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10.04.2013

10:34 Uhr

Kleinleins Klartext

Eine Lanze für die Vermittler!

VonAxel Kleinlein

Verbraucherschützer und Versicherungsvermittler streiten wie die Kesselflicker. Schluss damit! Beide Seiten haben gemeinsame Interessen. Ein offener Brief von einem Verbraucherschützer.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Liebe Vermittler,

Sie fühlen sich vom Verbraucherschutz oft missverstanden. Sie beklagen zuweilen, dass die Verbraucherschützer Sie diskreditieren oder gar garstig in den Schmutz ziehen. Dann verweisen Sie zum Beispiel auf das „Finanzhai“-Video von Herrn Nauhauser, den ich gut kenne und sehr schätze. Oder Sie ziehen Ausführungen von der Verbraucherzentrale Hamburg heran, in denen sich Frau Castello, die ich auch außerordentlich schätze, bitterlich über die Vermittler beklagt.

Ich kann es deshalb nicht verdenken, dass ich z. B. auf Vermittlerkongressen nicht mit Klatschen, sondern häufig mit Missbilligung begrüßt werde oder sogar erst einmal Buhrufe zu hören bekomme.

Es ist aber dringend an der Zeit, dass wir – Verbraucherschützer und Vermittler – uns etwas besser zuhören und versuchen, den anderen zu verstehen. Denn solange wir uns bitter bekriegen, stehen zumindest die Versicherungsunternehmen als Gewinner fest und auf der anderen Seite gehören zu den Verlierern auf jeden Fall die Verbraucher.

Natürlich gibt es nicht „den Vermittler“. Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied, ob ein hochqualifizierter Makler, der seit Jahrzehnten erfolgreich im Geschäft ist, seine Policen verkauft oder aber ob ein Nebenerwerbsvermittler mal im Kegelverein einen Riester-Vertrag platzieren möchte.

Was alle Vermittler aber eint, ist die Aufgabe Versicherungsverträge zu vermitteln. Und das Geschäftsmodell des Vermittlers sieht es nun einmal vor, dass dann auch tatsächlich Verträge geschlossen werden, denn auch ein Vermittler will und soll von seiner Arbeit leben können. Er muss deshalb darauf vertrauen, dass die Produkte der Versicherer gut genug sind, damit ein Vermittler sie auch guten Gewissens verkaufen kann.

Bei den Verbraucherschützern gibt es ebenso große Unterschiede: Wer zum Beispiel in einer Verbraucherzentrale neben Versicherungen und Altersvorsorge auch zu vielen anderen Finanzprodukte berät, hat ein anderes Profil als jemand, der sich überwiegend mit Verbraucherpolitik beschäftigt. Was alle Verbraucherschützer aber eint, ist die Aufgabe, mit besonders kritischem Blick die Versicherungsangebote zu analysieren.

Auch ist es ihre Aufgabe immer die Finger in die Wunden zu legen, wenn Missstände vorliegen. Damit die Verbraucherschützer auch Gehör finden, bedarf es oft einfacher, klarer und medienwirksamer Botschaften. Leise Töne, die es auch gibt, gehen leider meist unter. Deshalb muss man versuchen, sich zum Beispiel mit einem plakativen Video die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Das ist schon genug Arbeit für die Verbraucherschützer, zumal es nur wenige gibt. So ist es auch nicht die Aufgabe der Verbraucherschützer, bessere Alternativangebote zu entwickeln. Dies ist Aufgabe der Versicherungsunternehmen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

10.04.2013, 12:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Kleinlein,

wunderbar, endlich ein Verbraucherschützer, der es auf den Punkt bringt. Die meisten der ca. 37.000 Makler in Deutschland arbeiten auf sehr hohem Niveau, ansonsten könnten sie im Markt nicht bestehen. Das Problem sind die 250.000 Struki´s und Einfirmenvertreter.

