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17.08.2013

14:27 Uhr

Kleinleins Klartext

Was Kunden über die neue Allianz-Rente wissen sollten

VonAxel Kleinlein

Die Allianz wirbt für eine neue Privatrente ohne den klassischen Garantiezins. Die Konstruktion des Produktes ist kompliziert. Wer sie durchschaut, entdeckt handfeste Nachteile für die Kunden.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Mit der neuen „Perspektive“ der Allianz habe ich mich schon mehrfach beschäftigt, etwa mit dem Garantiezins und auch der Intransparenz. Ein Vermittler hat mich daraufhin angeschrieben. Er beschwerte sich darüber, dass ich ja eigentlich nur sehr akademische Betrachtungen vornehmen würde. Den Kunden bräuchte meine Kritik an der „Perspektive“ daher gar nicht richtig zu interessieren. Schließlich gäbe es ja in der Ansparfrist eine um 0,3 Prozent höhere Verzinsung als beim klassischen Vertrag. Unterm Strich würde der Kunde durch die höheren Überschüsse mit der „Perspektive“ also doch besser abschneiden.

Klingt erst mal recht plausibel und vernünftig. Doch neben der neuartigen Form der Garantiverzinsung hat sich die Allianz bei der Perspektive ja noch einen weiteren Gimmick einfallen lassen: Zu Rentenbeginn werden alle Rechnungsgrundlagen neu festgelegt. Das heißt, die Allianz setzt dann den zu diesem Zeitpunkt bei ihr üblichen Rechnungszins an. Auch als Sterbetafel wählt sie genau die Tafel, die sie dann für richtig erachtet.

Die Allianz ändert ja des Öfteren diese Rechnungsgrundlagen – wie alle anderen Versicherer auch. Meist müssen das die Unternehmen auch tun, weil etwa der Gesetzgeber den Höchstrechnungszins senkt oder aber die Aufsichtsbehörde zusammen mit der Aktuarvereinigung neue Sterbetafeln empfiehlt. So änderte sich etwa der maximale Rechnungszins in den letzten 30 Jahren ganze sechs Mal, und alleine für Renten wurden im gleichen Zeitraum vier neue Sterbetafeln eingeführt.

Es ist also der Normalfall, dass ein Kunde zum Beispiel einen Rentenvertrag mit bestimmten Konditionen abschließt und zum Zeitpunkt des Rentenbeginns sind dann gänzliche andere Rechnungsgrundlagen üblich. Bei den bisher verkauften Verträgen brauchte sich der Kunde kaum um diese neuen Rechnungsgrundlagen scheren. Bei der „Perspektive“ der Allianz sieht das nun aber anders aus! Denn wenn sich die Rechungsgrundlagen ändern, dann wird die gesamte Rente neu berechnet.

Um die Auswirkung einer Änderung der Rechnungsgrundlagen zu untersuchen, hilft vielleicht ein Blick in die Vergangenheit. Dann geht um die Frage, welcher Vertrag wohl besser gelaufen wäre: Der „klassische“ Vertrag oder aber ein Vertrag mit identischen Kosten, mit einer um 0,3 Prozent höheren Überschussbeteiligung und einer Verrentung nach den dann einschlägigen Rechnungsgrundlagen. Was tippen Sie, welcher Vertrag gewinnt?

Kommentare (11)

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juhoh

17.08.2013, 15:03 Uhr

Tja, wir erleben gerade eine historisch neue Situation. FED, EZB, Notenbank Japan, Notenbank England usw. usw. haben die Leitzinsen gegen NULL gesenkt. Da wundert es nicht das die Versicherungen langsam ins trudeln kommen.
Mal von einer gewissen Distanz betrachtet werden gerade die Kleinsparer geplündert. Die Zinsen sind derweil niedriger als die Inflationsrate. Ich frage mich was als nächstes kommt, die Steuerzahler wurden schon ausgequetscht, die Kleinsparer geplündert und die Kapitalmärkte auf Rekordhochs gejagt? Eigentlich müsten jetzt die Lebensmittelpreise explodieren, da ist noch abzockpotential. Na denn, das Kilo Butter kostet noch keine 20 Euro, nun wirds aber langsam Zeit.

Verunsicherter

17.08.2013, 15:21 Uhr

Je mehr man sich mit Kapitallebens-, Kranken- und Rentenversicherungen (klassisch, Rürup oder Riester) befaßt, desto mehr kommt einem der Eindruck, daß alle Produkte nur für die Versicherung gut sind.

Alex

18.08.2013, 01:57 Uhr

Versicherer kommen ins trudeln? Das ist wirklich jammern auf sehr hohen Niveau und Verzehrung der Tatsachen. Tatsächlich sorgen die Versicherer gerade auch wegen innovativen Produktentwicklungen für mehr Sicherheit und Stabilität zum einen für den Finanzmarkt an sich und auch für den Kunden dem gerade bei den klassischen Produkten die Kapitalmarktrisiken durch den Versicherer abgenommen werden.
Zu der Kritik an sich muss festgehalten werden, dass natürlich das Produkt Perspektive in der Retrospektive im aktuellen Umfeld natürlich nur schlecht abschneiden kann - da die Sterbetafeln und der Garantiezins sich für den Kunden verschlechtert haben - wer sagt dass das auf Dauer so bleiben muss? Wer kann ausschließen, dass die Zinsen auf Perspektive 30 Jahre nicht doch wieder steigen? Zudem wird völlig außen vor gelassen - das ein höhere Garantien gem. Solvency II
die Versicherer mehr kosten - im Umkehrschluss dann auch künftig Produkte mit höheren Garantieelementen weniger zum Übetschuss d. Vetsicherers beitragen und Kunden dieser Produkte entsprechend geringere Überschüsse zugewiesen werden. Diese Systematik ist bereits bei einigen Marktteilnehmern zu beobachten. Herr Kleinlein müsste dieses Phänomen kennen - denn Assekurata hat dies in ihren Studien festgestellt.

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