehr wenige Anbieter, die mit diesen günstigeren Sterbetafeln kalkulieren. Normalerweise rechnen die Aktuare die Angebote der betrieblichen Altersvorsorge genau nach den gleichen Tafeln wie sonst auch die privaten Angebote. Von einer Verbesserung der bAV aufgrund eines „kollektiven Elements“ ist hier also keine Spur.

Und auch die oft beschworenen Kostenvorteile sind (wenn überhaupt) auch nur sehr schwach ausgeprägt und dementsprechend schwach eingepreist. Weil es aber immer sehr schwer ist, verschiedene Angebote zu vergleichen, merkt das kaum jemand. Da kann es dann schon vorkommen, dass eine Gewerkschaft ein bestimmtes Angebot besonders gut findet und ihren Mitgliedern einen Abschluss nahelegt, obgleich das Angebot eigentlich genau das gleiche ist, das es auch für Privatpersonen gibt.

Kommentare (26)

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NixMitRente

24.04.2013, 15:20 Uhr

Die Renten sind unsicher - egal woher sie kommen !
Dafür hat das Volk via verlogenen Politikern gesorgt.
Den eigenen Ast ansägen auf dem man sitzt - intelligent humans, still sleeping....

Pendler

24.04.2013, 15:23 Uhr

@Zitat der SPD
Ich schmeiß mich weg - das hat mir wirklich den Tag gerettet. Es ist ja kaum zu glauben, dass solche Schwachsinnigen Aussagen den offiziellen Parteiseiten zu entnehmen sind - man könnte ja fast denken die Piraten hätten die SPD Seiten gekapert und da ein paar falsche Texte hinterlassen ;-)

ZVKundbAV

24.04.2013, 15:46 Uhr

wenn sich die Herren der SPD und die übrigen Parteien auch mit den Themen Arbeitgeberwechsel, Portierung von Verträgen, Verträglichkeit mit dem ZVK/VBL-System und den engen Tarifverträgen bei der betrieblichen Altersvorsorge beschäftigen würden wäre ein immenser Kosten- und Ärgerblock für die Arbeitnehmer weg. Hier liegt die grösste Schwäche des Problems betriebliche Altersvorsorge aus meiner Sicht.

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