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19.06.2013

10:02 Uhr

Kleinleins Klartext

Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge

VonAxel Kleinlein

Kleine Unternehmen haben keine Lobby. Jetzt möchte ihnen die Politik auch noch mehr betriebliche Altersvorsorge aufhalsen. Dann dürfte es einige Probleme geben - für Mitarbeiter wie auch für Führungskräfte.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Betriebswirte wissen was KMUs sind. Es handelt sich um sogenannte „Kleine und Mittlere Unternehmen“, also um genau die Unternehmen, die zu klein sind um eine große Lobby zu haben. Es sind aber auch die Unternehmen, die in Wahlkampfzeiten als „Mitte der Gesellschaft“ bezeichnet werden.

Sie gelten als die wichtigsten Arbeitgeber, ohne die Deutschland wirtschaftlich im Abseits steht. Aus Sicht der Politik sind sie wichtig, weil sie zu klein sind, um sich vor dem Zahlen der Steuern drücken zu können, wie viele ganz große Unternehmen.

Die Politik hofft aber auf das Engagement der KMUs in Sachen Altersvorsorge. Denn sie sollen nach Plänen der einen oder anderen Partei zukünftig auch stärker die betriebliche Altersvorsorge (bAV) stärken. Wie es der Name schon sagt, wird diese „zweite Säule der Altersvorsorge“ in den Arbeitsbetrieben praktiziert.

Der Arbeitgeber ist dabei Dreh- und Angelpunkt: Er entscheidet welche Art der betrieblichen Altersvorsorge praktiziert werden soll, er entscheidet auch, welche Tarife den Mitarbeitern offen stehen sollen. Auch für diese Entscheidungen muss der Arbeitgeber gerade stehen. Zudem ist er sogar gesetzlich verpflichtet, eine betriebliche Altersvorsorge für seine Mitarbeiter vorzuhalten.

Größere Unternehmen können dabei die verschiedensten Möglichkeiten der bAV nutzen: Pensionsfonds, Unterstützungskasse, Pensionskasse (reguliert oder dereguliert), Direktzusage oder Direktversicherung stehen zur Auswahl. Für KMUs ist das schon schwieriger, denn die Umsetzung der meisten dieser Lösungen ist aufwändig und kompliziert. Vernünftig umsetzen lässt sich meist nur eine Direktversicherung.

So eine Direktversicherung sieht auch erst einmal recht einfach aus. Es handelt sich um einen Vertrag, der sich nur gering von einem „normalen“ Versicherungsvertrag unterscheidet. Einziger Unterschied: Der Arbeitgeber ist der Versicherungsnehmer. Und als Versicherungsnehmer hat er die Entscheidung zu fällen, welchen Tarif er denn wählt. Und da kann er massive Fehler machen!

Kommentare (12)

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schmiergeld

19.06.2013, 10:21 Uhr

ich habe in meiner aktiven zeit jeglich anfrage in sachen betriedblicher altersvorsorge verhindert ,da einer meiner kumpels bei ner versicherung im risk management arbeitete und mir davon nicht nur abgeraten hat sondern das produkt als verarsche abtat mit unabsehbaren folgen

er meinte ohne provisionsrückflüße wäre da produkt unverkäuflich

na ,wie wird er das wohl gemeint haben

Komisch

19.06.2013, 11:48 Uhr

"Außerdem gibt es keinerlei Überschussbeteiligung, weil es sich um einen britischen Vertrag handelt."
Es heisst anders, aber ingesondere wird bei vielen britischen Produkten das "Durchhalten" beloht, die (mal wieder) pauschale verunglimpfung aller britischen Produkte? Hier wäre die Nennung von Ross und Reiter wünschenswert, vermutlich handelt es sich um ein Vertrag bei der Standard Life? Name des Produktes? (mit klingt wie Deo oder Drink lässt sich viel spekulieren...) Auch dürfen die Briten zu 100% in Aktien investieren - müssen sie aber nicht, somit etwas dreist gleich die gesamte Vertragsentwicklung in Frage zu stellen, die Kosten (meist nur in den ersten 4-5 Jahren verteilt) bleiben ebenfalls nur pauschal kritisiert, schade.

muunoy

19.06.2013, 12:01 Uhr

Noch eine Anmerkung: Die leider bei unseren Politikern vorhandene Gutmenschendenke führt immer zu der Maxime, dass der Bürger nicht selbst für sich Verantwortung übernehmen kann. Alles muss von anderen vorgegeben und gesteuert werden. Und dies am besten von Beamten des Staates. Auch ich hatte als Angestellter zwei Direktversicherungen (wegen der Steuervorteile). Beim Start in die Selbständigkeit wollte ich die Versicherungen aufgrund damals noch guter Konditionen (heute ist von solchen Produkten abzuraten) als private Rentenversicherungen weiter laufen lassen. Es war ein ganz schöner Akt, überhaupt an die Versicherungspolicen ran zu kommen. Obwohl die Prämienzahlungen ausschließlich aus meinem Gehalt als Angestellter erfolgten, hatte ich den Eindruck, dass mir dieses Geld gar nicht gehört. Nun denn, inzwischen habe ich die Policen, sie laufen auf meinem Namen, werden aber steuerlich nicht mehr gefördert (habe auch Kapitalwahlrecht). Interessant wird die Besteuerung, wenn es im Alter an die Auszahlung geht. Wie auch die staatliche Rente, werden wohl auch diese Produkte doppelt besteuert.
Der Staat sollte endlich von seiner Gutmenschendenke abdrücken und die Altersvorsorge dem Bürger überlassen. Beamte haben aufgrund exzessiver Pensionszusagen sowieso keine Ahnung von Geld und jede Altersvorsorge, auf die der Staat die Finger hält, trägt halt das Risiko der zukünftigen Enteignung. Klar, als Selbständiger habe ich inzwischen auch ein Rürup-Produkt, welches sich auch nur event. lohnt, weil ich den Spitzensteuersatz zahle. Aber auch das kann nur eine kleine Säule der privaten Altersvorsorge sein. Dem Staat ist nämlich nicht zu trauen. Wäre ihm wirklich am Wohl seiner Bürger interessiert, würde er einfach einen gewissen Betrag des Gehalts unversteuert lassen und die Bürger auffordern, mit diesem Betrag selbst vorzusorgen. Oder die Erträge von Altersvorsorgeprodukten werden im Alter generell steuerfrei gestellt.

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