Leider kennen die meisten Verbraucher nicht den Unterschied zwischen einem Makler, Einfirmenvertreter oder Finanzberater auf Honorarbasis, hier sollten Sie mehr Aufklärungsarbeit leisten.

Wenn mehr Verbraucher zum Makler gingen oder sich auf Honorarbasis beraten ließen, hätten wir nicht jedes Jahr 30 Milliarden Schäden durch Falschberatung.

Freundliche grüße
Peter Hieber

MarioG

10.04.2013, 15:11 Uhr

Sehr geehrter Herr Kleinlein,

vielen Dank für die versöhnlichen Worte. Allerdings muss ich Teilen ihrer Ansicht entgegentreten. Denn einfache, plakative Äußerungen seitens der Verbraucherschützer sind nicht förderlich. Es sind genau die Zwischentöne auf die es ankommt.

Denn nicht zuletzt aufgrund dieser allgemeinen, vereinfachten und plakativen Vorwürfe der Verbraucherschützer werden die Kunden inzwischen mit einen Wust an Bürokratie überzogen, der kaum mehr Herr zu werden ist. Und den Kunden nützt diese ohnehin nicht. Folge dieser Vereinfachung ist, dass Politiker sich im Rampenlicht sonnen, indem sie vermeintliche Verbraucherschutzgesetze auf den Weg bringen, die dem Kunden eher schädlich sind.

Und ich widerspreche auch Herrn Hieber ganz deutlich, dass die Makler allesamt frei von Beanstandungen sind. Es gibt unter den Auschließlichkeitsvertretern viele, die eine gute Arbeit machen. Es gibt unter Maklern viele, die eher auf den eigenen finanziellen Vorteil hinarbeiten und dazu ihre besondere Stellung ggü. dem Kunden sogar ausnutzen.

Alle, die sich wirklich um das Wohl der Verbraucher bemühen, sollten an einem Strang ziehen. Dazu bedarf es aber einer Kooperation zw. Verbraucherschützern und den Vermittlern, die tatsächlich eine gute Arbeit machen. Denn nur dann hat der Kunde eine Chance gute von schlechten Beratern zu unterscheiden. Die Unterscheidung ist heute schwieriger denn je. Denn die Arbeitsweisen ähneln sich aufgrund rechtlicher Vorgaben inzwischen stark. Unterschiede müssten deutlicher werden für den Kunden.

Und wenn gute Vermittler und Verbraucher enger zusammenarbeiten würden, wäre der Einfluss auf die Produktgestaltung viel nachhaltiger.

Zudem gibt es auch im Verbraucherschutz inzwischen intransparente Graubereiche. Auf der einen Seite nimmt man Partei für die Verbraucher, auf der anderen Seite versucht man sich Beratungsgeschäft zu sichern. Dieser Konflikt ist unbedingt aufzulösen.

Mario Gerull
Dipl.-Volkswirt (Univ.)

AntonSteffen

11.04.2013, 08:18 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

mich verwundert es immer wieder, dass Makler sich scheinbar immer wieder von den Versicherern um den Daumen wickeln lassen.

Die Versicherer haben keinerlei Interesse an der Förderung der Honorarberatung bzw. an "Netto-Produkten", aus nachvollziehbaren Gründen.

Nur wer als Makler den nächsten Schritt hin zur Beratung für Leistung wird auch noch in zehn Jahren fest im Sattel sitzen.

Darüber hinaus möchte ich darauf hinweisen, dass in Bezug auf "MEG" leider stets ausser Acht gelassen wird, dass Herr Göker die Versicherer nicht zu den Provisionsexzessen gezwungen hat, sie taten es gern, sie taten es freiwillig. Jedoch mag das heute niemand mehr sagen.

Ich kann das Unverständnis seitens Mehmet E. Göker verstehen... er hat lediglich verkauft.

Immer wieder schaffen es die Versicherer, die Scheinwerfer von sich fern zu halten.

Freunldiche Grüße

Anton Steffen
(nasicha@gmx.de)

Ps: Herr Kleinlein, Ihre Ansätze sind gut!

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