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03.07.2013

13:22 Uhr

Kleinleins Klartext

Die Rente für Geringverdiener bringt nichts

VonAxel Kleinlein

Der beste Weg für eine vernünftige Altersvorsorge ist, für höhere Löhne zu sorgen. Eine Rente für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen belastet am Ende nur den Steuerzahler.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Da haben sich die Politiker mal wieder ins Zeug gelegt: In der letzten Debatte vor der Sommerpause war die Rentenpolitik das Thema. Dabei lässt sich ein neuer Trend ausmachen. Für fleißige Geringverdiener sollen Lösungen gefunden werden!

Da wird dann eine „Sonderrente“ in Aussicht gestellt. Das Prinzip ist stets dasselbe, egal von welcher Partei die Idee herrührt: Geringverdienern, die lange Zeit in die gesetzliche Rente eingezahlt haben soll die Rente später etwas aufgestockt werden. Dann könnte zumindest etwas mehr rauskommen als in der Grundsicherung.

Das klingt ganz nett, und fast glaubt man schon, dass hier eine Lösung gefunden wäre! Schaut man sich aber die Realität genauer an, dann wird es sehr für die Betroffenen. Sie haben wenig Chance auf eine vernünftige Rente. Und bitter wird es auch für den Steuerzahler, der gleich vier Mal zur Kasse gebeten wird.

Nehmen wir zum Beispiel einen jungen Mann, Anfang 30, der nach einem missglückten Versuch als selbstständiger Versicherungsvermittler sein Glück als Angestellter sucht. Er ist Einzelhandelskaufmann und hat sich nun erfolgreich umgesehen. Eine größere Videothekenfirma bietet ihm einen Job an: 40 Stunden in einer Festanstellung. Das Gehalt ist jedoch mager: 870 Euro. Brutto. Da bleiben dann nur etwa 700 Euro netto übrig.

Zieht man davon noch die Miete mit Nebenkosten ab sowie Zusatzaufwendungen für den Job, dann bleiben ihm gerade mal knapp 300 Euro übrig. Das ist zu wenig. Deshalb gibt’s dann Geld vom Amt oben drauf als sogenannter „Hartz IV-Aufstocker“. Von denen gibt es schon über eine Million. Für das Aufstocken darf der Steuerzahler das erste Mal in die Tasche greifen.

In die gesetzliche Rente fließen aus der Anstellung monatlich gut 80 Euro. Das bringt ihm über das ganze Jahr etwa einen Drittel-Rentenpunkt. Würde er brav bis 67 diesen Job machen, dann hätte er nach den 37 Jahren etwa 12 Rentenpunkte angesammelt. Wenn er in Westdeutschland lebt, bringt ihm jeder Rentenpunkt sogar 28,70 Euro.

Insgesamt erwirbt er also Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rente von knapp 350 Euro. Zusammen mit dem, was er in der Ausbildung und bis zur Selbständigkeit erworben hat, kommt er dann auf etwa 410 Euro. Zu wenig, um die Grundsicherung zu erzielen.

 

Kommentare (22)

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Problemanalysator

03.07.2013, 13:32 Uhr

Wie sorgt man für höhere Löhne? ---> Durch geringere Zuwanderung. Zuwanderung ist staatlich gelenktes Lohndumping. Dort fängt das Problem an.

AxelSiegler

03.07.2013, 13:49 Uhr

VOLLKOMMENER SCHWACHSINN! Das Problem ist doch nicht die geringe Rente für Geringverdiener - sondern die Grundsicherung für parasitäre Nichtsverdiener! Mit diesen 4fachen Zuschuss hat der Beispielbürger doch nicht den geringsten Anreiz, sich weiterzubilden, um einen besser bezahlten Job zu kriegen ... hirnlose Job sind nicht unterbezahlt - es gibt nur zu viele bequeme Leute!

Problemanalysator

03.07.2013, 14:09 Uhr

Um Gottes Willen! Warum sollten sich bereits hochqualifizierte Fachkräfte (noch mehr) weiterbilden, nur damit sie um einen Spottpreis mehr verdienen als die Grundsicherung? Fragen Sie einmal nach was ein hochqualifizierter Leiharbeiter verdient: Einen Sch******* Vorallem wenn man die Spesen berücksichtigt. Deutschland ist das Armenhaus Europas. Unzureichende Löhne für bestens ausgebildete Fachkräfte reichen nicht um GESUND zu leben. In allen Südländern der EU liegt der Besitz an Eigenheimen um die 80 Prozent. Deutschlands Arbeitssklaven können vom eigenen Wohnheim nur träumen. Übrigens; Axel: Die Drecksarbeit machst Du Dir bitte selbst.

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