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04.09.2013

14:20 Uhr

Kleinleins Klartext

Die Verwirrung der Lebensversicherer

VonAxel Kleinlein

Die Branche verunsichert ihre Kunden mit absurden Aussagen zur wirtschaftlichen Lage. Das Paradox ist offensichtlich. Angeblich gehe es den Lebensversicherern so prächtig, dass die Aufsichtsbehörde helfen soll.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Was halten Sie davon, wenn Sie einen guten Bekannten fragen, wie es ihm geht und er sagt: „Mir geht es prächtig, deshalb bin ich erst mal für drei Monate krankgeschrieben, danach geht’s zum Iron-Man nach Hawaii und dann zur Reha.“

Verwirrend? Und was würden Sie dazu sagen, wenn Sie sein Arbeitgeber wären? Wahrscheinlich würden Sie ihn hochkant rauswerfen. Denn möchten Sie Geld für jemanden zahlen, der auf Ihre Kosten jammert, dem es aber recht gut geht?

Wenn Sie der Kunde einer Lebensversicherung sind, dann stehen Sie genau vor diesem Problem: Sie zahlen der Versicherung Geld, die erklärt Ihnen dann, dass Sie weniger Überschüsse bekommen sollen, weil es ihr „Ach so schlecht geht“ und dann pumpt das Unternehmen die Sicherheitspuffer auf, weil sie eigentlich keine Probleme hat. Das glauben Sie mir nicht? Dann wagen wir mal einen Blick in die aktuelle Diskussion.

Letzte Woche kam die Süddeutsche Zeitung mit einem großen Artikel und erklärte, dass zehn Versicherer bei der Aufsichtsbehörde beantragt hätten, den üblichen Überschussdeal mit den Kunden aufzukündigen. Die Unternehmen würden dies damit begründen, dass es ihnen derzeit so schlecht gehen würde.

Das Handelsblatt wiederum berichtete weniger später, dass die Anträge zurückgenommen worden wären. In einer ersten Stellungnahme erklärt der Lobbyverband GDV dann, dass derartige Anträge richtig seien, um „Scheingewinne“ nicht auszahlen zu müssen. Dieses Statement löschten die Lobbyisten aber flugs und erklärten das Gerede um die Anträge zur „Ente“.

Die vom GDV behauptete „Ente“ ist aber selbst eine „Ente“. Denn das Finanzministerium bestätigte am Montag, dass zumindest der Protektor einen solchen Antrag gestellt habe. Dabei seien derartige Anträge aber nach Ansicht der Aufsichtsbehörde „für sich allein genommen noch gar kein Alarmsignal“. Also alles kein Problem? Für die Kunden, die jetzt weniger Überschüsse bekommen sollen, ist das schon schmerzhaft. Zumal die Überschussbeteiligung branchenweit auch ohne zusätzliche Kürzungen zu sehr bescheidenen Ablaufleistungen führen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.09.2013, 13:50 Uhr

Die Versicherer predigen auch, was der Deutsche angeblich so alles an Versicherungen braucht.

Ich brauche weder fremde Geldanleger mit höchst dubiosen Zukunftsrediteversprechen, noch Assekuranzen die beim ersten Gegenwind nicht zahlen wollen.

Schon gar nicht deren Strukturvertrieb, der eher an Mafia denn Beratung erinnert.

MBoudik

05.09.2013, 19:05 Uhr

Welch ein Widerspruch:

Die Versorgungswerke der freien Berufe sagen, alles ok.

Die Lebensversicherer sagen: Umfeld schlecht, weniger Geld für unsere Kunden.

Wer lügt? Wer macht etwas besser?

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