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10.07.2013

13:36 Uhr

Kleinleins Klartext

Honorarberatung ist kein Allheilmittel

VonAxel Kleinlein

Provisionszahlungen für Versicherungsvermittler sind ein Dauerstreitthema. Geht es nach Politikern und Verbraucherschützern, würde die Umstellung auf Beratungshonorare das Thema lösen. Doch so einfach ist es nicht.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Wir haben einige Probleme mit den Provisionen und Abschlusskosten. Das heißt Probleme mit dem Geld, das ein Kunde als Dankeschön dafür bezahlt, dass er einen Vertrag mit einem Versicherungsunternehmen abschließen darf – und dafür, dass er eine Beratung bekommen hat, wenn denn eine Beratung stattgefunden hat. Die Probleme dabei sind vielfältig.

Es gibt Vermittler, die haben nicht das Kundenwohl im Auge, sondern hauptsächlich die Provisionszahlung. Manche Vermittler vermitteln auch dann Verträge an Kunden, wenn diese den Vertrag gar nicht brauchen. Und es gibt Vermittler, deren Beratung nicht das Geld wert ist, denn sie sind nicht besonders gut qualifiziert.

In den Augen einiger Politiker und mancher Verbraucherschützer gibt es auf all diese Auswüchse der Versicherungsvermittlung ein Allheilmittel. Das Honorar! Gäbe es keine Provision mehr und würde die Vergütung stets als Honorar gezahlt, dann wäre die Welt gereinigt von all diesen Auswüchsen.

Wie bei jeder einfachen Lösung wäre es schön, wenn es wirklich so einfach wäre. Denn das Honorar ist bei weitem nicht so honorig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Zum Beispiel gibt es da das Problem zwischen Provision und Abschlusskosten.

Auf den ersten Blick scheint durch das Honorar alles einfacher und transparenter zu werden. Statt einer Provision, die der Vermittler vom Versicherer bekommt, bekommt er eben jetzt ein Honorar vom Kunden. Die Höhe dieses Honorars kennt der Kunde dann auch in Euro und Cent. Man könnte meinen, es wäre egal, ob der Kunde ein Honorar in Höhe der Provision direkt an den Vermittler zahlt oder aber ob der Vermittler die Provision vom Versicherer bekommt.

So einfach ist das aber nicht. Erst einmal muss der Versicherer mitspielen, sonst klappt das nicht. Wenn der Kunde das Honorar direkt zahlt, dann sollte sich ja auch die Kalkulation ändern und der Vertrag billiger werden. Der Versicherer sollte jetzt in seiner Kalkulation so tun, als ob gar keine Abschlusskosten durch den Vermittler anfallen. Der Versicherer kann einen solchen Tarif anbieten, muss es aber nicht.

Derartige Tarife haben einen besonderen Namen, sie heißen Nettotarife. Die Versicherer behaupten hier, dass genau die Kosten herausgerechnet seien, die durch den Vermittler anfallen. Ob das tatsächlich so ist, das ist schwer zu überprüfen. Schließlich können die Versicherer ja auch Abschlusskosten ansetzen, ohne dass eine Provision an den Vermittler geht. Das ist etwa bei Direktversicherern der Fall, die zwar ohne Vermittler arbeiten, aber durchaus schmerzliche Abschlusskosten erheben.

Kommentare (9)

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hermann.12

10.07.2013, 15:05 Uhr

Um angemessen Vergütung zu ermöglichen ist die Frage nach Honorar oder Provision völlig bedeutungslos. wenn wir im supermarkt einkaufen fragen wir auch nicht ob der händler ein Honorar oder Provision erhält und wie hoch der Aufschlag auf das Produkt ist. Und Honorare lassen sich ebenfalls als Abzockmodell nutzen und beinhalten auch noch das Risiko das der Berater für einen Abschluss gar nicht haftet. Da gibt es dann auch ein Risiko der Abweichung von der Theorie zur Wirklichkeit bei den Empfehlungen.

letztlich ist das Problem eines der Transparenz, nicht über die kosten, sondern über den Nutzen eines Vertrages. es gibt Versicherungen die sind mit einem bis 2% höherer Provision immer noch ertragreicher als manche ohne diesen Aufschlag. Deshalb führt die Vergütungsdiskussion in die Irre. Staatliche Aufsicht hat das Problem in den letzten Jahren eher verschärft denn verringert, da der Staat primär Steuern und Haftungsfreiheit und Beschäftigungsstabilität fördert, denn Produkttransparenz und vernünftige Konkurrenz. Das geht letztlich alles zu Lasten des Verbrauchers, weil es Kosten erhöht, Transparenz vermeidet und echten Wettbewerb verhindert.

H.

CHBln

10.07.2013, 16:51 Uhr

Interessant ist doch auch wie sich die Honorarberatung in Bezug auf Schadenfälle verhält. Angenommen ein Kunde mit einer Hausratversicherung meldet einen Versicherungsschaden; dann soll der Kunde für die Aufnahme und Bearbeitung des Schadens durch die Versicherungsagentur ein Entgelt bezahlen?
Wie soll sich soetwas realisieren lassen? Das wird dazu führen, dass Kunden nicht den Schaden bei der Versicherunsgagentur melden sondern direkt bei der Versicherunsgesellschaft. Die haben doch heutzutage überhaupt nicht mehr die Kapazitäten um so einen Ansturm zu bewältigen. Daraufhin müssten diese mehr Leute beaschäftigen, was Kosten verursacht und die Prämien steigen lässt.

Soplaris

10.07.2013, 18:54 Uhr

Eine Freundin war kürzlich mit ihrer sieben Jahre alten Rentenversicherung (Hybridprodukt, also einerseits garantierte Ablaufleistung mit aus heutiger Sicht gutem Garantiezins und andererseits Fondssparplan) beim "Verbraucherschutz", natürlich gegen Honorar. Empfehlung: Kündigen, weil solche Produkte furchtbar teuer sind. Kein Wort dazu, dass der Großteil der Kosten bereits gezahlt wurde, die Kündigung unter diesem Aspekt also sinnfrei ist. Auf die explizite Nachfrage, welches Altersvorsorgeprodukt denn besser geeignet sei, gab es keine Antwort außer "Das wird schwierig". Mein Vorschlag: Verbraucherschützer sollten genauso haften wie Vermittler. Und selbstverständlich keine Kündigungsempfehlung ohne Nennung einer besseren Alternative aussprechen. Dann wird vielen die Lust an ihrem vorlauten Produkt-Bashing ganz schnell vergehen.

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