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28.08.2013

14:39 Uhr

Kleinleins Klartext

Ein Nachruf auf die Lebensversicherung

VonAxel Kleinlein

Nicht nur Kunden verlieren den Glauben an das Sparprodukt, sondern auch die Verbände und Gesellschaften, die keine fairen Überschüsse mehr anrechnen möchten. Wir gedenken der Deutschen Lebensversicherung.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Abschiede fallen stets schwer, besonders wenn man sich aneinander gewöhnt hat, wenn man lange Zeit, gar schon ein Leben lang miteinander verbracht hat. So ging es mir stets mit dem Glauben an die Deutsche Lebensversicherung. Es erfüllt mich mit Trauer zu sehen, dass wir uns nun verabschieden sollen.

Zuweilen erkennt man eine enge Verbindung erst dann, wenn sie endet. So ist es auch jetzt mit dem Glauben an die Deutsche Lebensversicherung. Über viele Jahrzehnte konnten wir uns stets sicher sein, dass zumindest die Versicherungsunternehmen selbst und auch die Versicherungslobby die Fahne der Lebensversicherung hoch halten. Dass die Manager in den Unternehmen und die Einflüsterer an der Seite der Politik stets ein klares Bekenntnis hatten, das hieß: „Ja, wir glauben an das System der Deutschen Lebensversicherung“.

Aber die Fahnen flattern nicht mehr stolz im Wind, die Fahnen stehen auf halbmast. Sie zeigen uns, dass selbst Versicherer und Lobbyisten den Glauben an die Deutsche Lebensversicherung verloren haben.

Was ist geschehen? Neben allen Streitereien gab es eine klare Vereinbarung zwischen den Versicherern und ihren Kunden: Die Versicherer garantieren den Kunden nur wenig, um dann über die Überschussbeteiligung einen fairen Ausgleich zu schaffen.

Die Tarife wurden stets so übervorsichtig kalkuliert, dass aus allen drei Gewinnquellen saftige Überschüsse zu erwarten waren: Die Versicherer setzten einen so niedrigen Kalkulationszins an, dass sie sicher waren, diesen stets zu übertreffen und Zinsüberschüsse zu erwirtschaften. Die Versicherer setzten je nach Risiko solche Sterblichkeiten an, dass sie sicher waren, dass bei Risikotarifen in Wirklichkeit weniger Kunden sterben und bei Rententarifen erheblich mehr Kunden sterben. So waren sich die Versicherer stetiger Risikogewinne sicher. Und sie setzten Kosten an, die auch die tatsächlichen Kosten übersteigen sollen, sodass stets Kostenüberschüsse zu erwarten waren.

Glaubenskern der Deutschen Lebensversicherung war stets, dass die Kunden fair an diesen Überschüssen beteiligt werden sollten.

Kommentare (20)

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Mazi

28.08.2013, 15:46 Uhr

Gewiss haben die Versicherer Fehler gemacht, aber die sind erst richtig offen geworden, als die EZB den Zins gegen Null gestellt hat.

Mit und ohne eigene Probleme ist eine derartige Zentralbankpolitik der Tod jeder Vorsorge.

Wenn die EZB Griechenland, Portugal, Italien, ... mit dem Sparkapital der Deutschen retten will, wird sie im Umkehrschluss auch später die deutschen Rentner retten? Schließlich enteignet sie derzeit diese.

Die deutschen Politiker sind gefordert etwas dagegen zu unternehmen.

Titus_Livius

28.08.2013, 15:48 Uhr

Im Prinzip sollte Herr Kleinlein die Bestimmungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes kennen. Insbesondere die Verpflichtung aus §11 VAG, daß Lebensversicherer AUF DAUER seinen vereinbarten Verpflichtungen nachkommen muß, und diese in der Regel aus den Prämienzahlungen zu bestreiten sind. Das Gesetz also nur eine Ausnahme für fremde Kapitalmittelzufuhr vorsieht.

Nun möge mir bitte Herr Kleinlein einmal erklären, wo er seine Erkenntnisse hat, daß die Niedrigzinsphase nicht 23 Jahre, wie beispielsweise in Japan dauert... .

Im Gegenteil, geht Herr Kelinlein doch von Spekulationen über eine kurze Niedrigzinsphase aus. Aber tuen Sie es WISSEN Herr Kleinlein???

Made

28.08.2013, 16:06 Uhr

Ach Herr Kleinlein,

dass Sie trauern, ist nachvollziehbar. Auch wenn Sie sich als ihr schärfster Kritiker aufspielen - der Lebensversicherung haben Sie doch Ihre ganze berufliche Vita zu verdanken. Und auch als Berufskritiker lässt es sich doch wie die Made im Speck ganz gut leben, gell?

Wie viel bekommen Sie eigentlich für Ihre wöchentlichen Anekdoten hier?

Aber, etwas Entscheidendes fehlt mal wieder. Dass die deutsche Lebensversicherung die Ausgeburt des Teufels ist wissen wir dank Ihnen ja inzwischen. Aber was soll Lieschen Müller(die ja nun weder Profi- noch Hobby-Banker ist), denn sinnvollerweise alternativ tun?

SCHWEIGEN IM WALDE!

P.S. Sie brauchen nicht zu stark trauern, Herr Kleinlein. Die Lebensversicherung wird Ihnen als Cash-cow noch etwas erhalten bleiben....

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