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21.11.2012

13:20 Uhr

Kleinleins Klartext

Sparen Sie sich den Konsumverzicht!

VonAxel Kleinlein

Viele Versicherer glauben etwas Gutes zu tun. Sie drängen die Bürger, auf viele schöne Dinge verzichten, um für das Alter zu sparen. Doch was passiert, wenn die treuen Kunden bemerken, dass ihre Entsagung vergeblich war?

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Manchmal, wenn ich mich mit Vorständen von Lebensversicherern unterhalte, habe ich den Eindruck, ich hätte es mit selbsternannten Rettern unseres Sozialsystems zu tun. "Die Leute würden doch gar keine Altersvorsorge machen, wenn wir nicht unsere Vertriebe hätten!", höre ich da. "Besser die Geringverdiener riestern, als wenn sie gar nichts machen würden." Und ganz zentral ist der Begriff des "Konsumverzichts". "Man muss die erst mal dazu bringen Konsumverzicht zu leisten" – mit „die“ sind natürlich die Altersvorsorgeverweigerer gemeint.

Dabei wird stets ausgeblendet, was mit dem durch Verzicht frei gewordenen Geld passieren soll. Es ist meinen Gesprächspartnern in solchen Diskussionen meistens egal, ob eine Lebensversicherung, eine Riester-Rente oder ein Fondssparplan bespart wird. Hauptsache das Geld fließt zu einem Finanzdienstleister. Ob dieser dann gut mit dem Geld arbeitet, ist oft zweitrangig. Hauptsache es wird gespart. Streng nach der Devise (und schlecht gereimt):

Auch wenn die Zinsen fließen nicht,
das Ziel ist der Konsumverzicht.

Kleinleins Klartext: Der Teufelskreis der Altersvorsorge

Kleinleins Klartext

Der Teufelskreis der Altersvorsorge

Inflation beutelt die deutschen Sparer. Politik und Finanzdienstleister lassen die Anleger bei ihrer Altersvorsorge im Stich. In einem scheinbar endlosen Kreislauf bedienen sie sich an dem Vermögen der Bürger.

Woher dieser Wunsch zum unkontrollierten Sparen kommt, darüber kann man nur spekulieren. Zum einen könnte man die protestantische Ethik als eine der Urwurzeln des Sparwillens ansehen. Max Webers Auseinandersetzung mit der protestantischen Ethik und dem Kapitalismus ist hier ein erster Ansatz. Aus diesem Blickwinkel ist Konsumverzicht und Sparen gewissermaßen eine heilige Pflicht.

Zum anderen wäre es auch möglich, dass die Finanzdienstleister - mit den Versicherern an der Spitze - eine geschickte Propagandamaschinerie ins Rollen gebracht haben, um an die Spargelder heranzukommen. Die Monstranz des Konsumverzichts flankiert das Dogma der kapitalgedeckten Altersvorsorge ja aufs Allerbeste.

Kommentare (24)

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Rentenluege

21.11.2012, 13:34 Uhr

Ich frage mich bis heute, warum Besser- und Spitzenverdiener nicht in die gestezliche Rentenversicherung einbezahlen müssen.
Politiker, Beamte, Freiberufler, Juristen, Ärzte, Apotheker, Jorunalisten usw. zahlen keinen Cent in die gesetzliche Rente ein.
Das kann so nicht mehr länger sein.
Entweder eine Gesellschaft ist solidarisch und jeder zahlt unabhängig davon, ob freier Beruf oder angestellt ein, oder hier wird über kurz oder lang der große Knall kommen. Die private Vorsorge ist ein Konjunkturprogramm für die Versicherungsbranche und deren Makler, dazu noch ein inflationierter (T)euro, der die jahrelangen Ansparungen wieder pulverisiert.

Account gelöscht!

21.11.2012, 13:37 Uhr

Die Sache ist ganz einfach:

Deutsche Riester-Sparer leisten Konsumverzicht zu Gunsten griechischer Beamter und zu Gunsten von Herrn Kaiser, der sich über die Provisionen freut.

Leser

21.11.2012, 13:40 Uhr

Einerseits... Den Lebensabend kann man nur mit dem Geld bestreiten, das da ist, auch wenn es durch eine Negativrendite weniger Wert sein mag. Und wer sagt, dass so kommen MUSS? Zweitens hat die Rendite für Konsumgüter nur eine homöopathische Größenordnung, und drittens kann man Konsumerlebnisse leider nicht akkumulieren, um sie sich für das Rentenalter aufzuheben.

Andererseits... fürchte ich, dass eine prinzipielle Konsumenthaltung im Extremfall zu einer Rezession führen wird, da es einfach nichts mehr zu investieren gibt - es braucht ja niemand mehr als sein "täglich Brot". Das kann also auch nicht sinnvoll sein, und ob "die Alten" das alles wieder mit ihrem Bedarf an orthopädischen Strümpfen, Rollatoren und Mobiltelefonen mit extragroßen Tasten wieder rausreißen, weiss ich auch nicht.

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