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26.06.2013

12:09 Uhr

Kleinleins Klartext

Tod vor Erreichen der Rentabilitätsgrenze

VonAxel Kleinlein

Die Bundesländer verlangen mehr Verbraucherschutz bei Rentenprodukten: Eine "Rentabilitätsgrenze" soll klar machen, ab wann sich eine Lebensversicherung lohnt. Doch die Forderung der Länder verhallt bislang ungehört.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Mit den Zuständigkeiten für Verbraucherschutz ist das so eine Sache. Eigentlich gibt es mit Ilse Aigner ja eigens eine Bundesministerin, die sich um die Belange der Verbraucher kümmern soll. Zwar steht der Verbraucherschutz in der offiziellen Ministeriumsbezeichnung nach Ernährung und Landwirtschaft erst an dritter Stelle. Dennoch findet sich auf der Internetpräsenz des Ministeriums mit der Abkürzung „BMELV“ ausdrücklich „Finanzen & Versicherung“ als ein Schwerpunktthema.

Nur schade, dass dann Frau Aigner und das BMELV meist nur am Rande beteiligt werden, wenn es darum geht, den Verbraucherschutz bei Riester-Renten und Versicherungen zu diskutieren und zu entscheiden. Hier hat meist Wolfgang Schäuble mit dem Bundesfinanzministerium das Heft in der Hand. Die dortigen Mitarbeiter sind vermutlich klar besser aufgestellt, wenn es darum geht, diese Finanzprodukte zu verstehen. Aber ob sie die bessere Wahl sind, um auch Aspekte des Verbraucherschutzes zu verstehen?

Man könnte entgegenhalten, mit der Aufsichtsbehörde BaFin hätte Herr Schäuble den geballten Sachverstand des Verbraucherschutzes unter seinen eigenen Fittichen. Ist er doch auch der oberste Dienstherr der BaFin. Doch weit gefehlt! Denn die BaFin hat eben nur den „kollektiven Verbraucherschutz“ im Blick. Die Belange der einzelnen Verbraucher sind da eher nebensächlich und zuweilen sogar störend.

Je nach Thema werden zusätzlich auch weitere Bundesministerien herangezogen: Zum Beispiel das Arbeitsministerium bei  der betrieblichen Altersvorsorge geht oder etwa das Wirtschaftsministerium bei der Vermittlung der Versicherungsverträge. Für Verbraucher ist es aber frustrierend zu sehen, dass für den Verbraucherschutz hier eigentlich niemand in der Regierung wirklich umfassend verantwortlich zeichnet. Verbraucherschutz scheint in unserem Land bei den Politikern wenig willkommen zu sein, ein Thema mit dem man sich zwar irgendwie beschäftigen muss, mit dem sich aber niemand so richtig verantwortlich beschäftigen will.

Doch gibt es jenseits der Berliner Bundespolitik auch noch andere, die sich in der Exekutive mit dem Verbraucherschutz befassen: Die Verbraucherschutzminister und Verbraucherschutzsenatoren der Länder.

Und diese Verbraucherschutzminister können sehr rührig sein, indem sie etwa für Versicherungen mehr Verbraucherschutz einzufordern. Jüngst haben sich die 16 Verbraucherschutzminister in Bad Nauheim getroffen und mit der Frage der Transparenz bei Altersvorsorgeprodukten beschäftigt. Eines der Ergebnisse: Bei Rentenverträgen erhalten die Verbraucher zu wenig Informationen - auch bei den staatlich geförderten Riester-Angeboten.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

26.06.2013, 13:00 Uhr

Herr Keinlein,

müssen dann Bankprodukte eine Zinsangabe machen, bei der ein Abzug in Höhe einer fiktiven Lebensversicherung gemacht wurde? Macht kein Sinn, oder? Eine Renten/Lebensversicherung ist kein Produkt, dass durch eine einfache Rentabilitätsbetrachtung zu bewerten ist. Das ist Augenwischerei. 1.) leistet eine Rentenversicherung meist auch bei Tod, wenn entsprechender Schutz gewählt wurde. Diese Leistung darf man nicht vergessen und ist eine elementare Säule in der Familienfinanzplanung, meist bei Baufinanzierungen. 2.) Rentenversicherungen sind nur hälftig zu besteuern. Dagegen sind Zinsgewinne voll zu besteuern. 3.) Rentenversicherungen sind nachgelagert zu besteuern, also im Alter. Da sind meist hohe Freibeträge offen, während in der Erwerbszeit diese schon ausgeschöpft sind. Zinszahlungen der Banken sind aber in der Regel im gleichen Jahr zu besteuern. Also wenn man noch arbeitet und entsprechend eine hohe Steuerlast hat, gedeckelt immerhin auf 25%+Soli+Kist (Abgeltungssteuer).

Es ist wie immer: Seien sie doch einmal objektiv. Es hat ja niemand etwas an einer kritischen Auseinandersetzung mit diesem Produkt. Aber sie verkaufen immer Halbwahrheiten. Es gibt aber keine eierlegende Woll-Milch-Sau. Meiner Meinung nach wäre genau das, was der Verbraucherschutz den Kunden wirklich mitteilen müsste: Das Für und Wider. Und dann lasst doch den Kunden entscheiden. Diese ständige Verkomplizierung durch Protokolle und ganze Aktenberge an Formularen bringt alles nichts, wenn der Kunde nicht aufgeklärt ist. Im Gegenteil, er hilft der Bank- und Versicherungswirtschaft, schließlich kann man sich dann auf ein unterschriebenes Beratungsprotokoll berufen und die Schuld von sich weisen.

Account gelöscht!

26.06.2013, 13:02 Uhr

Ach so, noch etwas: Dieses Gerede über Rentabilitätsgrenze: Geschenkt! Aber dass Sie dann noch so dreist sind und die Garantieleistung dafür ranziehen wollen, ist mehr als unseriös.

Maikel

26.06.2013, 14:47 Uhr

Der beste, weil einfachste Verbraucherschutz bei der Altersvorsorge wäre eine ausreichende gesetzliche RV.
Erst deren Zusammenstutzen machte es für Otto Normalbürger zur Notwendigkeit, sich mit so komplexen Produkten wie Riester&Co auseinanderzusetzen.

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